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Dossier: sugar less, less sugar

Geschmack an weniger Süße

Sharon McCutcheon/Unsplash.com

Der Handel spielt bei der Zuckerreduktion eine wichtige Rolle, entscheidet über die Listungen und die Sichtbarkeit der Produkte. Das Interesse des Handels an dem Thema ist allerdings groß, genauso wie das eigene Engagement die Zuckerreduktion voranzutreiben

Allen voran ist hier Spar zu nennen. 2019 wurde auf Initiative des Handelskonzerns gemeinsam mit der Österreichischen Ärztekammer, Sipcan, der Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft, der Österreichische Adipositasgesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, Rauch Fruchtsäfte und Berglandmilch die zucker-raus-initiative gegründet. Mittlerweile unterstützen die Allianz gegen zu viel Zucker über 40 Mitglieder. "Diese Unternehmen, wie auch Spar, haben es sich zum Ziel gesetzt, Zucker in ihren Produkten zu reduzieren und diesen keinesfalls durch Süßstoffe zu ersetzen. Dadurch soll der Kunde auch an den Geschmack von weniger Süße gewöhnt werden", sagte der ehemalige Spar-Vorstandsvorsitzende Gerhard Drexel damals. Anfang des Jahres hat Drexel das Zucker-Zepter sowie die Sprecherrolle der Initiative Spar-Vorstands Markus Kaser übergeben, der diese Meinung teilt: "Wir möchten zu einer gesünderen – also unbedingt auch zuckerärmeren -  Ernährung der Österreicherinnen und Österreicher beitragen, und das, ohne dass auf Genuss verzichtet werden muss. Denn, wir sind der Ansicht, jeder soll eine ehrliche Chance haben, sich weniger süß und weniger zuckerreich ernähren zu können." Von 2017 bis Ende 2020 konnten alle Partner zusammen eine Reduktionsmenge von exakt 11.454 Tonnen erzielen.

Dabei arbeitet auch Spar bei seinen Eigenmarken konsequent daran, auf zugesetzten Zucker zu verzichten bzw. nur so wenig wie möglich zuzugeben. So konnten im selben Zeitraum 1.700 Tonnen Zucker eingespart werden. "Durch die, auch mehrmalige, Überarbeitung der Rezepturen unserer Spar-Eigenmarkenprodukte konnten wir bereits beachtliche Mengen an Zucker einsparen. Gramm für Gramm haben wir den Zucker aus unseren Spar-Eigenmarkenprodukten entfernt und neue Spar-Eigenmarkenprodukte werden bewusst mit weniger Zucker entwickelt als beispielsweise Industriemarken oder Eigenmarken von Mitbewerbern", betont Kaser.

Markus Kaser, Spar-Vorstandsdirektor für Einkauf und Marketing, hat den Sitz von Spar in der "Zucker raus"-Initiative von Gerhard Drexel übernommen.
Spar/evatrifft
Markus Kaser, Spar-Vorstandsdirektor für Einkauf und Marketing, hat den Sitz von Spar in der "Zucker raus"-Initiative von Gerhard Drexel übernommen.

Diskonter setzen sich für Nährwertoptimierung ein

Das möchte der Mitbewerb wohl so nicht unterschreiben, denn auch hier lässt sich das Engagement nicht verleugnen. So versucht auch Diskonter Lidl bereits seit mehreren Jahren die Rezepturen der eigenen Produkte zu verbessern und sukzessive die Zucker-, Salz- und Fettgehalte zu senken. "Als einer der größten Lebensmittelhändler in Österreich haben wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen aktiv einen Beitrag zu einem bewussteren Lebensstil leisten. Deshalb stellen wir den Zucker-, Salz- und Fettgehalt in unseren Eigenmarken-Lebensmitteln regelmäßig auf den Prüfstand und schauen gemeinsam mit unseren Lieferanten, ob es Möglichkeiten für Anpassungen der Rezepturen gibt. Bei vielen Eigenmarken-Produkten ist uns das schon gelungen", sagt Alessandro Wolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Lidl Österreich. Beispielsweise stecken im "Freeway" Cola pro zwei-Liter-Flasche um 16 Gramm weniger Zucker als vorher, das Fruchtjoghurt der österreichischen Eigenmarke "Alpengut" kommt mit 30 Prozent weniger Zucker aus. "Beim Zucker konzentrieren wir uns stark auf Lebensmittel, die auch von Kindern oft und gerne gegessen werden: Frühstückscerealien, Joghurts, Desserts, Eiscreme, Süßgebäck, süße Brotaufstriche, Limonaden, Ketchup und Fertiggerichte. Dort, wo der Zuckergehalt reduziert wird, kann nicht der Fettgehalt angehoben werden. Auch der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe kommt für uns nicht in Frage", führt Wolf aus. Bis 2025 sollen um 20 Prozent weniger Zucker, Salz und Fett in den Produkten enthalten sein.

Hofer setzt im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative "Heute für Morgen" einen Schwerpunkt in der Optimierung der Nährwerte in den Produkten. In den letzten Jahren konnten so 1.000 Tonnen Zucker eingespart werden. "Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden den Rücken stärken, wenn es um die Entscheidung für einen bewussten Lebensstil geht. Daher möchten wir ihnen den Griff zu frischen, hochwertigen und gesunden Lebensmitteln so einfach wie möglich machen. Als Diskonter bieten wir unseren Kundinnen und Kunden ein breites Angebot für eine ausgewogene Ernährung sowie Produkte für Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen in bester Qualität an - und das zum Top-Preis. Die stetige Reduktion von Zucker in vielen unserer Exklusivmarken-Produkte stellt dazu einen wichtigen Schritt dar", heißt es auf Anfrage bei Hofer.

Anpassungen nimmt man auch vermehrt bei Rewe International vor. "Unser bestehendes Sortiment wird regelmäßig überprüft und mit unseren Lieferanten Rücksprache gehalten, ob Rezepturanpassungen hinsichtlich Zuckergehalt möglich sind. Bei einer Vielzahl an Eigenmarken Produkten wurden bereits Anpassungen vorgenommen", erzählt Pressesprecher Paul Pöttschacher. "Auf Produkten loben wir das Thema Zuckerreduktion auf zwei verschiedenen Wegen aus. Etwa mit der Kennzeichnung 'ohne Zuckerzusatz', wenn Produkte von Natur aus Zucker enthalten, hier wären Billa Sugos oder Billa Müslis als Beispiel zu nennen. Andererseits mit der Angabe '30 % weniger Zucker',  wenn die gesetzliche Vorgabe erfüllt ist und unser Produkt 30 Prozent weniger Zucker als das herkömmliche Markenprodukt in diesem Bereich enthält. Aktuell Beispiele dafür sind etwa Clever Wasser mit Geschmack und Clever Cornflakes."
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