CASH Handelsforum: Der Donnerstag Vormittag
 
Johannes Brunnbauer
Silvia Meißl, CASH Chefredakteurin, leitete mit ihrer Begrüßungsrede den zweiten Tag des 32. Handelsforums ein. © Johannes Brunnbauer
Silvia Meißl, CASH Chefredakteurin, leitete mit ihrer Begrüßungsrede den zweiten Tag des 32. Handelsforums ein. © Johannes Brunnbauer

Den Donnerstag läuteten Vorträge von Daniel Gros vom Center for European Studies, Tim Mason von Eagle Eye Solutions und die UDO-Award-Verleihung ein.

Der 2. Tag des CASH Handelsforums startete mit der Begrüßungsrede von CASH Chefredakteurin Silvia Meißl und den Reden von Mag. Susanne Wendler von der UniCredit Bank Austria AG und Prof. Hans-Jörgen Manstein.  

Daniel Gros: Europa muss besser werden
Die erste Keynote-Speech „Europa muss besser werden“ hielt Daniel Gros, Direktor des Center for European Studies in Brüssel. Gros zitierte am Anfang seiner Rede Charles Darwins Theorie, der zufolge nur diejenigen überleben werden, die sich anpassen können. Europa stehe vor zahlreichen Herausforderungen und Krisen, die gleichzeitig eine Gelegenheit bieten würden, um besser zu werden und „den Zusammenhalt zu stärken“. Zu den drei äußeren Krisen zählt er Donald Trump, Vladimir Putin sowie die Türkei. Über den amerikanischen Präsidenten sagt Gros: „Ich glaube, dass die Gefahr, die von ihm ausgeht, übertrieben wird.“ Trump sei immerhin auch Geschäftsmann und hätte Interesse daran, dass beispielsweise der Handel reibungslos verläuft. Er glaubt, dass sich Europa keine großen Sorgen machen muss, denn Trump gehe ausschließlich gegen Schwächere vor und ein vereintes Europa sei überaus stark. Die zweite Herausforderung komme aus Russland. Das Land sei überall dort schwach, „wo wir stark sind“. Das seien vor allem die Demokratie und die Wirtschaft.

Über die Türkei sagt Gros, es sei „de facto klar, dass die Türkei nie EU-Mitglied wird“. Das Flüchtlings-Abkommen hätte Europa entgegen vorherrschender Meinung, nicht der Türkei ausgeliefert. Die Flüchtlingsströme hätten bereits abgenommen, als die Balkanroute geschlossen wurde und sie über Griechenland nicht mehr nach Europa kommen konnten, sondern Großteils auf Lesbos festsaßen. „Wir hängen sehr viel weniger von der Türkei ab, als sie von uns.“ Für Mitglieder sei die EU eine „Insel der Stabilität“. Ihre große Stärke zeige sich vor allem angesichts der genannten Herausforderungen.

Zu den drei inneren Herausforderungen zählt Gros den Brexit, den Euro und die Flüchtlingskrise. „Ohne Großbritannien sind wir viel homogener“, meint der EU-Experte. Die Regel, dass am Ende der Stärkere das bekommt, was er möchte, wird auch bei den Brexit-Verhandlungen bestätigt werden. Das Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien sei 5 zu 1 oder gar 6 zu 1. Dementsprechend werden die Briten auch auf die neuen Spielregeln, die Brüssel festsetzt, eingehen müssen.

Im Bezug auf den Euro sagt Gros, dass der Eindruck über die Wirtschaftslage Europas von jedem Land unterschiedlich gesehen wird. „Von Brüssel aus betrachtet, hat Österreich Luxusprobleme im Vergleich zu Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland.“ Es würden zum Teil divergente Ansichten zwischen den einzelnen Ländern herrschen. Ein wirklich großes Problem würde mit der Wahl in Italien bevorstehen. Die Wahl könnte großen Einfluss auf den Euro-Raum haben, sofern Parteien, die gegen den Euro sind, an die Macht kommen. Gros glaubt, dass Europa nie zu jenem großen Wachstum kommen wird, den es vor der Wirtschaftskrise 2009 hatte. Das würde die demographische Entwicklung nicht zulassen. Es gebe schlichtweg immer weniger Personen im arbeitsfähigen Alter. Die Wachstumsrate der arbeitsfähigen Bevölkerung sei vor der Krise positiv gewesen, nun sei sie negativ und würde auch so bleiben. Hinzu käme, dass auch das Produktivitätsniveau – vor allem im Einzel- und Großhandel – gesunken ist, was dazu führt, dass Investitionen immer mehr zurückgehen. Gros verteidigte die EZB gegen Vorwürfe, sie würde zu viele Anleihen kaufen: „Die EZB kauft keine Anleihen, sondern die nationalen Zentralbanken.“ Es gibt Gros zufolge „zu viele Ersparnisse und zu wenige Investitionen in Europa“. Europa und ihre Wirtschaft seien „besser als ihr Ruf“. Man dürfe allerdings nicht „das Unmögliche erwarten“ und von Europa amerikanischen Wachstumsraten verlangen.

Im Bezug auf die Flüchtlingskrise sieht Gros vor allem zwei Aufgaben, die die EU erfüllen muss. Zum einen müsse sie ihrer humanitären Verantwortung nachkommen und zum anderen ihre Grenzen besser sichern. Die Flüchtlingskrise sei nicht primär eine europäische Krise, sondern viel mehr eine Identitätskrise europäischer Nationalstaaten, die sie (jeder für sich selber) lösen müssen.

Tim Mason: New Marketing For New Consumer
Welche Möglichkeiten für die Händler entstehen, wenn sie direkt in den Shops mit den Shoppern über ihre Smartphones kommunizieren, beleuchtete Tim Mason. Der ehemalige Chief Marketing Officer (CMO) von Tesco ist nunmehr CEO von Eagle Eye Solutions. Ein Schwerpunkt des Unternehmens bildet die Erstellung und Übermittlung von individuell zugeschnittenen digitalen Gutscheinen auf Smartphones. Um möglichst genaue Shopperdaten in Echtzeit zu genieren, empfielt Mason den Händlern, als ersten Schritt alle Shops mit WIFI-Verbindungen auszustatten. "Nutzen Sie die Magie des Smartphones auch in Ihren Shops", meinte Mason, der darunter vor allem die Möglichkeit zur Personalisierung, die Erzielung von Relevanz sowie das Anbieten von convenienten Lösungen versteht. Wie so ein personalisiertes, relevantes Angebot am Smartphone aussehen kann, erläuterte Mason anhand eines Beispiels. Ein Shopper steht in der Fischabteilung eines Supermarkts. Über den dort angebrachten Beacon erhält er auf sein Smartphone ein Angebot für einen Weißwein, der genau auf seine Vorlieben zugeschnitten ist. Sprich aufgrund des bisherigen Einkaufsverhaltens weiß das System, dass der Shopper Sauvingon Blanc und nicht Chardonnay bevorzugt. Bei all dem Wissen, das sich aus Konsumentendaten generieren lässt, betonte Mason jedoch abschließend, nie die emotionale Ansprache des Konsumenten zu vergessen, denn schließlich will auch sein Herz berührt werden.

Award-Verleihung "UDO 2017"
Im Jahr 2013 von CASH-Chefredakteurin Silvia Meißl und proM2 Geschäftsführer Christian Reitterer initiiert, wurde der Vertriebsaward UDO heuer zum vierten Mal vergeben. Nach Günther Würrer von Kotányi, Hannes Winkelbauer von Winkelbauer und Adolf Persteiner von Stiegl ging der Preis, für den Julius Meinl am Graben-Chef Udo Kaubek als Namenspatron fungiert, 2017 an Franz Kreuzeder, Verkaufsleiter von Meggle Österreich. Vergeben von einer Jury bestehend aus Einkäufern, Sortimentsmanagern und Categorymanagern des heimischen Handels, drückt der Award eine ganz besonderer Wertschätzung für die Qualität der Zusammenarbeit aus.   Wie Silvia Meißl in ihren Einleitungsworten schilderte, wusste der diesjährige Preisträger schon früh, dass ihm das Verkaufen besonders viel Spaß macht. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse der anderen und ist im Handel bis heute ein gern gesehener Gesprächspartner, der unter anderem mit Handschlagqualität und Verhandlungsgeschick überzeugt. Stellvertretend für das gesamte UDO-Kuratorium überreichten Silvia Meißl, die ECR Austria Co-Chairmen Andreas Nentwich (ZEV Markant) und Alfred Schrott (Manner) sowie Christian Reitterer die Trophäe an den freudestrahlenden Sieger. Franz Kreuzeder bedankte sich sowohl bei den Händlern als auch bei seinem Arbeitgeber für deren Vertrauen. Ich denke gerade an die Kollegen, die draußen beim Handel sind und es alle verdient hätten, diesen Preis zu gewinnen, aber heute bin ich der Glückliche und das freut mich“, so Kreuzeder. Zu guter letzt ließ er es sich auch nicht nehmen, einen Appell an den Handel zu richten, der lautete: „Passt mir bitte auf unsere Marken auf.“



Susanne Wendler, Head of Area Corporate Banking beim langjährigen Handelsforums Sponsor UniCredit Bank Austria, zeigte in ihren Begrüßungworten u.a. auf, wie ihr Unternehmen Händler beim Aufbau von eShops unterstützt. © Markus Wache
Markus Wache
Susanne Wendler, Head of Area Corporate Banking beim langjährigen Handelsforums Sponsor UniCredit Bank Austria, zeigte in ihren Begrüßungworten u.a. auf, wie ihr Unternehmen Händler beim Aufbau von eShops unterstützt. © Markus Wache


Daniel Gros, Direktor des Center for European Studies hielt die erste Keynote-Speech. © Johannes Brunnbauer
Johannes Brunnbauer
Daniel Gros, Direktor des Center for European Studies hielt die erste Keynote-Speech. © Johannes Brunnbauer


Tim Mason, Eagle Eye Solutions: "Nutzen Sie die Magie des Smartphones in Ihren Shops!" © Markus Wache
Markus Wache
Tim Mason, Eagle Eye Solutions: "Nutzen Sie die Magie des Smartphones in Ihren Shops!" © Markus Wache


V.l.n.r.: Andrea Froner-Schütz, Gallupp Institut, Christian Reitterer, ProM2, Silvia Meißl, CASH, Franz Kreuzeder, Meggle, Andreas Nentwich, ZEV Markant und Alfred Schrott, Manner bei der Preisverleihung des Vertriebsawards UDO © Markus Wache
Markus Wache
V.l.n.r.: Andrea Froner-Schütz, Gallupp Institut, Christian Reitterer, ProM2, Silvia Meißl, CASH, Franz Kreuzeder, Meggle, Andreas Nentwich, ZEV Markant und Alfred Schrott, Manner bei der Preisverleihung des Vertriebsawards UDO © Markus Wache
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