Preisabsprachen: Deutscher Handel muss Bußgel...
 
Preisabsprachen

Deutscher Handel muss Bußgeld zahlen

Inbev
Becks hat Preise bei Händlern koordiniert. © Inbev
Becks hat Preise bei Händlern koordiniert. © Inbev

Wegen vertikaler Preisbindung zwischen Händlern und Industrie verhängt das deutsche Kartellamt Bußgelder in Höhe von 90,5 Mio. Euro. Marktführer Edeka muss am meisten bluten.

Gegen 5 der 7 Edeka-Regionalgesellschaften, Edeka-Tochter Netto, Lidl, Rossmann und der Metro AG verhängt das deutsche Kartellamt Bußgelder in Millionenhöhe. 

Im Fokus der Ermittlungen standen Absprachen zwischen Inbev und den betroffenen Händlern Edeka, Netto und Metro. Der Brauer hat, so das Ergebnis des Bundeskartellamtes, mit Händlern über Ladenpreise der Marken Becks, Hasseröder und Franziskaner gesprochen. Der Brauer habe Preiserhöhungen und Stichtage mit den einzelnen Händlern koordiniert und abgesprochen.

Der Handel habe die Erwartung gehabt, dass die Brauerei dafür sorgt, dass alle Händler gleichzeitig die Preise erhöhen, erklärt Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt den Mechanismus. Diese systematische Preisbindungspraktiken sind wettbewerbswidrig und gehen zulasten der Endverbraucher.

Auch Rewe hat beim Karussell der Preisabsprachen und Vereinbarungen mitgemacht, bleibt als Kronzeuge des Verfahrens allerdings straffrei. Inbev hat ebenfalls als Kronzeuge umfassende Geständnisse abgelegt, die Mechanismen der Preisbindung offengelegt und muss ebenfalls keine Buße zahlen.

Zudem muss Lidl ein Bußgeld wegen Absprachen beim Verkauf von Haribo-Produkten und Rossmann wegen Absprachen bei Melitta-Kaffee zahlen.

Das sogenannte Vertikal-Verfahren, das zu den aufwändigsten Verfahren überhaupt zählt, wurde im Januar 2010 gestartet. Hersteller und Händler haben sich, nach Erkenntnissen der Behörde, in den Warengruppen Süßwaren, Kaffee, Tiernahrung, Bier und Körperpflegemittel abgesprochen. Die Absprachen liefen mit Hilfe der Markenproduzenten vertikal zwischen den Händlern. Die bislang verhängten Bußgelder belaufen sich auf 242 Mio. Euro. Drei Verfahren im Bereich Bier und Süßwaren sind nun noch offen. Fast alle Fälle wurden im Wege des Settlements, also einvernehmlich zwischen Behörde und Delinquent, geschlossen.
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