Coronavirus: Österreichs stationärer Handel m...
 
Coronavirus

Österreichs stationärer Handel mit täglich 80 bis 140 Mio. Euro Umsatzverlust

Stefan Pirker
Die derzeit verwaiste Wiener Innenstadt
Die derzeit verwaiste Wiener Innenstadt

Die Beratungsunternehmen Standort + Markt und RegioPlan Consulting haben die monetären Auswirkungen des Coronavirus auf den heimischen Einzelhandel unter die Lupe genommen.

Am Freitag, den 20. März 2020, veröffentlichte Standort + Markt die durchschnittlichen Umsatzeinbußen aufgrund der Geschäftsschließungen als Folge des Coronavirus bei Österreichs Shopping-Centern und Fachmarktzentren. Nun beleuchtete man diese Auswirkungen auf den gesamten österreichischen Einzelhandel. Sprich man hat in die Berechnungen auch die Innenstädte, sonstige Fachmarktagglomerationen sowie Betriebe in Streulage hineingenommen. Dies sind in Summe 37.600 Shops mit einer Verkaufsfläche von 13,8 Millionen Quadratmetern. Die größten Umsatzverluste müssen demnach die Cities mit 66,8 Prozent hinnehmen, am wenigsten betroffen sind kleinflächige Betriebe in Streulagen mit minus 20,0 Prozent. Im Durchschnitt belaufen sich die Umsatzrückgänge auf 46,4 Prozent. Daraus ergeben sich Brutto-Umsatzverluste pro Tag in einer Spanne von 78,7 Mio. Euro (basierend auf den Konsumerhebungsdaten der Statistik Austria) und 113,1 Mio. Euro (basierend auf den von der KMU-Forschung publizierten Umsatzwerten des österreichischen Einzelhandels).

RegioPlan Consutling stellt folgende Berechnung an: Von den aktuell 14,2 Mio. Quadratmetern Verkaufsfläche in Österreich dürfen derzeit 10,3 Mio. bzw. 73 Prozent nicht betreten werden. Ausgehend von den Konsumausgaben der Privathaushalte von etwa 73 Milliarden Euro pro Jahr und unter Abzug der Branchen, die weiterhin geöffnet haben, ergibt sich ein tägliches Umsatzvolumen von etwa 167 Mio. Euro (stationär und online). Wenn man davon den "normalen" branchenspezifischen Onlineanteil vom rund 37 Mio. Euro abzieht, verbleibt ein stationärer Brutto-Umsatzrückgang von täglich rund 130 Mio. Euro. RegioPlan geht weiters davon aus, dass die Umsatzeinbußen durch den ausfallenden Tourismus weitere 9,5 Millionen Euro pro Tag für den stationären Handel betragen.

Bei Standort + Markt betont man, dass die "alten" Standort-Gesetzmäßigkeiten durch das Coronavirus außer Kraft gesetzt wurden. Begehrte, mit hohen Mieten belegte Geschäftslokale etwa in der Wiener Mariahilfer Straße oder der Grazer Herrengasse erleiden derzeit Frequenzeinbrüche von über 90 Prozent. Die Folge: Niedrigste Umsätze bei sehr stolzen Standortkosten. Profitieren können von der jetzigen Situation laut Standort + Markt u.a. Verbrauchermärkte mit breitem Warenangebot auch aus dem Non-Food-II-Bereich, großzügigen Gängen und genügend Parkplätzen.

RegioPlan Consulting widmet sich darüber hinaus der Frage, ob der LEH und hier insbesondere sein Onlinehandel, aktuell zu den Gewinnern zählt. Die Conclusion fällt folgendermaßen aus: "KonsumentInnen lernen derzeit, dass die Hauszustellung von Lebensmitteln und Klopapier auch seine Vorteile hat, insbesondere wenn eine (völlig berechtigte und sinnvolle) allgemeine Kontaktphobie herrscht. Ob das den Lebensmittelhandel sehr freut, sei dahingestellt, denn viel Profit kann man mit der Lieferung von Lebensmittel nicht machen."


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