Infrastrukturministerium: Die Transsib bis na...
 
Infrastrukturministerium

Die Transsib bis nach Österreich?

Fabian Voswinkel / pixelio.de
Von Wien nach Wladiwostok ohne Umsteigen? Die Transsib passiert den Baikalsee © Fabian Voswinkel / pixelio.de
Von Wien nach Wladiwostok ohne Umsteigen? Die Transsib passiert den Baikalsee © Fabian Voswinkel / pixelio.de

In der vergangenen Woche gab Infrastrukturminister Jörg Leichtfried bekannt, dass es durchaus möglich sei, dass die legendäre Transsibirische Eisenbahn bis nach Österreich gebaut werden könnte.

Minister Leichtfried gab bei Deloitte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die er so resümierte, dass Österreich das logische Land sei, wo die Transsibirische Eisenbahn enden solle. Denn hier könne die Breitspur an das hochrangige europäische Eisenbahnnetz, die Binnenschifffahrt und auch an den Flughafen Wien angebunden werden. Zur Erinnerung: Die Transsib fährt auf Gleisen mit einer Spurweite von 1520 mm, während in fast allen europäischen Ländern der hochrangige Schienenverkehr auf der Stephenson-Spur (Normal-Spur), das sind 1435 mm, abgewickelt wird. Jeder, der einmal mit dem Zug nach Russland gefahren ist, kann von dem großen technischen und logistischen Aufwand des Umspurens berichten.

Wo die Trasse der verlängerten Transsib verlaufen bzw. wo sie enden soll, das lasse sich laut Leichtfried noch nicht sagen. Jedenfalls müsste auch ein Logistik-Terminal errichtet werden, an dem die Waren umgeladen werden sollen. Damit ist klar, dass es mit diesem Projekt in erster Linie um den Güterverkehr gehen soll. Die Warenströme seien jedenfalls schon vorhanden und die Bahn schneller und ökologischer als die Hochseeschifffahrt zwischen Ostasien und Europa. Experten schätzten, dass der Terminal einen Flächenbedarf von rund 200 Hektar haben würde – Voraussetzungen, die im Umkreis von Wien sowohl vom Raum Parndorf, als auch vom Bezirk Gänserndorf erfüllt würden, wobei das Marchfeld einen Standortvorteil hat: die Nähe zur Donau. Ein direkter Anschluss an die Wasserstraße bietet die Möglichkeit, Güter auf das Binnenschiff zu verladen, wichtig für Rohstofftransporte.

Der Niederösterreichische Wirtschaftpressedienst berichtet, dass die wirtschaftlichen Dimensionen des Projekts beachtlich seien: Rund 30 Milliarden Euro an Wertschöpfung nach 30-jährigem Betrieb bis 2054, rund 9.000 neue Arbeitsplätze im direkten Bereich und im Umfeld sowie lukrative Aufträge für die Zulieferindustrie, Handelsunternehmen und Transportdienstleister würden nach den Deloitte-Berechnungen in Österreich entstehen. Der Bau des Containerterminals würde rund 850 Millionen Euro kosten, weitere 85 Millionen Euro die Errichtung der 30 Kilometer langen Breitspurbahnstrecke auf österreichischem Boden. Nicht zuletzt wegen eines möglichen Wettbewerbsvorteils unterstützen neben der Wirtschaftskammer auch die Landesgruppen der Industriellenvereinigung von Wien und Niederösterreich diese Idee.
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