bellaflora Gartencenter GmbH: Die grüne Numme...
 
bellaflora Gartencenter GmbH

Die grüne Nummer 1 verbannt Pestizide sukzessive

bellaflora/APA-Fotoservice/Tanzer
Mag. Dominik Linhard (Projektkoordinator Global 2000), Mag. Isabella Hollerer (Leitung nachhaltige Entwicklung bellaflora) und Mag. Alois Wichtl (Geschäftsführer bellaflora). ©bellaflora/APA-Fotoservice/Tanzer
Mag. Dominik Linhard (Projektkoordinator Global 2000), Mag. Isabella Hollerer (Leitung nachhaltige Entwicklung bellaflora) und Mag. Alois Wichtl (Geschäftsführer bellaflora). ©bellaflora/APA-Fotoservice/Tanzer

Bellaflora und Global 2000 präsentieren einen Grenzwertkatalog, der den Einsatz von Pestiziden in der Pflanzenkultivierung reduzieren soll - mit dem Ziel sie in den nächsten Jahren völlig weguzlassen. Nach einjähriger Umstellungsfrist müssen sich ab 2018 alle Lieferanten von bellaflora an die neuen Richtlinien halten.

Die grüne Nummer eins der österreichischen Gartenbranche, bellaflora, blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 mit einem Umsatz von 83,5 Millionen Euro zurück. 2017 peilt das Unternehmen 86,9 Millionen an – ein „sehr ambitioniertes  aber machbares“  Vorhaben – wie Geschäftsführer Alois Wichtl beim Pressegespräch in Wien gesteht. „Wir nennen uns nicht nur aus Marketinggründen die grüne Nummer eins. Wir sind das größte Unternehmen in unserer Branche und Vorreiter für neue Ideen und Entwicklungen.“ Diese Vorreiter-Rolle nimmt bellaflora, der 70 Prozent des Umsatzes mit Pflanzen macht, ernst und setzt konkrete Maßnahmen, um die Nachhaltigkeit im Gartenbau zu fördern.

Bereits 2004 führte der Gartenspezialist ein Bio-Sortiment ein und setzt seit 2012 – anfangs nur intern – Schritte, die dem Unternehmensziel Nachhaltigkeit Rechnung tragen. Ganz oben auf der To-do-Liste steht die Reduktion von Pestiziden und der Umstieg auf naturnahe Pflanzenschutzmittel. Seit 2013 verkauft bellaflora keine Pestizide, ab 2018 müssen auch die Lieferanten fast zur Gänze darauf verzichten. Gemeinsam mit ihnen will bellaflora in den kommenden Jahren den Einsatz von Pestiziden in der Pflanzenkultivierung signifikant reduzieren.

Maximale Belastung definiert
Aus diesem Grund wurde gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Global 2000 ein Grenzwertkatalog für Pestizide im Gartenbau entwickelt, an den sich die rund 70 Lieferanten, die Großteils aus Österreich, aber auch aus den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Italien sind, halten müssen. Für die Ausarbeitung des Katalogs hat Global 2000 jene 550 Pestizide bewertet, die besonders intensiv im Gartenbau genutzt werden und/oder besonders bedenkliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben. Der Katalog weißt jedem Wirkstoff einen Indikator zwischen 0 und 1 zu. Je näher der Wert bei 0 liegt, umso besser, je näher bei 1, umso schlechter. Die Indikatoren aller auf einer Pflanze gefundenen Wirkstoffe werden summiert, woraus sich die Gesamtbelastung ergibt. Diese darf nicht höher sein als 4. „Der bellaflora Grenzwertkatalog schreibt vor, dass die Summe der Belastungen unabhängig von der Anzahl der Wirkstoffe auf einer Pflanze den Wert 4 nicht überschreiten darf“, sagt Isabella Hollerer, Leitung Nachhaltige Entwicklung bei bellaflora. „Uns ist wichtig, die Gesamtbelastung für die Menschen und die Umwelt zu reduzieren. Es greift zu kurz, sich nur auf einige wenige Wirkstoffe oder Produktkategorien zu konzentrieren“, so Hollerer.

Auf der Blacklist finden Gärtner künftig eine Auflistung aller verbotener Stoffe, die nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Eine Watchlist gibt darüber hinaus Auskunft über Mittel, die unter Beobachtung stehen und aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren auf die Blacklist kommen, wie Dominik Linhard (Projektkoordinator bei Global 2000) erklärt. „Wir haben die Richtlinien so konzipiert, dass sie von Lieferanten und Produzenten als Werkzeug für ihre tägliche Arbeit genutzt werden können.“ Zur einfachen Index-Berechnung und Unterstützung stellt bellaflora den Lieferanten eine Software zur Verfügung. Darüber hinaus sollen Workshops und Schulungen alternative Mittel aufzeigen, die für die Pflanzenkultivierung eingesetzt werden können.

Von den Lieferanten sei der Grenzwertkatalog durchaus positiv angenommen worden. Sie seien in den letzten Jahren schrittweise darauf vorbereitet worden und hätten gewusst, was sich anbahnt. „Wenn sie mit uns mitziehen sind sie in 10 Jahren noch am Markt. Dieses Thema ist stark im Kommen“, glaubt Wichtl und kritisiert, dass es in Österreich bisher weder eine gesetzliche Festlegung von Höchstwerten noch Beschränkungen beim Einsatz von Pestiziden im Gartenbau gibt. Es ist auch keine Wartefrist vorgegeben, die die Zeit zwischen der Pestizid-Behandlung und dem Verkauf definiert, so der Geschäftsführer.



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