Coronavirus: Handel vor neuem Lockdown
 
Andy Wenzel
Das Bundesministerium verhängt bis 6. Dezember einen weiteren Lockdown über Österreich.
Das Bundesministerium verhängt bis 6. Dezember einen weiteren Lockdown über Österreich.

Abgesehen von Lebensmittelhandel, Drogeriefachhandel und Apotheken müssen alle Geschäfte erneut schließen. Unterstützungsmaßnahmen sind gefordert.

Wie die Bundesregierung vergangenen Samstag, dem 14. November, bekannt gab, steht Österreich vor einem neuerlichen harten Lockdown, wie er schon im März über das Land verhängt wurde. Ab 17. November bis vorerst 6. Dezember gelten wieder ganztägige Ausgangsbeschränkungen; Schulen, Freizeiteinrichtungen, körpernahe Dienstleistungen und weite Teile des Handels müssen geschlossen halten. Nur Apotheken, Drogerien, der Lebensmittelhandel (einschließlich Verkaufsstellen von LebensmittelproduzentInnen und bäuerlichen Direktvermarktern), Agrarhandel und eine handvoll weiterer Bereiche dürfen offen bleiben. Die Wirtschaftskammer Österreich sowie der Handelsverband reagierten umgehend und fordern rasche Unterstützungsmaßnahmen für den Handel.

"Unterstützungsmaßnahmen jetzt überlebenswichtig"

"Mit dem angekündigten Lockdown macht die Bundesregierung ab Dienstag einen harten Schnitt, der natürlich vor allem die Handelsbetriebe trifft, die kurz vor dem Weihnachtsgeschäft stehen. Eine schnelle und unbürokratische Hilfe ist jetzt das Gebot der Stunde und eine wirtschaftliche Notwendigkeit", sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ. Finanzminister Gernot Blümel kündigt bereits Entschädigungen an. Körpernahe Dienstleistungen, also etwa Friseure, Masseure oder Kosmetiker werden für die Zeit der Schließung 80 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum November 2019 ersetzt bekommen. Der Handel müsse allerdings aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen wie etwa Gewinnspannen, verderbliche Güter, Wiederverkauf und Nachholeffekten, differenziert betrachtet werden, heißt es in einer Stellungnahme. Grundsätzlich werden 40 Prozent des Umsatzes erstattet werden. Jene Bereiche mit verderblicher und stark saisonal bedingter Ware werden zu einem höheren Anteil ersetzt. Für Unternehmen, die von den Maßnahmen nicht direkt betroffen sind, aber aufgrund des Corona-Virus deutliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben, soll ein Fixkostenzuschuss ausgearbeitet werden. Nach aktuellem Stand werden bis 800.000 Euro, abzüglich der bereits erhaltenen Hilfen, verfügbar sein. Parallel dazu wird es eine Fixkosten-Verlust-Variante mit bis zu drei Millionen Euro für größere Unternehmen geben.
„Eine schnelle und unbürokratische Hilfe ist jetzt das Gebot der Stunde.“
Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ

"Das ist eine unbedingt notwendige Hilfe für unsere Betriebe. Denn insbesondere kleine und mittlere Händler trifft dieser Lockdown ganz besonders. Und unsere Handelsbetriebe leiden bereits seit Beginn des soften Lockdowns Anfang November und melden deutliche Umsatzrückgänge in Millionenhöhe", so Trefelik. Gleichzeitig müsse man aber die sehr unterschiedlichen Handelssparten vor Augen haben, sodass eine Staffelung der Hilfen auf dieser Basis in letzter Konsequenz argumentierbar sei.

Weniger Verständnis zeigt der Handelsverband. "Die Gesundheit der Bevölkerung steht für den österreichischen Handel an höchster Stelle. Da die Covid-Infektionszahlen zuletzt besorgniserregend angestiegen sind, haben wir vollstes Verständnis für die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Kein Verständnis haben wir jedoch für die Ankündigung, den krisengebeutelten Händlern keine Sicherheit beim Umsatzersatz zu geben und eine Range zwischen 20, 40 oder 60 Prozent während des Lockdowns anzukündigen. Alle anderen direkt betroffenen Branchen wie die Gastronomie und der Tourismus werden mit 80 Prozent entschädigt. Genau das erwartet sich auch der Handel in einer Phase, in der er wichtige Mehrumsätze hin zum Weihnachtsgeschäft erzielen müsste", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will und weiter: "Für unsere Branche ist der harte Lockdown das Worst-Case-Szenario. November und Dezember sind die beiden umsatzstärksten, wichtigsten Monate des Geschäftsjahres. Pro Lockdown-Woche rechnen wir im Non-Food Handel mit einem Umsatzausfall von mindestens 900 Millionen Euro. Profitieren werden in erster Linie jene internationalen Onlinehändler aus Drittstaaten, die kaum Steuern zahlen und wenig zum Gemeinwohl beitragen. Der Lockdown gleicht für die Handelsbranche einem Amazon-Förderungsprogramm." Der Handelsverband fordert einen Umsatzersatz von 80 Prozent, also in gleicher Höhe wie für die bereits von Schließungen betroffenen Branchen. Eine ungleiche Behandlung wäre sachlich nicht gerechtfertigt. Einige Handelsunternehmen haben dem Handelsverband bereits angekündigt, Klagen beim Verfassungsgerichtshof zu erwägen.

Noch schnell shoppen

Dass die Konsumenten das Einkaufen im stationären Handel nicht so leicht aufgeben möchten, zeigen Bilder der letzten Tage. Zahlreiche Besucher strömen zum Prä-Lockdown-Shopping in Einkaufszentren und stehen vor Geschäften wie Humanic, Zara oder TK Maxx Schlange.

Stefan Pirker
In Massen strömen Konsumenten vor dem Lockdown noch einmal in die Geschäfte.
Stefan Pirker
In Massen strömen Konsumenten vor dem Lockdown noch einmal in die Geschäfte.
stats