KSV 1870: Die zweite Chance für Unternehmer
 
KSV 1870

Die zweite Chance für Unternehmer

Marvin Siefke / pixelio.de
Ausschau halten nach einer zweiten Chance und Fairness für Unternehmer © Marvin Siefke / pixelio.de
Ausschau halten nach einer zweiten Chance und Fairness für Unternehmer © Marvin Siefke / pixelio.de

Der KSV 1870 legt ein Fairness-Konzept zur geplanten Änderung des Privatkonkurses vor und plädiert für eine zweite Chance für Unternehmer, was aber nicht als Freibrief zu verstehen sei, wenn man private Konsumschulden anhäuft.

Derzeit leisten Schuldner im Privatkonkurs jährlich Zahlungen von ca. 180 Millionen Euro. Dieser Betrag wäre in Zukunft von der Solidargemeinschaft aller Bürger zu tragen, das heißt: von uns allen. Es ist nicht fair, meint (nicht nur) der KSV 1870, dass die Konsumschulden einiger an die Solidargemeinschaft aller ausgelagert werden. Daher hat man ein Fairness-Konzept erarbeitet, das eine ausgleichende Lösung für alle Beteiligten beinhaltet.

Im Rahmen von Schuldenregulierungsverfahren (= Privatkonkurs) können sich derzeit ca. 87 % der Schuldner auch gegen den Willen der Gläubiger restlos entschulden. Bei einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung von 58.500 Euro könnte eine monatliche Rückzahlung von nur ca. 60 Euro für eine solche Entschuldung bereits ausreichend sein. Manche Stimmen sprechen in diesem Zusammenhang von einer unüberwindlichen Hürde. KSV1870-Experte Dr. Hans-Georg Kantner versteht diese Argumentation nicht: „Die 60 Euro pro Monat entsprechen ca. 12 Schachteln Zigaretten, das ist ein Betrag, der für jeden leistbar ist und der der Bevölkerung deutlich signalisiert: Die Verschuldung wird von jenem abgetragen, der sie verursacht hat; und die Kombination aus Schuldenmachen und Nicht-Bezahlen wird von der Rechtsordnung nicht gefördert oder gar belohnt!“

Was viele, die für eine rasche und einfache Entschuldung von Konsumschuldnern eintreten, nicht bedenken: Den Ausfall trägt die Gemeinschaft der guten Zahler, siehe oben. Wenn diese überstrapaziert wird, hieße das, am Solidaritätsprinzip zu rütteln. Mag. Ricardo-José Vybiral, Vorstand der KSV1870 Holding AG, skizziert das damit verbundene Problem: „Alle gleich zu behandeln führt automatisch zu Ungleichbehandlung, weil Menschen und Situationen nun einmal unterschiedlich sind. Wir sind unbedingt dafür, dass einmal gescheiterte Unternehmer einen zweiten Anlauf verdienen – in vielen Fällen zeigt sich auch, dass sie diesen gut nutzen können. Wer jedoch Schulden für Konsum anhäuft, sollte diese auch nach eigenen Möglichkeiten glätten. Das entspricht der allgemeinen Vorstellung von Fairness.“
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