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CASH+/dm drogerie markt

Sicherer Ort Drogeriemarkt

dm/Kolarik
Harald Bauer, dm-Geschäftsführer für Marketing & Einkauf
Harald Bauer, dm-Geschäftsführer für Marketing & Einkauf

Unmittelbar nach Beginn des Corona-Lockdowns kamen die ersten warnenden Stimmen, dass es einen Anstieg bei häuslicher Gewalt geben könnte. Wie die aktuellen Zahlen beweisen, war die Sorge nicht unbegründet. In Großbritannien bieten nun Drogeriemärkte und Apotheken „Safe places“ für Betroffene.

Laut aktuellen Zahlen der Landesdirektion Niederösterreich, gab es von Jänner bis Mai dieses Jahres in Niederösterreich 750 Gefährder – um 162 mehr als im letzten Jahr. Zwischen 18. März und 18. Mai wurden 313 Betretungsverbote ausgesprochen, was eine Zunahme von 44 Prozent zum Vergleichszeitraum 2019 bedeutet. Seit Jahresbeginn verhängte man 978 Betretungsverbote – 2019 waren es insgesamt 1.452. Der Grund dafür ist nahliegend: Quarantäne, beengte Wohnverhältnisse, Frust, Angst um den Job und die Tatsache, dass das erste Bier nun schon am Vormittag und nicht erst nach Feierabend konsumiert wurde, sorgten für eine explosive Situation, deren Auswirkungen sehr oft Frauen und Kinder zu spüren bekamen. Weltweit gab es seit März gewaltsame Angriffe gegen Frauen, die mitunter tödlich endeten – in den eigenen vier Wänden, wohlgemerkt, dem Ort, den die meisten als ihren sicheren Hafen bezeichnen würden. 

Safe Places

In Großbritannien wurde daher im Mai eine Initiative gestartet, die Opfern häuslicher Gewalt einen „Safe place“ bieten soll: in Apotheken und Drogeriemärkten. Die Logik dahinter ist so einfach wie bestechend: Während Frauen mit gewalttätigen Partnern normalerweise den Arbeitsplatz als Fluchtpunkt haben, fiel diese Möglichkeit während der Corona-Krise ebenfalls weg. Allerdings „dürfen“ Frauen in der Regel das Haus zum Einkaufen verlassen. Was läge da näher, als in einem Geschäft um Hilfe zu bitten? Die britische Opferschutz-Organisation Hestia hat das Konzept entwickelt, Drogist und Apotheker Boots, der über ein flächendeckendes Filialnetz verfügt, hat dieses als erster umgesetzt. Mittlerweile haben sich auch die anderen großen Ketten wie etwa Superdrug sowie zahlreiche Apotheken der Kampagne angeschlossen. Personen, die Hilfe suchen, können sich dort an das Personal wenden, das dann die notwendigen Schritte einleitet oder die Behörden informiert. 

In UK gab es eine Steigerung von fast 50 Prozent bei den Notrufen, die Anzahl der Tötungsdelikte in Folge häuslicher Gewalt verdoppelte sich sogar. „Wir wissen, dass es sehr viel Unsicherheit für Menschen, die versuchen einer gewaltsamen Beziehung zu entfliehen, gibt,“ so Lyndsey Dearlove, Sprecherin von Hestia. „Die Selbstisolation bietet den Tätern eine neue Form der Kontrolle über die Opfer, die es ihnen noch schwerer macht, Hilfe zu suchen.“ Mit der Aktion wolle man Opfern vermitteln, dass auch während des Lockdowns jemand für sie da ist.

Eine gute Sache

Hierzulande ist der Drogerie- und Apothekenhandel anders strukturiert. In Großbritannien werden die beiden Bereiche kombiniert: Für verschreibungspflichtige Medikamenten gibt es einen eigenen Counter und pharmazeutisch ausgebildetes Personal und größere Standorte verfügen über eigene Beratungsräume. Bei den heimischen Drogisten stößt die Idee aber durchaus auf Interesse. Bipa hält die Umsetzung der Safe Places für eine tolle Idee. Da man als Unternehmen Frauen in allen Lebenslagen bestmöglich unterstützen möchte, werde eine mögliche Umsetzung anhand der internationalen Beispiele in den Filialen geprüft. 

dm-Geschäftsführer Harald Bauer findet die Initiative absolut begrüßenswert, betont aber: „Wer in einer dm Filiale in einer Notsituation um Hilfe bittet, wird auch heute schon Hilfe erhalten.“ Es wäre jedoch gut vorstellbar, gemeinsam mit Experten und Behörden ein Prozedere zu erarbeiten, wie die Kontaktaufnahme zwischen betroffenen Frauen und den Mitarbeiterinnen erleichtert werden könne. „In gut frequentierten Filialen ist die Kassa wahrscheinlich dafür kein idealer Ort, möglicherweise aber beispielsweise die Rezeption der Friseur- und Kosmetikstudios,“ gibt Bauer zu bedenken.

Corona habe uns die Wichtigkeit der Nahversorger nachdrücklich vor Augen geführt: „Wir stellen die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs sicher, indem sie Produkte wie Babynahrung und -pflege, Spezialnahrung und Medizinprodukte, Hygieneprodukte oder Reiniger bereitstellen. In diesem Sinne haben auch die Beschäftigten im Handel eine ganz neue mediale und gesellschaftliche Wertschätzung erfahren.“ Daneben habe gesellschaftliches Engagement bei dm drogerie markt seit jeher einen hohen Stellenwert – sei es in Form der Windelgutscheine für Familien in Not, dem dm Weihnachtsfestessen für Obdachlose oder des „mehr vom leben tag“ (ein zusätzlicher Urlaubstag für alle dm Mitarbeiter, an dem sie sich für einen guten Zweck engagieren können).

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