Iventa: Die Arbeit der Zukunft?
 
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Die Arbeit der Zukunft?

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Martin Mayer, Geschäftsführer von Iventa © Iventa
Martin Mayer, Geschäftsführer von Iventa © Iventa

Demografische Umwälzungen, digitale Disruption, Geschwindigkeit und Kulturwertewandel – diese vier zum Teil schon seit Jahrzehnten bekannten Phänomene werden die Zukunft der Arbeit beeinflussen.

Für viele Menschen wird künstliche Intelligenz in der Zukunft der Arbeit eine wesentliche Rolle spielen. „Künstliche Intelligenz ist nicht ein Thema der Zukunft, sondern bereits ein Thema der Gegenwart“, sagt Martin Mayer, Geschäftsführer von Iventa, und führt „Watson“, den Supercomputer von IBM, als Beispiel an – Watson wird in den USA bereits für HR-Zwecke eingesetzt. Alle Recruitingaufnahmeverfahren im öffentlichen Dienst werden mit Programmen, die über Watson entwickelt wurden, abgewickelt. Die Smart Speaker wie Alexa, Siri oder Amazon Echo gehören auch in diese Kategorie, aber man könne sie noch nicht fragen „Hast du einen Job für mich?“, weist Mayer auf eine momentan bestehende Grenze hin.

Digitalisierung

Die Befürchtung, dass durch die Digitalisierung die Arbeitsplätze ersetzt werden würden, teilt Mayer nicht. Dazu müsste man annehmen, dass sich die Produktivität extrem steigern würde. Gehe man aber davon aus, dass die Arbeitsproduktivität in den kommenden Jahren in etwa gleichbleibt – wovon Mayer überzeugt ist – dann wird das so nicht eintreffen. Denn nur weil etwas technologisch machbar ist, müsse es auch noch nicht gleich in der gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt werden. Es hat also den Anschein, dass sich die vor allem in der Produktion hohen Geschwindigkeiten nicht weiter beschleunigen werden. Man wird sehen, ob dieser Anschein nicht doch trügt.

Demografie


Die demografische Entwicklung betreffend, identifiziert Mayer vier im Erwerbsprozess befindliche Generationen, und diese sind von ihrem Wertesystem her sehr unterschiedlich aufgestellt (hier gibt eines der eingangs erwähnten Phänomene dem anderen die Hand). Babyboomer, und die Generationen X, Y und Z. So ist letztere bereits mit Mobiltelefonen aufgewachsen und die Babyboomer noch mit Brief und Vierteltelefon. „Konzerne sind heute sehr in der Generation Y verhaftet – und das nicht nur in ihrer Suche, sondern auch in ihrem ganzen Denken. Während diese in ihren ganzen Führungsstrukturen sehr jung geworden sind, werden klassische Familienunternehmen oft noch von einem 65- bis 70-jährigen Patriarchen – einem Babyboomer – geführt“, so Mayer. In vielen Konzernen hingegen ist das Management Anfang bis Mitte 40 Jahre alt. Entscheidungen werden da sicherlich anders getroffen, informeller, viel funktioniere hierarchieloser. Und auf die Frage, welche Unternehmenskultur sich in der Zukunft durchsetzen wird, meint Mayer, dass es künftig alles vom Start-up bis hin zum patriarchalen Familienunternehmen geben werde: „Es wird eine Mischung sein, gewisse Fragestellungen werden sehr patriarchal und gewisse sehr agil geführt werden.“ Das ist wahrlich nicht schwer vorherzusehen.

Das Fehlen der Arbeitskräfte

Ein ausgemachtes Zukunftsthema ist das Fehlen der Arbeitskräfte, vor allem der Facharbeiter. Das wird eine der größten Wachstumshürden werden. Mayer sagt, in Deutschland würden im Jahr 2030 acht Millionen Erwerbstätige fehlen; eine gewagte Prognose. Sehe man sich dazu die Alterspyramide an, erkenne man, dass 2030 der Großteil der Babyboomer in Pension sein wird und zu wenige Menschen in den Arbeitsprozess nachrücken, so sein Argument. Bekanntlich ist das nicht nur ein deutsches Phänomen.

Mayers Lösungsvorschlag: Man halte Personen länger in Beschäftigung und setze mehr auf Migration und auf Frauen. Eins: In Österreich sind derzeit nur 45 Prozent der 55- bis 64-Jährigen in Beschäftigung.  Daher ist einer der Auswege aus dem Arbeitskräftemangel, die Menschen länger im Arbeitsprozess zu halten. Das müsste natürlich über gesetzliche Regularien gesteuert werden. Stichwort: Pensionsantrittsattraktivität. Zwei: Gliedern wir Personen aus anderen Ländern in den Arbeitsprozess ein: „Wir müssen uns viel stärker mit der Frage beschäftigen, in der kulturellen Vielfalt zu leben und sich mit dieser auseinanderzusetzen.“ Das betreffe vor allem auch die Lebensstile und Denkmuster, man müsse es bei der Entwicklung eines Arbeitszeitmodells bedenken. Drei: Gezielte Anreize für Frauen schaffen. In den Ausbildungsprozessen sind Frauen mit Männern absolut gleichwertig – bei den Bildungsabschlüssen und auch noch im Berufseinstieg –, aber danach nicht mehr. Hier sollte man mehr ab dem Zeitpunkt der jeweiligen Familiengründung ansetzen und nach echten Chancen suchen, wie Beruf und Familie vereinbar sind. „Das wird viel zu ideologisch diskutiert und zu wenig pragmatisch“, kritisiert Mayer. „Wir wollen, dass alle Frauen Vollzeit arbeiten, ist ideologiegetrieben und trifft nicht den Punkt, denn das wollen sehr viele Frauen mit Kindern eigentlich nicht.“ Es brauche andere Modelle – alleine über Kindergärten und ihre Verfügbarkeit nachzudenken ist zu wenig.  So sollte man beispielsweise über Modelle der Unterstützung in der Haushaltsführung nachdenken, sagt Mayer und plädiert für ein offeneres Denken.
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