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E-Special Hygiene und Desinfektion

Hygiene-affine Österreicher?

Kelly Sikkema/unsplash.com

Hygiene war das Schlagwort der letzten Wochen. Gemeint war damit vor allem Händewaschen und Desinfektion. CASH hat sich bei Hygieneprofis umgehört, was Hygiene bedeutet und wie gut die Österreicher und österreichischen Händler damit umgehen.

 
In der Branche ist man sich einig, Hygiene hat jedenfalls immer etwas mit Gesundheit zu tun. "Hygiene ist gewissermaßen die Wissenschaft von der Kunst, gesund zu bleiben. Das bedeutet hauptsächlich, Probleme zu verhindern, die durch Mikroorganismen wie Bakterien Schimmelpilze oder Viren verursacht werden", fasst Claudia Bach, Unternehmenskommunikation Reckitt Benckiser, zusammen. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Hygiene gerne mit gründlicher Sauberkeit und allem was damit zu tun hat, gleichgesetzt. Das beginnt beim Fußbodenwischen oder Müllausleeren und gipfelt in der Desinfektion.

79 Prozent benutzen Desinfektionsprodukte zum Händereinigen

Prinzipiell haben die Österreicher schon vor Corona Wert auf Hygiene gelegt, allerdings nicht in den Ausmaßen, die sich seit Beginn der Pandemie beobachten lassen. "Die Pandemie hat die Menschen achtsamer gemacht. Fest steht, dass sie sich die Hände öfter als vorher waschen und desinfizieren", sagt Gottfried F. Berger, Head of Country Management bei Hagleitner. Ähnliches beobachtet man auch bei hollu. "Durch Corona kam es generell zu einer Verunsicherung des Konsumenten und die Angst vor einer Ansteckung sowie die Angst, eventuell Vorgaben und Richtlinien zu verletzen, sitzt tief. Man merkt, dass das Hygienebewusstsein enorm gestiegen und das Image von Hygiene- und Desinfektionsprodukten nun sehr positiv besetzt ist", berichtet Peter Hehenberger, hollu Key Account Manager Direktvertrieb Österreich. Laut der RB Marktforschung (August 2020) verwenden aktuell 86 Prozent der Österreicher zumindest gelegentlich Desinfektionsprodukte bei der Reinigung, während 79 Prozent Desinfektionsprodukte zum Händereinigen benutzen. Außerdem waschen 85 Prozent der Befragten ihre Hände öfters, 77 Prozent zusätzlich länger. Dass es auch künftig eine gewisse Affinität zu mehr Hygiene geben wird, steht für die Hygieneexperten außer Frage. "Wir sind davon überzeugt, dass das Thema Händehygiene beziehungsweise Hygiene im Allgemeinen weiterhin eine starke Rolle spielen wird. Händedesinfektionsmittel werden uns in der Handtasche oder im Rucksack nicht mehr nur auf Reisen, sondern auch im Alltag begleiten", resümiert man bei B. Braun.

Maßnahmen sind im Handel vorhanden, aber es fehlt an Wissen

Verstärkte Hygieneanforderungen begegnen einem nun auch im Handel. Obwohl die Hygieneauflagen und –ausstattungen im österreichischen Handel vor allem im Bereich der Lebensmittelsicherheit schon vor Corona sehr hoch waren, hat der LEH in puncto Hygiene in den letzten Wochen und Monaten noch stärker angezogen und zusätzlich zahlreiche Maßnahmen für die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern installiert. Denn nicht nur Lebensmittel sind als potenzielle Quellen für Viren, Pilze und Bakterien zu betrachten, alle Arten von Oberflächen sowie der Kontakt zwischen den Menschen müssen miteinbezogen werden. "Der Lebensmittelhandel ist sich seiner Verantwortung bewusst – in kaum einer Branche wurden so viele Millionen investiert und sich so um Hygienesicherheit gekümmert", erklärt Hehensberger.
„Hygiene ist gewissermaßen die Wissenschaft von der Kunst, gesund zu bleiben.“
Claudia Bach, Unternehmenskommunikation RB

Hagleitner sieht das etwas differenzierter und attestiert vor allem in Sachen Wissen und Bewusstsein sowohl bei den Mitarbeitern als auch den Kunden Luft nach oben. Kerstin Heine, Chemikerin bei Hagleitner, hat zum Beispiel beobachtet, wie Kunden sich mit den bereitgestellten Oberflächendesinfektionsmitteln für Einkaufswägen die Hände desinfiziert haben. Der Unterschied ist wesentlich, vor allem aus dermatologischer Sicht. Sie plädiert für mehr Aufklärung: "Hygieneschulungen für das Personal können hier Abhilfe schaffen und das Bewusstsein schärfen; darüber, dass Desinfektionsmittel nicht gleich Desinfektionsmittel ist." Außerdem muss auch die richtige Anwendung gelernt sein. "Einen Pumpstoß am Geschäftseingang kurz in den Händen zu verreiben und unmittelbar Einkaufswagengriffe, Lebensmittel etc. anzufassen, schützt niemanden. Das Desinfektionsmittel muss eine gewisse Zeit einwirken, um Keime abtöten zu können", sagt Heine. "Ein Desinfektionsmittel ist keine Fliegenklatsche, die etwas mit einem Schlag, in einem Sekundenbruchteil ausschalten kann." Auch die Produkte und deren Zusammensetzung spielen bei der Wirksamkeit eine große Rolle. Wie die Systemhygiene den Handel unterstützt und unterstützen kann, lesen Sie hier.

Spender im Lebensmittelhandel gehören auch in Zukunft zum "guten Ton"

Einig ist man sich, dass Hygiene und im Speziellen Hygiene-Spender von nun an nicht mehr aus dem Handel wegzudenken sind. "Covid-19 hat einen einschneidenden Schritt in der Hygiene-Evolution in Gang gesetzt: Von nun an geht es nicht mehr nur um Oberflächenhygiene – indirekte Übertragungswege spielen jetzt eine noch entscheidendere Rolle. Der Weg vom Hersteller über den Mitarbeiter bis hin zum Endverbraucher rückt immer mehr in den Fokus", so Berger. Und Hehenberger: "Ich denke, diese Spender gehören in Zukunft zum ‚guten Ton‘ und werden sich im Lebensmittelhandel überall finden. Durch Corona ist allen bewusstgeworden, wie wichtig Hygiene ist und wie sich mit Hygienemaßnahmen das Infektionsrisiko z. B. für Covid-19 reduzieren lässt. Händewaschen bestimmt inzwischen unseren Alltag und Sensorspender sowie Desinfektionssäulen in öffentlichen Einrichtungen vermitteln Sicherheit und Vertrauen. Diese Produkte gehören nun zu den 'Must haves' in der Branche und werden zu Visitenkarten im Eingangsbereich. Das Design wird nun immer wichtiger, nachdem noch im April und Mai ein einfacher Handspender genügt hat."

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