Marketagent.com: Der Greißler und der Roboter
 
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Der Greißler und der Roboter

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Thomas Schwabl zeigt die Zukunftstrends des Einkaufens © Marketagent.com
Thomas Schwabl zeigt die Zukunftstrends des Einkaufens © Marketagent.com

Das digitale Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com hat eine Umfrage zu den zukunftsträchtigsten Trends im LEH und DFH veranstaltet.

Den aufmerksamen Lesern von CASH und cash.at wird nicht entgangen sein, dass sich in den letzten Jahren und Monaten die Berichte über die Digitalisierung und über die Nachhaltigkeit häufen. Das hängt nicht mit einer inhaltlichen Präferenz der Redaktion zusammen, sondern mit der Tatsache, dass die Branchen, wie etwa FMCG, diese Themen höchst aktiv aufgegriffen haben. Es handelt sich schlicht um aktuelle gesellschaftliche Trends. Es geht ums Verteilen von Lebensmittelüberschüssen über das Greißler-Comeback bis zur Zustellung von Waren mittels Drohne. Marketagent.com wollte wissen, welche Entwicklungen die Österreicher hier erwarten und welche als besonders zukunftsträchtig gelten. Man hat dabei auch (vermeintlich) unrealistische Szenarien oder mögliche negative Einflüsse von Neuerungen für die Wirtschaft nicht außer Acht gelassen.

Die ansprechendsten Zukunftstrends zeigt zusammenfassend die folgende Infobox; als Top-Bewertung fragte man nach „sehr ansprechend“.

1 Lebensmittelüberschüsse verteilen: 74,1 %
2 Greißler-Comeback: 47,5 %
3 Verpackungsfreier Supermarkt: 45,0 %
4 Regional-Supermärkte: 44,9 %
5 Nachhaltiger Supermarkt: 42,5 %
6 Ampelsystem/Kennzeichnung: 26,9 %
7 Food Coops: 26,9 %
8 Click and Collect in Entnahmeboxen: 17,0 %
9 Mobile Greißler: 16,5 %
10 Zustellservice bei Filialeinkauf: 15,3 %
11 Personalisierte Einkaufsempfehlungen: 15,3 %
12 24/7-Öffnungszeiten: 14,7 %
13 Free from Shopping: 14,2 %
14 Self Scanning Checkout: 12,4 %
15 Bedientheke in der Obst- und Gemüseabteilung: 12,4 %
16 Zustellung mittels Drohnen: 8,6 %
17 Produkt-Abos: 6,8 %
18 Internet of things: 6,7 %
19 Roboter als Einkaufshilfe: 6,7 %
20 Personalfreier Supermarkt: 3,9 %



Interessant an dem Ergebnis ist – und das deckt sich mit den Informationen, die täglich in unsere Redaktion gelangen –, dass die Konsumenten nicht sofort jeden Trend kritiklos goutieren, nur weil er technisch möglich ist; man betrachtet alldas durchaus differenziert. Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl erklärt die Ergebnisse so: „Als wenig bereichernd werden vor allem jene Entwicklungen wahrgenommen, die sehr technologielastig sind und ohne menschliche Interaktion auskommen.“ Platz 20 ist daher nicht verwunderlich, die Plätze 1, 2 und 4 ebenso. Für die Österreicher scheint der soziale Aspekt des Einkaufens unentbehrlich zu sein, hier verhalten sich Digitalisierung und Nachhaltigkeit verkehrt proportional zueinander. Darüber hinaus schadet – aus der Sicht der Befragten – die Umstellung von menschlicher Arbeit auf automatisierte Technologien der Wirtschaft, beispielsweise durch personalfreie Supermärkte (laut 44,4 Prozent „sehr negativ“), Self Scanning Checkout (21,7 Prozent), Roboter als Einkaufshilfe oder die Zustellung von Produkten durch Drohnen (je 19,2 Prozent).

Die „eher negativ“ bewerteten Trends werden oftmals auch als unrealistisch eingeschätzt, allen voran der personalfreie Supermarkt (siehe oben), der Einsatz von Drohnen und Robotern oder „Internet of things“ (wer will schon, dass der Kühlschrank für einen einkauft).

Frau/Mann, Jung/Alt

„Während Frauen vor allem soziale und umweltfreundliche Entwicklungen wie das Verteilen von Lebensmittelüberschüssen sowie den nachhaltigen und verpackungsfreien Supermarkt präferieren, schlagen Männerherzen bei technischen Neuheiten und mehr Flexibilität wie 24/7-Öffnungszeiten, Self Scanning Checkout oder der Zustellung mittels Drohnen deutlich höher“, fasst Lisa Eberhardsteiner, Marketingleiterin von Marketagent.com, die Begeisterung für diverse Trends im Bereich der Schnelldreher zusammen. Neben dem Geschlecht ist offensichtlich auch das Alter ein Indikator für die Bewertung zukünftiger Entwicklungen: Das Greißler-Comeback wird von gut einem Drittel der 40- bis 69-Jährigen als sehr innovativ bewertet (die können sich wohl noch daran erinnern, wie es früher einmal war), wohingegen junge Erwachsene und vor allem Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren hier wenig Neues entdecken können. Im Gegensatz dazu gelten Öffnungszeiten rund um die Uhr sowie „Free From“-Shopping (Lebensmittelmärkte für spezielle Ernährungsbedürfnisse wie vegan, glutenfrei, laktosefrei etc.) bei der jungen Generation als deutlich neuartiger als bei der Eltern- oder Großeltern-Generation; da geht es hauptsächlich um Lifestyle-Attitüden.

Österreichs Einkaufszukunft

Was die Zukunft angeht, so kann man vor allem aus den Plätzen 1 bis 6 durchaus seine Schlüsse ziehen. Das Bewusstsein, dass es eine Lebensmittelüberproduktion gibt, ist weit verbreitet, das Bewusstsein, die übriggebliebenen Lebensmittel nicht wegzuwerfen, ebenfalls; ergo: Verteilen. Die soziale Komponente zeigt die Beliebtheit der Greißlereien und der regionalen Supermärkte, die ja oft wie eine Greißlerei funktionieren. Nachhaltigkeit und Verpackungsfreiheit gehen offensichtlich Hand in Hand, die Handelsketten haben das inzwischen längst erkannt. Und die Lebensmittelkennzeichnung wird wohl noch wichtiger werden. Denn auch das hängt mit dem Lebensstil zusammen.

Studiendesign

Methode: CAWI / Marketagent.com Online Access Panel; Sample: n = 1004; Targetgroup: Österreicher zwischen 14 und 69 Jahren; 19. April bis 30. April; 15 Fragen / 20 Trends; Datencleaning: 56 Respondenten.
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