Zollfrei Shopping in Samnaun: Die Schmugglera...
 
Zollfrei Shopping in Samnaun

Die Schmuggleralm

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Ein ganzer Ort als zollfreie Zone: 50 Dutyfree-Shops laden in Samnaun zum Einkauf.
Ein ganzer Ort als zollfreie Zone: 50 Dutyfree-Shops laden in Samnaun zum Einkauf.

Der Skiort Ischgl begeistert seine Gäste nicht nur mit perfektem Pistenzauber und Après-Ski. Die meisten Urlauber lockt auch ein Ausflug in das zollfreie Dorf Samnaun. Ein heißes Thema, über das keiner der Beteiligten gerne allzu offen spricht.

Mit Gondeln und Seilbahnen geht es morgens vom Skiort Ischgl hinauf auf den Berg. Nach ein paar Aufwärmschwüngen beginnt am Palinkopf, mit 2.864 Höhenmetern der zweithöchste Punkt in der Silvretta Arena, der sogenannte Dutyfree-Run. Und der Name hält, was er verspricht. Auf den roten Pisten 80 und 81 geht es in der Folge auf Skiern rund 1.000 Höhenmeter abwärts ins Tal nach Samnaun, einem zollfreien Ort in der Schweiz. Dort heißt bereits am Ortsanfang die „Schmuggleralm" die Skifahrer willkommen. Die urige Hütte bietet allerlei Schmankerl – und nebenbei den ersten der insgesamt 50 Duty-free Shops von Samnaun. In ihnen finden die Kunden von Zigaretten und Alkohol über Kosmetika und Parfümerieprodukte bis hin zu teuren Uhren und Schmuck alles, was das Schmuggeln lohnt.

Rege Nachfrage

Und die höchstgelegene Shoppingmeile Europas hat sich auf das Geschäft mit den Touristen gut eingestellt. Das „Schmuggeln" selbst wird vermarktet, „Zollfrei Einkaufen macht Spaß" ist beispielsweise an einem Geschäft zu lesen. Ruhetag gibt es hier keinen, selbst sonntags haben die Geschäfte bis 23 Uhr geöffnet. Ribanna Steiner, Chefin der zur Hangl AG gehörenden Geschäfte in Samnaun erzählt: „Bei uns werden alle Waren gleichermaßen gut nachgefragt. Die Kundinnen kaufen eher Kosmetika und Parfums, allgemein sehr gut gehen auch Zigaretten und Alkohol." Laut Steiner liegt die durchschnittliche Bonsumme bei rund 150 Euro – nicht schlecht, betrachtet man die Kundenfrequenz.

Seit 1. Dezember 2008 dürfen aus der Schweiz Waren im Wert von 300 Euro nach Österreich eingeführt werden, für Alkohol und Zigaretten gilt eine eigene Regelung. Doch auch Rolex, Breitling & Co. sind erhältlich, die teuersten Uhren, jene der Marke IWC, kosten da schon bis zu 20.000 Euro. Gelingt bei solchen Stücken der Schmuggelversuch, hat man den Urlaub schon wieder in der Tasche.

Zollfrei-Zone Samnaun

Der Grund, warum das im Kanton Graubünden gelegene Dorf überhaupt zur zollfreien Zone erklärt wurde, erklärt sich durch seine abgeschiedene Lage. Auf 1.840 Höhenmetern in einem engen Bergtal gelegen, stellte für die Bewohner schon früher die Überquerung der Bergpässe zum Engadin und Paznaun sowie ein Feldweg über Spiss nach Pfunds die einzige Verbindung zur Außenwelt dar. Dadurch entwickelte sich schon bald ein reger Handel mit Tirol. Durch die Zentralisation des Schweizerischen Zollwesens fand dieser 1848 aber ein jähes Ende und die Samnauner verloren eine wichtige Einnahmequelle. Sie stellten in Folge den Antrag, das Dorf aus dem Schweizer Zollgebiet auszuschließen. Dieser wurde 1892 bewilligt und der Ort zollfrei. Begründete wurde der Beschluss mit dem Fehlen einer direkten Zufahrtsstraße über Schweizer Gebiet nach Samnaun und die durch den Zoll eingetretene Verteuerung der Lebensmittel für das Tal. Das kam den Bewohnern von Samnaun sehr entgegen, bringt aber bis heute die Notwendigkeit der Grenzkontrolle durch österreichische Zöllner mit sich.

Ein teurer Spaß

Und gerade die Zollkontrolle ist es, die viele Urlauber wohl außer Acht lassen. Denn die Staatsgrenze verläuft quer durch das Skigebiet, die Zöllner sind in Zivil unterwegs und daher nicht als solche erkennbar. Doch sie sind da – und sie kontrollieren. Eine Stelle, an der man die gekauften Waren deklarieren kann, gibt es in den Bergen übrigens keine. Deswegen bietet zwar der Ausflug nach Samnaun ein für den Skiurlaub ungewohntes Abenteuer, das einen jedoch teuer zu stehen kommen kann. Dabei sind die Waren im Schnitt um lediglich 10 % günstiger als in Österreich, bei Zigaretten ist es etwas mehr. Beispielsweise kostet eine Stange Marlboro in der zollfreien Zone 29,75 Euro, in Österreich muss man 40 Euro dafür berappen. Wird man dann von den Adleraugen der wachsamen Zöllner an der „grünen Grenze" ins Visier genommen, muss dann schon tiefer ins Börsel gegriffen werden. Zollabgabe, Tabaksteuer, Einfuhrumsatzsteuer sowie die „Abgabenerhöhung", welche die Summe der vorigen drei Abgaben verdoppelt, lassen das bis dahin vermeintlich günstige Schnäppchen schlagartig zu einer an Ort und Stelle zu entrichtenden Gebühr von 107,10 Euro emporschnellen – die Zigaretten darf man dann allerdings behalten. Ist das dem Schmuggler doch zu teuer, gibt es noch eine ebenfalls wenig verlockende Alternative: an den Zöllner ist eine Strafe von rund 50 Euro zu entrichten, die Zigaretten werden eingezogen, und der Urlauber wird für fünf Jahre finanzstrafrechtlich vorgemerkt. Auch nicht lustig.

Anmerkung am Rande: Auch ein Fluchtversuch auf Skiern bietet so gut wie keine Erfolgsaussichten. Bislang haben die flinken Zöllner, die praktisch alle auf Skiern aufgewachsen sind, noch jeden „Ausreißer" erwischt.

Kleine Fische

In der letzten Wintersaison (Dez. 07–April 08) haben die Zöllner in Ischgl bei rund 200 Skifahrern Abgaben in Höhe von 26.000 Euro eingehoben. Bei diesen Zahlen handelt es sich zum einen aber nur um jene Vergehen, die direkt von der Zollstelle Landeck, in deren Bereich unter anderem das Skigebiet Ischgl/Samnaun fällt, bearbeitet werden. Zum anderen werden aufgrund der geringen Mitarbeiteranzahl auch nur stichprobenartige Kontrollen durchgeführt. Liegt die bei der Zollkontrolle zu entrichtende Abgabe über 800 Euro, wird die geschmuggelte Ware beschlagnahmt und der Fall geht an die Finanzstrafbehörde, die ein Finanzstrafverfahren einleitet. Lediglich sieben solcher Fälle gab es letzten Winter in Ischgl. „Bei uns am Berg sind Schmuggelversuche in solcher Höhe eher selten, die meisten Urlauber kaufen für den persönlichen Gebrauch. Und die wirklich professionellen Schmuggler fahren mit dem Auto über die Grenze", so der Zöllner Leonhard Schweighofer. Zu den am häufigsten beanstandeten Waren zählen, in dieser Reihenfolge, Zigaretten, Uhren, Alkohol, Sportbekleidung, Kosmetika, Lederwaren und Schmuck.

Schweighofer hat heute wieder einen netten Fang gemacht. Bei einer der letzten Kontrollen ist ihm ein Belgier mit einer Uhr von Maurice Lacroix in die Fänge geraten. Bezahlt hat dieser in Samnaun dafür knapp unter 1.000 CHF, das entspricht 660,83 Euro. Die zu bezahlende Gebühr von 266,26 Euro hatte der Urlauber beim Skifahren nicht dabei – will er seine Uhr zurück, muss er sich am Abend ins Zollbüro in Ischgl begeben. Meldet er sich nicht, droht eine Anzeige und die Uhr wird versteigert.

Der Duty-free-Run: Und da soll der brave Urlauber den Verlockungen des zollfreien Einkaufs noch widerstehen können ...
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