Interspar: Den Kunden als Gast sehen
 
Interspar

Den Kunden als Gast sehen

Johannes Brunnbauer
Interspar-GF Markus Kaser ortet eine stärkere Nachfrage nach Frischeprodukten. © Johannes Brunnbauer
Interspar-GF Markus Kaser ortet eine stärkere Nachfrage nach Frischeprodukten. © Johannes Brunnbauer

Die Verzahnung zwischen Handel und Gastronomie ist auch bei Interspar längst eingezogen. CASH sprach mit Geschäftsführer Markus Kaser über den Switch vom Kunden zum Gast, über Rezeptionen in allen Interspar-Märkten, über die Onlineshops und über auch privat mietbare Foodtrucks.

CASH: Herr Kaser, zur Nachwuchsrekrutierung lädt Interspar unter anderem auch regelmäßig Schüler direkt in die Filialen ein, um ihnen den Lehrberuf schmackhaft zu machen. Wie viele davon bleiben dabei hängen?
Markus Kaser:
Leider noch zu wenig, wir sind mit der Ausbeute noch nicht wirklich zufrieden. Aber solche Aktivitäten sind für unser Gesamtimage immens wichtig. Junge Menschen sollen uns kennenlernen und auch positiv über uns sprechen, uns weiterempfehlen. Was sich unter anderem auch beim Lehrlingswillkommenstag in der Salzburger Zentrale sehr positiv zeigt.

Worin liegen die Gründe, dass für viele Handelslehrlinge der Lebensmittelhandel uninteressant erscheint?
Weil es nach wie vor so ist, dass bei den Mädchen der Modehandel und bei den Burschen der Sportartikelhandel auf den ersten Blick attraktiver erscheint.

Die Anzahl der gesuchten Lehrlinge bei der Spar insgesamt beläuft sich alljährlich auf rund 900. Wie viele davon entfallen auf Interspar?
Rund 200. Bei den Lehrlingen können wir vor allem mit dem sogenannten Talentepool punkten. Hier werden nach einem besonderen Auswahlverfahren Toplehrlinge identifiziert, die über die normale Lehre hinaus in Theorie und Praxis ein spezifisches Ausbildungsprogramm erhalten, das ganz klar Richtung Führungsposition ausgerichtet ist. Mit eigenem Paten und einer Dauer von eineinhalb Jahren.

Wie viele dieser High Potentials durchlaufen jährlich den Talentepool?
Ungefähr 40, wobei die definitive Motivation unter anderem auch darin besteht, dass es durchaus möglich ist, bereits mit 22 Jahren Bereichsleiter mit 6 bis 8  Mitarbeitern zu werden. Zusätzlich zu den bisherigen sieben Lehrberufen, die es bei Interspar gibt, wird es ab Herbst auch jenen zum E-Com­merce-Kaufmann geben. Und generell werden wichtige E-Commerce-Inhalte in den Lehrplan aller Lehrberufe aufgenommen.

Erlaubt das Ausbildungsprogramm eigentlich auch Quereinsteiger?
Durchaus, jedoch müssen gewisse Ausbildungsschritte nachgeholt werden. Hierzu gibt es ja eigene Akademien, wo Ausbildungen in Blockform angeboten werden. Unter anderem haben wir zum Beispiel eine eigene Fischakademie, in der unsere Auszubildenden alles Notwendige für einen aktiven und kompetenten Fischverkauf erfahren –  warenkundemäßig genauso wie verkaufs- und servicetechnisch.

Stichwort Service, eines jener Assets, mit denen man sich als Händler heutzutage noch von der Konkurrenz abheben kann. Wo sehen Sie sich im Ranking der Supermärkte?
Ich glaube schon, dass wir im Moment ganz gut unterwegs sind und die Nase vorn haben.

Interspar.at ist Österreichs größtes Lebensmittelportal. Wie läuft da die Entwicklung?
Wir haben aktuell knapp 22.000 Artikel im Onlineshop, zu denen sich in den nächsten Wochen noch weitere aus dem Bereich haushaltsnahe Nonfood-Artikel gesellen werden. In den ersten fünf Monaten 2018 konnten wir gegenüber der gleichen Periode ein Jahr davor den Umsatz verdoppeln und ein 70-prozentiges Plus bei den Onlinebestellungen verzeichnen. Der Durchschnittseinkauf erhöhte sich seit unserem Start im November 2016 auf 90 Euro.

Welche Produkte sind dafür ausschlaggebend?
Getränke gehen am besten, in Wien vor allem Dosenbier und Mineralwasser. Obst & Gemüse ist ganz vorne mit dabei mit dem stärksten Einzelprodukt Biobananen, und ebenso vorne mit dabei sind Molkereiprodukte und Fleisch. Insgesamt werden Produkte aus dem Frischebereich immer stärker nachgefragt. Neu im Programm ist unser Partyserviceangebot wie z.B. Partybrezen, Sandwiches oder Partybrötchen.

Woher rekrutieren Sie die Auslieferungsmitarbeiter?
Zum einen haben wir eine Kooperation mit der Spedition Quehenberger und zum anderen werden sämtliche Zusteller ganz besonders geschult. Sie müssen jedoch ein gewisses Maß an gepflegtem Auftreten mitbringen, sich artikulieren können und ein positives Naturell haben. Das sind keine Logistikmitarbeiter wie anderswo, sondern bestens geschulte Servicemitarbeiter, die ihre Tätigkeit nicht als Servie am Kunden sehen, sondern am Gast. Das ist der große Unterschied.

Wie geht es der Weinwelt?
Auch hier können wir auf eine schöne Entwicklung zurückblicken. Wir liegen deutlich über dem Vorjahr, wobei unser neues Pick-up-Service – online bestellt und im Markt abgeholt – zweifelsohne einen weiteren Umsatzschub auslöste. Rund drei Viertel der Weine stammen im Übrigen aus Österreich, dann kommen die Italiener und dann erst der Rest. Und: Wir haben praktisch jeden österreichischen Winzer im Programm.

Nicht nur der Wein, sondern auch der vorhin erwähnte Service am Gast bringt mich zur aktuellen Verzahnung zwischen Handel und Gastronomie. Wie reagiert Interspar auf diesen Trend?
Zum einen ohnehin bereits seit Längerem mit unseren Interspar Restaurants, den Café Cappuccinos und unserem Take-away, das auch weit über die normalen Geschäftszeiten geöffnet hat. Wir versuchen aber auch in unseren Märkten die Tugenden der Gas­tronomie einfließen zu lassen. Wie etwa mit der sogenannten Rezeption nun bald in jedem Interspar. Ähnlich wie in einem Hotel wird das die Anlaufstelle für Fragen und Infos aller Art, quasi die Drehscheibe. Wir haben die Rezeption im Interspar Imst getestet und das ist so gut angekommen, dass wir ­diese nun in den nächsten Wochen in allen Märkten ausrollen. Der Kunde wird sozusagen zum Gast.

Stichwort ausrollen. Es gibt neuerdings einen eigenen Interspar- Foodtruck. Was kann der?
Wir sind damit auf Festivals, bei Events und überall dort, wo Menschen zusammenkommen – mit kalten und warmen Snacks, heißen und gut gekühlten Getränken. Man kann den Foodtruck aber auch mieten – privat oder als Unternehmen, inklusive Servicepersonal und eines individuell bestückten kulinarischen Angebots. Ab einer Pauschale von 400 Euro ist man dabei.

Herr Kaser, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview ist in der CASH-Doppelausgabe Juli/August 2018 erschienen.



© Johannes Brunnbauer
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