Coronavirus: Mode- und Möbelhandel mit den gr...
 
Coronavirus

Mode- und Möbelhandel mit den größten Umsatzverlusten

Stefan Pirker

Modellrechnungen des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität Linz zeigen, dass ein Shutdown bis Ostern im stationären Einzelhandel zu Umsatzeinbrüchen in Höhe von rund 2,6 Mrd. Euro (brutto) führt. Bleiben die Geschäfte bis Ende April zu, sind es rund 4,3 Mrd. Euro.

Ein Viertel der Umsatzverluste bis Ostern (gerechnet vom Beginn des Shutdowns am 16. 3. 2020 bis Ostermontag, 13. 4. 2020) entfällt alleine auf den Einzelhandel mit Bekleidung (530 Mio. Euro) sowie Schuhe und Lederwaren (120 Mio. Euro). Schließlich kann die aktuelle Frühjahrskollektion zurzeit nicht verkauft werden. Knapp unter einer halben Milliarde Euro, konkret 480 Mio. Euro, dürften die Umsatzeinbußen des Möbelhandels ausmachen. Als schwierig wird auch die Situation für den Sportartikelhandel beschrieben, der zu Ostern traditionell in in die Frühjahrsaison startet. Gleiches gilt für den Spielwarenhandel, für den Ostern nach Weihnachten der zweitwichtigste Umsatzbringer des Jahres ist. Hier die einzelnen Branchen im Überblick:

Umsatzverluste ausgewählter Einzelhandelsbranchen durch den Shutdown bis Ostern, in Mio. Euro
EH mit Bekleidung:  530
EH mit Möbeln: 480
EH mit Bau-/Heimwerkerbedarf:  380
EH mit Elektrogeräten: 270
EH mit Sportartikeln: 210
EH mit Schuhen/Lederwaren: 120
EH mit Büchern/Zeitschriften 100
EH mit Uhren/Schmuck 90
EH mit Spielwaren 30

Jüngere vermissen geschlossene Geschäfte am stärksten

Am Institut für Handel, Absatz und Marketing der JKU Linz hat man aber ebenso erhoben, wie stark die Österreicherinnen und Österreicher den Einkauf in Geschäften abseits vom Lebensmitteleinkauf vermissen. Hier zeigt sich ein deutliches Altergefälle. Während 62 Prozent der 18- bis 25-Jährigen angaben, sie würden jetzt gerne im geschlossenen, stationären Handel einkaufen, waren es nur 22 Prozent der 66- bis 75-Jährigen. Im Durchschnitt liegt dieser Wert bei 47 Prozent.
Akutell am meisten vermisst werden übrigens Bau-/Heimwerkerbedarf (27 Prozent), Bekleidung (14 Prozent), Bücher (10 Prozent), Elektrogeräte (9 Prozent) und Spielwaren (8 Prozent).

Einkaufserlebnis online nur schwer imitierbar

Aufgrund dieser Angaben ziehen Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Christoph Teller und Dr. Ernst Gittenberger, Leiter Centre of Retail and Consumer Research, folgendes Resümee: "Diese Ergebnisse zeigen eines klar, der stationäre Einzelhandel fehlt den Österreicher*innen. Es scheint, als ob die Konsument*innen Anlauf für die Kaufphase danach holen. Das Geld ist gespart, der Wille ist da und es gilt zu hoffen, dass der Einzelhandel, vor allem der stationäre, gerüstet ist, um den 'Kaufhunger' der Österreicher*innen in der Nach-Coronavirus-Phase zu stillen. Online in der Krisenphase ist wohl keine wirkliche Alternative zum Einkauf mit allen Sinnen im stationären Handel. Das wahre Einkaufserlebnis ist eben online schwer imitierbar. Einmal mehr zeigt sich auch, dass die Konsument*innen keine asozialen, emotionsfreien und rationalen Wesen sind, die durchkalkuliert den 'schmerzfreisten' Weg des Einkaufs suchen."
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