Coronavirus/Gallup Institut/WU Wien: Einkaufe...
 
Coronavirus/Gallup Institut/WU Wien

Einkaufen in der Krise

Markus Wache
Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz
Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz

Das Österreichische Gallup Institut und das Institut für Handel und Marketing der Wirtschaftsuniversität Wien haben untersucht, wie sich die Einkaufsgewohnheiten der Österreicher in Zeiten zahlreicher geschlossener Geschäfte verändert haben.

Im Zeitraum 2. bis 5. April 2020 hat das Österreichische Gallup Institut mittels Webumfrage bei 1.000 Österreicherinnen und Österreichern ab 16 Jahren ihr Einkaufsverhalten in Zeiten des Coronavirus erhoben. Dabei gaben 78 Prozent der Befragten an, dass sie nun seltener und 57 Prozent, dass sie weniger einkaufen würden als vor der Corona-Krise. Aus der Gruppe der über 70-Jährigen verzichteten 27 Prozent sogar gänzlich auf Einkäufe.

Wer dennoch ein geöffnetes Geschäft besucht, der geht nun zielgerichteter vor. Sprich der Einkaufszettel erlebt ein Revival, Impulskäufe einen deutlichen Rückgang, erklärt Gallup-Geschäftsführerin Dr. Mag. Andrea Fronaschütz.
Ebenso erhoben wurden Veränderungen im Bezahlverhalten. Dabei zeigte sich, dass 43 Prozent der Befragten in den vergangenen Wochen öfter kontaktlos mittels NFC-Karte bezahlt haben als davor. Im Gegenzug verwendeten 44 Prozent seltener Bargeld. Interessantes Detail: 50 Prozent wollen das zuletzt auf 50 Euro erhöhte Limit bei kontaktlosen Bezahlungen auch nach dem Ende der Coronavirus-Schutzmaßnahmen beibehalten, bei den über 70-Jährigen sind es sogar 69 Prozent.

Fünf Prozent der Bevölkerung kaufte erstmals im Internet

Ein weiterer Teilbereich der Studie widmete sich dem Onlineshopping. In diesem Zusammenhang kam heraus, dass fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen zum ersten Mal im Internet einkauften. Wie o.Univ.-Prof. Dr. Peter Schnedlitz, emeritierter Vorstand des Instituts für Handel & Marketing an der WU-Wien ausführte, orderten von den Erstkäufern 24 Prozent Bekleidung, 21 Prozent Sportartikel und 19 Prozent Baumarktartikel. 48 Prozent der "Online-Novizen" bestellten bei Amazon, 14 Prozent bei Zalando/Quelle/Otto Versand und sechs Prozent bei MediaMarkt/Conrad.

Ein großes Kompliment sprachen Fronaschütz und Schnedlitz unisono dem heimischen Lebensmittelhandel aus. Dieser hätte nämlich gerade in unsicheren Zeiten durch sein Funktionieren für Beruhigung gesorgt. So gaben 84 Prozent der Befragten an, dass sie sich auf die Warenverfügbarkeit im LEH verlassen. Eine in etwa gleich große Anzahl stellte dem LEH ebenso ein gutes Zeugnis in Sachen Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden aus, die von der überwiegenden Mehrheit als ausreichend eingestuft werden.

Als langfristige Auswirkungen der Corona-Krise für den österreichischen Handel nannte Prof. Schnedlitz u.a. die weitere Zunahme des Onlinehandels, wobei internationale Plattformen stärker punkten sollten als heimische. Zudem wird sich im "Bargeld-Land" Österreich die bargeldlose Bezahlung in Zukunft steigender Beliebtheit erfreuen.
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