Creditforum: 21 Firmeninsolvenzen pro Tag
 
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21 Firmeninsolvenzen pro Tag

geralt - pixabay.com

Im Vergangenen Jahr gab es mit 5.235 Fällen nur unwesentlich mehr Insolvenzen als 2018.

Wie das Creditforum berichtet, wurden 2019 um 0,2 Prozent mehr Firmeninsolvenzen beantragt als im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 11 beantragten Verfahren. Aus den 5.235 Anträgen ergaben sich 3.133 eröffnete Fälle, ein Zuwachs von 0,6 Prozent. Die restlichen 2.102 Einreichungen wurden mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Die gesammelten Insolvenzpassiva lagen bei über 1,7 Milliarden Euro. Rund 41,5 Prozent aller heimischen Unternehmen waren zumindest von einer oder mehreren Kundeninsolvenzen betroffen, 77 Prozent der Gläubiger waren dabei Kleingläubiger mit Forderungen von unter 10.000 Euro.

Dazu Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform: "Österreichs Konjunktur erweist sich dank der starken Exporte und dem guten Binnenkonsum als stabil. Zudem haben sich die heimischen Unternehmen durch den Aufbau von Eigenkapital krisenresistenter gemacht."

Unter den Insolventen mit den meisten Verbildlichkeiten waren SFL technologies mit 57,5 Millionen Euro, die mittlerweile sanierte Alufix Folienverarbeitungsgesellschaft (CASH berichtete) mit 52,4 Millionen Euro und Thomas Cook Austria mit 33 Millionen Euro. Am meisten Mitarbeiter (394) waren bei der Charles Vögele-Pleite betroffen, gefolgt von der Herbitschek GmbH (296) und Gruber & Kaja High Tech Metals mit 201 Mitarbeitern.

Unterschied in den Bundesländern und Branchen

Den stärksten Rückgang an Insolvenzen im Vergleich zu 2018 konnte Niederösterreich mit minus 7,4 Prozent verzeichnen, gefolgt von der Steiermark (minus 4,9 Prozent) und Oberösterreich (minus 4,4 Prozent). Den deutlichsten Anstieg gab es hingegen in Tirol mit plus 35,4 Prozent, dahinter Salzburg mit plus 10,6 Prozent und Vorarlberg mit plus 8 Prozent. Die meisten Insolvenzen pro Unternehmen gab es in Wien mit 17 pro 10.000 Firmen, bundesweit waren es 11 pro 10.000.

Im Handel gingen die Anträge am stärksten zurück, das branchenweite Minus betrug 8 Prozent, bei der Industrie waren es minus 5,4 Prozent. Ein unübersehbares Plus gab es beim Transportwesen, hier wurden 27,9 Prozent mehr Insolvenzanträge als im Vorjahr gestellt. Bei der Gastronomie blieb die Quote trotz Rauchverbots weitestgehend stabil, hier kam es zu lediglich 27 mehr Verfahren als im Jahr davor.

Privatinsolvenzen gab es übrigens 10.810, das sind um 532 Fälle oder 4,7 Prozent weniger als 2018.

Fazit und Ausblick

2018 gab es so wenige Insolvenzen wie seit 2001 nicht mehr - ein Trend, der mit 2019 knapp aber doch gebrochen wurde. Zwar ist laut einer Creditforum-Umfrage bei 1.700 heimische Unternehmen die Stimmung positiv aber der Optimismus hat seine Grenzen. Daher halten viele Firmen ihre Erwartungen für 2020 bewusst niedrig. Als Gründe dafür werden politisch unsichere Situationen wie die Folgen des Brexit oder die Auswirkungen des Corona-Virus auf den Chinesischen Außenhandel genannt. Zusammenfassend schreibt das Creditforum in einer Presseaussendung: "In der Langzeitentwicklung der Firmeninsolvenzen in Österreich werden diese 2020 auf einem relativ geringen Niveau verharren. Die eine oder andere Großinsolvenz ist aber nicht auszuschließen."
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