CASH Handelsforum 2013: Das Phänomen Lobbying
 
CASH Handelsforum 2013

Das Phänomen Lobbying

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(c) Johannes Brunnbauer
(c) Johannes Brunnbauer

Prof. Dr. Karl Jurka wird als "sympathischer Aufklärer" in Sachen Lobbyismus bezeichnet - ebenso sympathisch war sein Vortrag als Keynote Speaker am zweiten Tag des CASH Handelsforums über "das Phänomen Lobbying".

"Lobbyismus kann am einfachsten übersetzt werden mit: Durch´s Reden kommen die Leut´zam", erklärte Jurka zu Beginn seines Vortrages und räumte danach mit den Verwirrungen und Missverständnisse über das - vor allem in Österreich negativ besetzte - Thema Lobbyismus auf. Jurka hat seine Firma 1990 als "One Man Show" in Bonn gegründet und vergleicht sich spaßhalber "als deutsches Unternehmen mit österreichischem Chef - so wie VW oder Siemens." Mittlerweile beschäftigt er Mitarbeiter in Berlin, Paris, Wien, Rom, Brüssel und London. "Unsere Klienten engagieren uns wegen des Übersetzungsprozesses zwischen völlig unterschiedlichen Kulturen. Wenn ein Nachrichtentechniker und ein Wirtschaftsmanager an einem Tisch sitzen und über Roaming-Gebühren sprechen, kann es zu Missverständnissen kommen."

PR und Lobbyismus nicht verwechseln

"In Österreich haben wir oft das Problem, dass Lobbyismus mit PR verwechselt wird. Dabei ist es ganz einfach so: Ein Pressesprecher bekommt von seinem Unternehmen nur die Informationen, die er auch um 3 Uhr in der Früh im Vollrausch ausplaudern darf", erklärte Jurka schmunzelnd und ergänzt: "Bei Public Affairs lässt sich sagen, die schießen mit Schrot, während ein Lobbyist mit Kugeln schießt." Soll heißen: Ein Lobbyist trifft sich mit einem Entscheidungsträger, zB. einem Abgeordneten und redet Klartext während Public Affairs - auch atmosphärisches Lobbying genannt - mit vielen Menschen in größerem Rahmen kommuniziert.

Lobbying ist übrigens eine äußerst "frauendominierende" Branche, in Brüssel sind über 70 Prozent der Lobbyisten weiblich. "Frauen haben einfach das bessere Sensorium", erklärte Jurka. Als einen äußerst wichtigen Bereich bezeichnet er das diplomatische Lobbying: "Bei Marktregulierung kommt man beispielsweise nicht an Politikern vorbei. Ein guter Lobbyist zeichnet sich dadurch aus, dass er politische Vorgänge verfolgt und recherchiert und seinem Klienten dann sagen kann, was auf ihn zukommen wird. Die Hausdurchsuchungen im österreichischen Handel waren ja keine Überraschung, da ging ja ein Prozess in Brüssel voraus und man wusste, da kommt was."

Wer ist der Richtige für mich?

Lobbyisten werden vor allem über Mundpropaganda weiterempfohlen, stehen aber auch im Lobbyregister. "Ein guter Lobbyist schützt seine Kunden und erzählt nicht, wen er trifft. Wenn Ihnen jemand erzählt, wen er aller kennt, vergessen Sie ihn. Wenn er klassische Veranstaltungen als Anknüpfpunkt vorschlägt, ist er auch nicht gut. Wichtig ist, wie sehr interessiert er sich für Ihre Interessen und wie kann er sie in Politik übersetzen. Ein Erfolgshonorar zu verlangen, ist übrigens auch unseriös", fasste Jurka zusammen.

Lebenslauf Prof. Dr. Karl Jurka


Zur Person: geboren am 14. September 1952 in Wien, verheiratet mit Dr. med. Susanne Jurka, ein Sohn, Dr. phil. Johannes Jurka


Beruflicher Werdegang
2006 Verleihung des Berufstitels Professor
seit 1990 Politikberater und freiberuflicher Lobbyist
(ab 1997 Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Karl Jurka
Politik- und Marketingberatung GmbH, Berlin-Paris-Wien)
1980 – 1990 Hauptabteilungsleiter der ÖVP-Bundesparteileitung und Bundesorganisationsreferent der ÖVP
1979 – 1980 Studienleiter in der Politischen Akademie der ÖVP
1975 – 1979 Stellvertretender Leiter der Präsidialabteilung des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen

Ausbildung
1977 Promotion zum Doctor iuris an der Universität Wien
1976 Dienstprüfung für den Höheren rechtskundigen Dienst der Republik Österreich an der Verwaltungsakademie des Bundes mit Auszeichnung

Vorträge
Ab April 2010 Lehrauftrag an der Quadriga Hochschule Berlin
2009 Workshopsleiter im österreichischen Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten
2006 -2009 Dozent an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin-Tegel für Public Diplomacy, Lobbying and Political Communication
2006 - 2007 Seminarleiter bei der Siemens AG in München für Government Affairs und Lobbying
2005 - 2008 Vortragender auf der Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt in Berlin für Public Diplomacy
2004 - 2008 Vortragender an dem Politikkongress in Berlin für Public Diplomacy, Lobbyismus und Politische Kommunikation
2003 Gastdozent an der FH Berlin-Karlshorst für Politischen Lobbyismus
2002 Seminarleiter vor der WKÖ in Wien für Europäischen Lobbyismus
2001 - 2003 Seminarleiter an der Akademie der Deutschen Telekom AG in Bonn für Lobbyismus und Politische Kommunikation
1998 - 2005 Seminarleiter des Robert Schuman-Instituts der Europäischen Volkspartei (EVP-ED) in Österreich, Ungarn, Bulgarien, im Baltikum und in Polen
1997 - 2005 Dozent an der Aus- und Fortbildungsstätte des deutschen Auswärtigen Amtes in Bonn-Ippendorf für Public Diplomacy, Lobbyismus, Politische Kommunikation und Außenwirtschaftsförderung
1997 -1999 Dozent an der Diplomatischen Akademie in Wien für Public Diplomacy und Politische Kommunikation
1994 Gastdozent zum politischen Lobbyismus an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken
1990 - 1998 Seminarleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU in Deutschland, Österreich, Belgien und Griechenland
1987 - 1992 Seminarleiter für Kommunikation und Rhetorik der Österreichischen Akademie für Führungskräfte
1980 Gastdozent an der Universität für Bodenkultur in Wien zum Maß- und Eichrecht
1974 - 1980 Seminarleiter am WiFi St. Pölten für Rhetorik und Kommunikation
1972 - 1990 Seminarleiter der Politischen Akademie der ÖVP in Wien zu Politischer Programmatik, Politischer Kommunikation,Rhetorik und Wahlkampf Publikationen (Auswahl)
2010 „Immer komplexer“, Gastbeitrag in der Zeitschrift Politik&Kommunikation, Ausgabe Dezember 2009/Januar 2010
2005 „Lobbyismus – Professionalität jenseits des Wiener Schmähs“, Academia, Zeitschrift für Politik, Wirtschaft, Religion, Kultur, Oktober 2005
2005 „Die europäische Dimension des Vergaberechts“ in Schwerpunkte zum BVergG 2006, Sachs (Hrsg.), Manz Verlag
2003 "Dialog ist unverzichtbar. Zum Einfluss des Lobbyismus auf die Gesetzgebung des Deutschen Bundestages", in "politik&kommunikation", 6/2003, Politikverlag Berlin
1997 "Practical Skills in Public Diplomacy", im 32. Jahrbuch der Diplomatischen Akademie, Wien
1993 "Maastricht – Europa", in der Serie "kurz und bündig" des hpt Verlags, Wien
1988 "Das politische Plakat" im Verlag der Politischen Akademie, Wien
1986 "Wahlkampf zum Selbermachen" im Verlag der Politischen Akademie (2. Auflage 1990)
1979 "Aggression in der Politik" im Verlag der Politischen Akademie, Wien
1975 "Das Kind in der Gesellschaft" im Verlag der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, Wien, Zahlreiche Vorträge und Teilnahme an Diskussionsveranstaltungen, sowie Aufsätze in Fachzeitschriften zu Public Diplomacy, Politischer Kommunikation, Lobbyismus und Wahlkampf/Campaigning.

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