30 Jahre Bipa: Doppelpass
 
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Die beiden Bipa-Geschäftsführer Hubert Sauer (li.) und Dietmar Gruber (re.)
Die beiden Bipa-Geschäftsführer Hubert Sauer (li.) und Dietmar Gruber (re.)

Die beiden Bipa-Geschäftsführer Mag. Hubert Sauer und Mag. Dietmar Gruber im CASH-Interview über Religionsbekenntnisse im Handel, Hege und Pflege von Stammkunden sowie Wachstumsperspektiven der Industrie.

CASH: Herr Sauer, wie aus der jüngsten Nielsen-Zensuserhebung hervorgeht, verzeichnete der Drogeriefachhandel im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 3,4 Prozent. Wie ist es 2009 für Bipa gelaufen?



Sauer: Sehr erfreulich. Es ist zwar immer mehr möglich, aber wir sind ganz zufrieden. Bipa ist laut Nielsen-Zensus im Vorjahr erneut stärker als der Markt gewachsen und hält jetzt bei einem Marktanteil von 42,2 Prozent. Damit sind wir weiterhin klarer Marktführer.

Umso unverständlicher erscheint angesichts der eindeutigen Marktverhältnisse die jüngste Aufregung um die Nielsen-Datenerhebung im Fall von Couponing-Daten?



Sauer: Die Aufregung ist mir ebenso unverständlich. Jedoch war es mir wichtig, das einmal zu thematisieren, um die unterschiedliche Datenbasis aufzuzeigen. Immerhin geht es dabei nicht um Peanuts, zumal sich das ehedem kleine Pflänzchen Couponing mittlerweile zu einer veritablen Pflanze entwickelt hat.

Um aber noch einmal auf das Wachstum im Vorjahr zurückzukommen: Von einem Ihrer Mitbewerber stammt die Aussage: An den Marken verdienen wir nichts und an unseren Eigenmarken auch nicht. Wie ist das bei Ihnen, woran verdient Bipa?



Sauer: Daran, dass wir jeden Tag daran arbeiten, in den Bipa-Filialen einen attraktiven Sortimentsmix bereitzustellen, der bei unseren Kunden ankommt und der auch preislich interessant ist. Die Frage der Marken bzw. Eigenmarken ist für uns in dem Zusammenhang zweitrangig. Was ausschließlich zählt, ist der Erfolg am POS. Und gerade unsere Eigenmarken stehen da häufig sehr viel stärker auf dem Prüfstand als so manche Herstellermarke.

Welches Gewicht hat im Zusammenhang mit dem Unternehmenserfolg eigentlich das Geschäft mit Dienstleistungen?



Gruber: Wir sind natürlich ständig daran, uns neue Sachen zu überlegen und haben diesbezüglich auch einiges in der Pipeline, andererseits sollte man das Thema Dienstleistungen aber nicht überbewerten. Dienste wie Fotoausarbeitung, Kleiderreinigung etc. sind zweifelsohne wichtige Assets, genauso ergeben sich Synergieeffekte mit den von uns unterhaltenen  Styling Lounges. Letztere unterstützen uns beispielsweise dabei, die Beratungs- und Pflegekompetenz von Bipa noch stärker nach außen zu kommunizieren. Unser Hauptgeschäft wird aber immer das Warengeschäft bleiben.

Die Zahl der soeben erwähnten Styling Lounges – derzeit sind es drei – wird sich in absehbarer Zeit also nicht wesentlich erhöhen?



Gruber: Denkbar sind bis zu 20 Standorte, wir haben, was diese angeht, allerdings einen klaren Qualitätsanspruch. Und da Top-Standorte mit hoher Frequenz rar sind und die Styling Lounges einerseits zwar eine wichtige Ergänzung zu unserem Geschäftsmodell, andererseits aber nicht unser Core-Business darstellen, ist das ein Projekt mit mittel- bis langfristiger Perspektive.

Bestimmt kein einmaliges Gastspiel ist auch das Thema Mitarbeiterentwicklung. Bipa hat 2008 die Mitarbeiterbeteiligung eingeführt. Welche Erfahrungen haben Sie bislang damit gemacht? Wie wirkt sich diese auf die Mitarbeiter- und gegebenenfalls auch auf die Kundenzufriedenheit aus?



Gruber: In puncto Mitarbeiter hat sich bei uns in den letzten Jahren ein richtiger Kulturwandel vollzogen. Nicht von ungefähr haben wir 2008 im „Great Place to Work“-Wettbewerb in der Kategorie Unternehmen über 250 Mitarbeiter Platz 1 erreicht und dabei selbst so namhafte Unternehmen wie Microsoft hinter uns gelassen. Heute hat jeder Mitarbeiter einen eigenen Aufgaben- bzw. Verantwortungsbereich, und mehr Verantwortung bedeutet auch mehr Spaß an der Arbeit.

Sauer: Unsere Erfahrungen mit der Mitarbeiterbeteiligung sind durch die Bank positiv. Sie bietet den Mitarbeitern die Möglichkeit, sich ein Zusatzeinkommen zu sichern, ohne gleichzeitig auf andere Gehaltsbestandteile verzichten zu müssen. Das wirkt extrem motivierend.

Da wir gerade beim Thema Mitarbeiter sind: Ab dem kommenden Jahr sollen Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern jährlich einen Einkommensbericht mit den durchschnittlichen Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen erstellen. Würde Bipa einen solchen bereits heuer veröffentlichen, was ließe sich daraus ablesen?



Gruber: Wir haben die Gehälter unserer Mitarbeiter auch in der Vergangenheit stets so festgelegt, als müssten wir sie am Schwarzen Brett öffentlich anschlagen. Es gibt bei uns nur einen Maßstab: Was zählt, ist die Leistung. Insofern herrscht bei uns seit jeher Gleichbehandlung, denn wir haben immer schon nach Leistung bezahlt.

Und wie ist das mit der Kundenzufriedenheit? Wie schwierig ist es, einen Kunden, den man einmal gewonnen hat, immer wieder für sich zu begeistern und welche Rolle spielt in dem Zusammenhang das Bipa Kundenkarten-Programm?



Sauer: Um aus zufriedenen Kunden begeisterte Kunden zu machen, bedarf es in der Regel des Zusammenspiels mehrerer Faktoren, angefangen von Top-Mitarbeitern über den passenden Sortimentsmix bis hin zu modern gestalteten Filialen. Essenziell für jeden Händler ist natürlich auch die richtige Preispolitik.

Die Bipa natürlich hat?



Gruber: Vier Millionen ausgegebene Bipa-Cards sprechen für sich. Unsere Stammkunden können sich darauf verlassen, tagtäglich die gefragtesten 100 Top-Markenartikel zum besten Preis im gesamten österreichischen Einzelhandel zu erhalten.

Diskriminiert man mit einem solchen Kundenkartenprogramm aber nicht die, die keine Kundenkarte besitzen?



Sauer: Es gibt diesbezüglich durchaus unterschiedliche Religionsbekenntnisse im Handel. Das eine besagt: Ich spinne das Netz meiner Aktivitäten so groß, dass ich es über alle Konsumenten drüberwerfen kann. Das andere ist: Ich konzentriere mich auf eine Zielgruppe, belohne, hege und pflege sie. Wir haben uns klar zu Letzterem entschlossen. Bei uns gibt es jedoch keinerlei Zutrittsbarrieren. Jeder der möchte, kann die Vorteile unseres Kundenkarten-Programms sofort nutzen.

Bipa ist in den vergangenen Jahren jeweils stärker gewachsen als der Markt. Wird sich die Entwicklung 2010 fortsetzen?



Sauer: Wenn wir weiterhin aktiv und wachsam sind und uns nicht auf rreichtem ausruhen, bin ich zuversichtlich, dass uns das wieder gelingen wird.

Denken Sie dabei in erster Linie an Flächenwachstum oder sehen Sie auch Möglichkeiten, auf der bestehenden Fläche zu wachsen?



Sauer: Wir haben seit Jahresbeginn drei neue Standorte eröffnet und halten derzeit bei 571 Filialen. An die hohe Expansions-Schlagzahl der Vergangenheit heranzukommen, wird nur sehr schwer realisierbar sein. Zukünftiges Wachstum ist aber auch auf der bestehenden Fläche möglich. Stichwort: Renaissance der Nahversorgung. In dem Zusammenhang werden wir die Entwicklung in den Stadtzentren sehr genau verfolgen und gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich so mancher Stadtvater verstärkt Gedanken über Stadtentwicklungsmaßnahmen macht.

Bipa feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Wird’s für die Kunden noch die eine oder andere Geburtstagsaktion geben?



Sauer: Mit unseren Stammkunden haben wir bereits gefeiert. 08-15-Jubiläumsfeierlichkeiten wird es bei uns allerdings keine geben.

Warum nicht?



Sauer: Weil das für uns keinen Charme hat. Außerdem haben wir unser Kundenkarten-Programm, das unseren Stammkunden wie bereits erwähnt, die gefragtesten 100 Top-Markenartikel zum jeweils besten Preis von ganz Österreich garantiert. Wie sollten wir diesen Kunden noch niedrigere Preise erklären? Das würde die Glaubwürdigkeit unseres Kundenprogramms untergraben.

In den Augen der Industrie macht sie das mit Sicherheit zu einem besonders attraktiven Partner.



Sauer: Mit Bipa Geschäfte zu machen, ist für die Industrie immer attraktiv, denn mit uns kann sie wachsen.

Herr Sauer, Herr Gruber, vielen Dank für das Interview!



Dietmar Gruber ist seit 2006 Bipa-Geschäftsführer für Finanzen, Verwaltung, Personal und Dienstleistungen.
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Dietmar Gruber ist seit 2006 Bipa-Geschäftsführer für Finanzen, Verwaltung, Personal und Dienstleistungen.


Hubert Sauer ist seit 2002 Bipa-Geschäftsführer und verantwortet die Bereiche Einkauf, Verkauf, Marketing, Bautechnik, Expansion sowie CRM.© Fotos: Peter Svec
Fotos: Peter Svec
Hubert Sauer ist seit 2002 Bipa-Geschäftsführer und verantwortet die Bereiche Einkauf, Verkauf, Marketing, Bautechnik, Expansion sowie CRM.© Fotos: Peter Svec
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