Coronavirus: Weitere Lockerungen?
 
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Die Bundesregierung berät sich über weitere Lockerungen und Öffnungsschritte mit 10. Juni. Diese sollen vor allem die Sperrstunden, Abstandsregeln in der Gastronomie und das Aus für Maskenpflicht im Freien betreffen. Doch auch der Handel stellt Forderungen.

Morgen, Freitag, den 28. Mai, setzt sich die Regierung erneut mit den Landeshauptleuten und dem Gemeindebund zusammen, um über weitere Öffnungsschritte und Lockerungen zu diskutieren, die bereits mit 10. Juni umgesetzt werden. Gegen Mittag soll es eine Pressekonferenz geben, wo die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert wird. Im Raum stehen vor allem Maßnahmen, die die Gastronomie betreffen. Gesundheitsminister Mückstein hat bereits angekündigt, dass er gerne die Sperrstunde von 22 Uhr auf Mitternacht verlegen würde. Darüber hinaus dürfte der Zwei-Meter-Abstand zwischen Besuchergruppen auf einen Meter verkleinert, und die Anzahl der Personen, die an einem Tisch sitzen, erhöht werden. Nach Angaben der APA scheint auch fix, dass man bei Veranstaltungen im Freien bald keine Maske mehr tragen muss. Bleiben dürfte die FFP2-Maskenpflicht noch in den Schulen oder etwa im Handel, wobei in den nächsten Wochen wiederum diskutiert werden soll, wieder zum herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz zurückzukehren.

Handel will Erleichterungen wie in der Gastronomie

Der Handel begrüßt zwar die Aussichten zur Rückkehr zum einfachen Mund-Nasen-Schutz, das ist ihm aber freilich nicht genug. Gerade im Hinblick auf die Erleichterung in der Gastronomie "muss es selbstverständlich auch eine Verbesserung für den Handel geben", fordert Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich. Neben der Reduktion des Mindestabstands tritt der Branchensprecher dafür ein, dass in einem ersten Schritt die 20 Quadratmeter, die derzeit pro Kunde zur Verfügung stehen müssen, auf 10 Quadratmeter abgesenkt werden. Mit diesen Forderungen steht er nicht alleine da, denn auch aus dem Handelsverband hört man ähnliche Forderungen, "um die Kollateralschäden der Pandemie Zug um Zug mit der verbesserten Gesundheitssituation zu reduzieren", wie es heißt.

Ausgaben eingebrochen

Für Handelsverbandsgeschäftsführer Rainer Will wäre das auch ein wichtiger Schritt, um es vor allem kleineren Shops zu erleichtern, da die langen Schlangen vor den Geschäften Kunden abschrecken würden und die angeschlagene Branche dadurch weiter Kunden verliert. Erst kürzlich hat der Handelsverband die Jahresbilanz "Österreichs Handel in Zahlen veröffentlicht", wo festgestellt wurde, dass die privaten Haushaltsausgaben 2020 real um 8,2 Prozent auf 192,5 Milliarden Euro eingebrochen sind. Das Vorkrisenniveau soll demnach erst 2024 wieder erreicht werden.

Der Einzelhandel musste dabei ein Umsatzminus von rund 1,3 Prozent verkraften. Auf den ersten Blick scheint es so, als sei der heimische Einzelhandel bisher mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen. Erst bei genauerer Betrachtung der Zahlen wird klar, wie enorm das Schadensausmaß der Pandemie tatsächlich ist. Allein die Umsatzverluste für die "Osterruhe" im Osten belaufen sich auf 1,95 Milliarden Euro. Der Onlinehandel konnte einen Teil dieser Verluste auffangen, allerdings haben davon insbesondere Webshops aus Drittstaaten wie Amazon profitiert. "Die Einkäufe konzentrierten sich im Vorjahr ganz stark auf In-Home-Produkte. Das Podium der Top-3-Wachstumssieger 2020 bilden Nahrungsmittel mit +8,6 Prozent, Videospiele mit +6,7 Prozent, Grünraumprodukte mit +5,4 Prozent. Alle Ausgaben in Zusammenhang mit sozialen Kontakten und Outdoor- bzw. Freizeitaktivitäten waren hingegen rückläufig", so Studienautor Andreas Kreutzer von der branchenradar.com Marktanalyse. Die Wiedereröffnung von Gastronomie, Hotellerie, Sport und Kunst nach dem Lockdown hat auch dem Handel gutgetan. Im Mai erhofft man sich für den stationären Handel einen Mehrumsatz pro Woche von 100 Millionen Euro im Vergleich zu den bisherigen Umsatzentwicklungen seit der Öffnung des Handels. Die Lockerungen der Maßnahmen im Juni könnten weitere positive Akzente setzen.
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