CASH+/Coronavirus (Update 31.3., 9:30): Regie...
 
CASH+/Coronavirus (Update 31.3., 9:30)

Regierung führt Maskenpflicht im LEH ein, Händler zum Teil nicht informiert

coyot - Pixabay
Voraussichtlich ab Mittwoch herrscht in Supermärkten Maskenpflicht.
Voraussichtlich ab Mittwoch herrscht in Supermärkten Maskenpflicht.

Bundeskanzler Sebastian Kurz gibt weitere Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus bekannt.

Update 31.3., 9:30: Laut Spar-Pressesprecherin Nicole Berkmann werden die Masken vom Handel nun doch gratis zur Verfügung gestellt. 

Update 30.3., 14:30: Spar erhielt mittlerweile aus dem Kabinett Kurz die Info, dass es betreffend Kosten möglicherweise eine Verordnung geben soll und die Masken nicht gratis sein werden. Allerdings war bei der Pressekonferenz der Bundesregierung davon keine Rede. Laut Pressesprecherin Nicole Berkmann wartet das Unternehmen hier noch auf aktuellere Informationen.

Update 30.3., 17:15 Uhr: Hannes Wuchterl, Geschäftsführer der ZEV Nah&Frisch Marketingservice Gesellschaft, monierte zudem, von der Bundesregierung vorab überhaupt nicht über die neue Maßnahme informiert worden zu sein (siehe Statement im Kasten unten). Für ihn sind gleich mehrere Fragen noch offen und dringend (!) zu klären: Woher kommen die Masken? Wo werden sie verteilt? Wenn am Mittwoch keine Masken da sind, darf der Kaufmann aufsperren? Was passiert mit den (Einweg-)Masken, sollen die im Geschäft entsorgt werden?

Voraussichtlich ab Mittwoch teilen Mitarbeiter in allen Filialen des Lebensmitteleinzelhandels Mund- und Nasenschutz-Masken (MNS-Masken, keine medizinischen Masken) für alle Kunden aus. Ab dem Zeitpunkt wird das Tragen der Masken beim Einkauf Pflicht. Mittelfristig sollen diese dann auch außerhalb von Supermärkten, also überall dort, wo man mit anderen Menschen in Kontakt kommt, zum Einsatz kommen. Bundeskanzler Sebastian Kurz führt weiter aus, dass diese Maßnahme keinen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus darstellt und warnte vor einem falschen Sicherheitsgefühl. Allerdings schützt man so andere Menschen vor einer Übetragung durch Tröpfcheninfektion. Die laufenden Maßnahmen wie beispielsweise das Abstandhalten gelten natürlich weiterhin. Zudem soll es zu Stoßzeiten Kontrollen und gegebenenfalls Einlassbeschränkungen geben, wenn sich zu viele Personen in den Supermärkten aufhalten.

Innenminister Karl Nehammer machte zudem darauf aufmerksam, dass wer diese Maßnahmen mißachte, mit Strafen zu rechnen habe. Die Bilder von stark besuchten Märkten und Grünflächen am Wochenende bezeichneten sowohl Nehammer als auch Vizekanzler Werner Kogler als erschütternd. Kogler: "Wir haben es hier nicht mit einem Grippevirus zu tun, das muss einem doch einleuchten, auch wenn man kein Experte ist. Wir sind darauf angewiesen, dass alle mitmachen und auch die neuen Maßnahmen befolgen."

Dabei wird die Beschaffung und die Ausgabe der Masken eine logistische Herausforderung sein, wie auch der Handelsverband in einer Aussendung befürchtet: "Die Beschaffung der NMS-Masken stellt die gesamte Branche vor eine große Herausforderung, da es vielerorts weiterhin Lieferengpässe und -verzögerungen gibt, gerade bei derartigen Mengen für die Gesamtbevölkerung. Unseren Schätzungen zufolge benötigen wir mindestens vier Millionen Masken pro Tag, wenn man von einer einmaligen Verwendung und einem unveränderten Kaufverhalten ausgeht", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Die Händler begrüßen die neuesten Maßnahmen grundsätzlich, bei der Umsetzung gibt es aber noch zahlreiche Fragezeichen. Welche das konkret sind, lesen Sie in nachfolgenden Statements, die wir laufend aktualisieren.

Spar

Pressesprecherin Nicole Berkmann: "Wir sind aktuell dabei, unsere Mitarbeiter mit Masken auszustatten. Wir haben aktuell genügend Mengen für unseren Mitarbeitenden vorrätig. Wir tun alles Menschenmögliche, damit wir ab Mittwoch auch schon Masken für unsere Kunden zur Verfügung haben. Ich glaube nicht, dass sich jemand weigert, die Masken zu tragen, denn dazu sind die Kunden viel zu verunsichert."

 

Hofer

Hofer lässt auf CASH-Nachfrage mitteilen: "Die Hofer KG kommt der Aufforderung durch die Bundesregierung selbstverständlich nach und wird sämtliche Hebel in Bewegung setzen, um für alle Mitarbeiter und Kunden Mund-Nasen-Schutzmasken verfügbar zu haben. Das Tragen von MNS-Masken ist eine verbindliche Richtlinie seitens der Bundesregierung, der unsere Kunden im Interesse der eigenen Gesundheit als auch jener der Mitmenschen bestimmt nachkommen werden."

Lidl

Pressesprecher Hansjörg Peterleitner: "Die meisten unserer Mitarbeiter in den Filialen tragen bereits Schutzmasken. Ab Mittwoch wird dies nun für alle Mitarbeiter in den Filialen verpflichtend sein. Zusätzlich werden die Mitarbeiter mit Schutz-Visieren ausgestattet. Wir versuchen außerdem dem Wunsch der Regierung nachzukommen, den Kunden sobald uns das möglich ist Mund-Nasen-Schutzmasken anzubieten. Die Regierung stellt uns hier allerdings vor große Herausforderungen. Selbst Krankenhäuser und Blaulicht-Organisationen können den Bedarf auch im Bereich der MNS Masken nicht decken."

Nah&Frisch

Nah&Frisch Geschäftsführer Hannes Wuchterl: „Die Bundesregierung hat uns überrumpelt. Es gab keinerlei Vorabinformation für uns als Nahversorger im ländlichen Bereich. Wir arbeiten gemeinsam mit unserem Partner Markant, aber auch mit anderen möglichen Quellen, an der Beschaffung der Masken. Wir sind enttäuscht, dass es die Bundesregierung hier komplett verabsäumt hat, mit uns vorab zu sprechen. Selbstständige Kaufleute und deren Mitarbeitern in Klein- und Kleinstgemeinden in ganz Österreich leisten in diesen Tagen Außergewöhnliches. Wir fordern die Bundesregierung auf, auch diesen Bereich des Lebensmittelhandels in ihre Überlegungen rechtzeitig und fair einzubinden."

Rewe International

Pressesprecher Paul Pöttschacher: "Unsere Mitarbeiter sind ab Mittwoch 1. April als weitere Schutzmaßnahme mit Mund- und Nasen-Schutz ausgestattet, da sie überproportional vielen Kontakten ausgesetzt sind. Wir werden auch unseren Kunden in den nächsten Tagen  sobald die Lieferkapazitäten vorhanden sind  an allen Standorten (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) Mund- und Nasen-Schutzmasken anbieten. Ein erstes Kontingent wird gratis zur Verfügung gestellt. Unsere Kunden können auch von zuhause mitgenommene beziehungsweise selbst produzierte Masken für ihren Einkauf verwenden."

  

dm drogerie markt
Pressesprecher Stefan Ornig: "Die angekündigte Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sehen wir sehr positiv als Beitrag dafür, dass infizierte Personen das Virus weniger leicht übertragen können. Sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Kunden sind noch besser geschützt, wenn alle in den Filialen anwesenden Personen Masken tragen. Auch dm war in die Vorbereitung der neuen Regelung mit einbezogen und wir haben bereits Maßnahmen ergriffen, um für eine entsprechende Ausstattung von Mitarbeitern und Kunden zu sorgen. Ab Ende dieser Woche erwarten wir mehrere 100.000 Masken. Die Beschaffung ist alles andere als einfach, da die Masken nicht in Österreich produziert werden, weiterhin Schwierigkeiten an den Grenzen bestehen, Luftfrachtkapazitäten aus Asien fehlen und der internationale Markt mit der Erfüllung des weltweiten Bedarfs im Moment überfordert ist. Sobald seitens der Bundesregierung fixiert ist, wie die Umsetzung und insbesondere auch die Durchsetzung der neuen Verpflichtung geregelt wird, werden wir bei dm umgehend alles Weitere in die Weg leiten. Wichtig ist uns, sowohl gegenüber Kunden als auch Mitarbeitern klarzustellen, dass es sich beim Mund-Nasen-Schutz um eine zusätzliche Maßnahme handelt. Die bestehenden Hygienemaßnahmen und insbesondere der Mindestabstand von einem Meter sind weiterhin strikt einzuhalten.“
Stefan Ornig wird seine Funktion als Pressesprecher von dm drogerie markt auch in der Agentur Plenos
Fotos: Plenos

stats