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E-Special Jahresrückblick

Das war 2020 für den Handel

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Das auslaufende Jahr 2020 hielt für den gesamten Handel große Herausforderungen bereit. Die Highlights hat CASH für Sie zusammengefasst.

Jänner

Im ersten Monat des neuen Jahres erreicht das Coronavirus Europa und trifft vor allem Italien schwer. Da Veranstaltungen noch möglich und ohne Einschränkungen erlaubt waren, brachte CASH das CASH Impuls Dialogforum in Kooperation mit GfK zum Thema Generation Z und ihre Wünsche erfolgreich über die Bühne.

Um Verpackung zu reduzieren, testete Spar in zwei Interspar-Hypermärkten einen Spender, bei dem Konsumenten Wasch- und Spülmittel tanken können. Bei Interspar im Salzburger Europark und in der Jörgerstraße in Wien-Hernals standen die ersten beiden Automaten dieser Art.

Seit 1. Jänner hat Lidl Österreich eine erweiterte Geschäftsleitung. Der 42-jährige Deutsche Torsten Friedrich wurde zum Stellvertreter von Geschäftsleitungsvorsitzenden Alessandro Wolf bestellt. Der Vertriebsprofi startete bei Lidl im Jahr 2002 und verantwortete dort in den letzten 17 Jahren verschiedene Positionen. Zusätzlich folgt Karsten Kremer auf Dennis Kollmann als Geschäftsleiter des Ressorts Einkauf von Lidl Österreich.

 Torsten Friedrich
Lidl Österreich
Torsten Friedrich

Februar

Am 25. Februar wurden erstmals zwei Corona-Krankheitsfälle in Innsbruck gemeldet – zwei Tage später der erste Fall in Wien.

Für Spar hielt der Februar ein Highlight bereit: Bereits zum zehnten Mal in Folge war der Lebensmittelhändler Wachstumsführer 2019 im Bereich der Super- und Hypermärkte.

Gute Nachrichten vermeldete auch der Gastronomie-Großhändler Transgourmet Österreich: Der Umsatz konnte im Jahr 2019 auf über 616 Millionen Euro gesteigert werden. Wachstumstreiber waren vor allem die Zustellung mit 67 Prozent Umsatzanteil, die Eigenmarken, die Übernahme des Spezialisten im Bereich italienische Gastronomie Gastro Profi und die starke Servicekompetenz.

Thomas Panholzer und Manfred Hayböck, Geschäftsführer Transgourmet Österreich
Transgourmet Österreich
Thomas Panholzer und Manfred Hayböck, Geschäftsführer Transgourmet Österreich

März

Im März 2020 traf das Coronavirus nun auch Österreich hart und die Regierung verhängt den ersten Lockdown. Der Handel (mit Ausnahme von Lebensmittelhändlern und Drogerien) musste seine Tore schließen. Maskenpflicht, umfassende Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sowie Kurzarbeit und Homeoffice nahmen Einzug in den heimischen Alltag und die Arbeitswelt.

Personalrocharden in Österreichs Shoppingcentern: Mit Zsolt Juhasz bekommt das Donau Zentrum einen neuen Centermanager. Der 37-Jährige ist seit 1. März 2020 im 133.000 Quadratmeter großen Einkaufszentrum für die operative Leitung verantwortlich. Damit löste er Anton Cech ab, dessen Stellvertreter er war. Gerhard Wohlmacher ist seit Anfang März Centermanager des Wiener Traditionskaufhauses auf der Mariahilfer Straße und folgt in dieser Funktion Nila McCallum nach.

Zsolt Juhasz
Philipp Lipiarski
Zsolt Juhasz

April

Nach fast sieben Wochen Krisenstimmung und Homeoffice im Lockdown wurde nicht nur der Handel bereits coronamüde. Die erschwerten Bedingungen waren eine echte Herausforderung und nicht selten stieß man an seine Grenzen, dass zeigte auch die CASH-Umfrage im April, bei der Betroffene erzählten, wie sie die Situation rund um Covid-19 erlebten.

So berichtete beispielsweise Jürgen Pils, Bereichsleiter Logistik bei Hofer: "Die Verunsicherung vieler Kunden, die wir vor allem Mitte März durch die enorme Nachfrage bemerkt haben, hat mich am meisten erschüttert. Es wurde immer mehr gekauft und wir hatten alle Hände voll zu tun, um neue Waren an die Filialen zu liefern. Bestimmte Artikel waren oftmals schneller weg, als wir sie nachliefern konnten. Seither haben wir eine erhöhte Anzahl an Lieferungen, welche pro Tag an die Filialen gehen."

Jürgen Pils
Hofer
Jürgen Pils

Unimarkt/ÖFV feierte indes im April 30-jähriges Bestehen. 1990 eröffnete der erste Unimarkt-Franchisenehmer in Ruprechtshofen, Niederösterreich – bis heute wird die Filiale mit dem immer populärer werdenden Geschäftsmodell betrieben. Mittlerweile sind 62 der 125 Unimarkt-Standorte auf das Franchisemodell umgestellt.

Am Osterwochenende konnte der österreichische Handel für kurze Zeit wieder aufatmen. Die Regierung gab die schrittweise Öffnung bekannt. Kleinere Geschäfte (bis 400 Quadratmeter) sowie Bau-, Gartenmärkte und Handwerksbetriebe durften ab 14. April wieder öffnen, doch für viele brach das so wichtige Ostergeschäft komplett weg.

Mai

Ab 2. Mai durften nun auch größere Geschäfte wieder öffnen.

Die mehrwöchigen Schließungen aufgrund des Coronavirus von Gastronomie, Unterhaltungsbetrieben und den meisten Geschäften setzen Shoppingcenter gehörig unter Druck. Das Tauziehen um entsprechende Mietreduktionen entwickelt sich zu einem großen Thema. Neuflächen kamen nur mehr ganz vereinzelt hinzu, da der Einzelhandel kaum noch expandierte.

Spar schaffte es erstmals, der Rewe für einen längeren Zeitraum die Marktführerschaft abzujagen. Im ersten Tertial kam Spar auf 34 Prozent Marktanteil und belegte damit die Nummer eins im Ranking.

Bipa feierte im Mai 40-jähriges Bestehen. "Seit der Gründung von Bipa im Jahr 1980 bis zum heutigen Tag haben wir über 600 Filialen eröffnet und begleiten den Alltag der Österreicher. Heute wie damals steht Bipa für große Lebensfreude, positive Neugier und die neuesten Trends", so Geschäftsführer Thomas Lichtblau.

Thomas Lichtblau
Rewe International
Thomas Lichtblau

Juni

Mitte des Jahres stand das nächste große Jubiläum an: Zum 50. Geburtstag von Interspar setzt Geschäftsführer Markus Kaser weiter auf Expansion.

Die Nachfolge von Spar-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Drexel wurde bekannt gegeben: Ab 2021 übernimmt Fritz Poppmeier die Funktion, Drexel wechselt in den Aufsichtsrat als dessen Vorsitzender.

Fritz Poppmeier
Spar
Fritz Poppmeier

Der seit dem Jahr 1980 für Rewe International tätige Franz Nebel kündigte seinen Ruhestand für Ende 2020 an. Er fungierte seit 2009 als Vorstand.Seine Aufgaben übernehmen schrittweise Christoph Matschke und Marcel Haraszti.

Juli

In der neuen Zentralorganisation "Billa Merkur Österreich" (BMÖ) bündelte Rewe International die Kräfte von Billa und Merkur.

Die neuen BMÖ-Vorstände rund um Vorsitzenden Marcel Haraszti (3. v. l.): Harald Mießner, Michael Paterno, Elke Wilgmann, RobertNagele und Erich Szuchy
Rewe International
Die neuen BMÖ-Vorstände rund um Vorsitzenden Marcel Haraszti (3. v. l.): Harald Mießner, Michael Paterno, Elke Wilgmann, RobertNagele und Erich Szuchy
Die Lebensmittelhändlerin Margarete Gumprecht avancierte zur neuen Obfrau des Handels in der Wirtschaftskammer.

Christoph Tamandl wird zum neuen Geschäftsführer des Fachverbands Lebensmittel der WKÖ bestellt.

August

Die MTH Retail Group ernannte den langjährigen Billa-Chef Josef Siess zum neuen Einkaufsvorstand.

Der neue Flagship-Billa in den Räumlichkeiten des ehemaligen Cafés Griensteidl eröffnete in der Wiener City.

September

In eigener Sache: Margaretha Jurik übernahm die redaktionelle Verantwortung für das Printmagazin CASH, die Onlineplattform cash.at und die inhaltliche Konzeption der CASH Veranstaltungen.

Margaretha Jurik
Manstein Verlag/Sabine Klimpt
Margaretha Jurik

Dänisches Bettenlager läutete den Startschuss zum Markenrelaunch ein und nennt sich ab sofort Jysk.

Es wurde bekannt gegeben, dass Janusz Kulik, Vorstand von Rewe International, seine Verantwortung mit 1. Jänner 2021 an Espen B. Larsen übergibt. Dieser war zuvor in der Geschäftsführung von Penny International tätig. 

Espen B. Larsen
Rewe International
Espen B. Larsen

AMA Marketing veröffentlichte die RollAMA Daten für den Zeitraum Jänner bis Juni 2020: Die Coronakrise sorgt für geänderte Konsumverhältnisse und beschert dem Handel vor allem im Bio-Bereich gute Umsätze. Denn laut den RollAMA-Daten hat der heimische Handel vom Lockdown deutlich profitiert. Der LEH, Bäcker, Fleischer, Märkte und Zustelldienste haben einen Wertzuwachs von durchschnittlich 17 Prozent erfahren. Besonders stark waren die Monate März bis Mai. Alleine im April gab es ein Umsatzplus von 26,8 Prozent bei den von der RollAMA erfassten Warengruppen. Der LEH ohne Diskonter verzeichnete bei den Frischwaren ein Plus von 16,4 Prozent, mit Hofer und Lidl sind es 15,4 Prozent. Branchenweit machten die Segmentumsätze mehr als vier Milliarden Euro aus, der Großteil davon ist dem klassischen LEH zuzuschreiben.

Oktober

Definitives Highlight des Monats Oktober: das 35. CASH Handelsforum. Diesmal ging es allerdings nicht in Fuschl, sondern in Schladming erfolgreich über die Bühne. Unter den höchsten Sicherheitsvorkehrungen, mit Covid-Antigen-Schnelltests, spannenden Vorträgen und interessanten Gesprächen, bot es eine willkommene Abwechslung vom Coronaalltag.

Mitbegründer und Geschäftsführer von dm drogerie markt, Günter Bauer, verstarb im Alter von 76 Jahren.

Günter Bauer
APA/Hinterramskogler
Günter Bauer

Gemeinsam mit Finanzdirektor Jure Petkovšek übernimmt der Handelsexperte und gebürtige Slowene David Kovacic ab 2021 die Agenden des langjährigen Geschäftsführers von Spar Slowenien, Igor Mervic, der in den Aufsichtsrat wechselt. Kovacic ist bereits seit eineinhalb Jahren im Spar-Konzern tätig.

November

Im November kam dann der nächste Schock: Aufgrund steigender Corona-Fallzahlen wurde der zweite Lockdown ausgerufen. Bis auf wenige Ausnahmen mussten auch dieses Mal alle Geschäfte schließen.

Mathias Boenke wird seinen 2021 auslaufenden Vertrag bei Intersport aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Jahrelang war er erfolgreich für das Unternehmen tätig. Zunächst als Geschäftsführer von Intersport Austria, seit 2018 dann als Mitglied des Vorstands der Intersport Deutschland.

Mathias Boenke
Intersport
Mathias Boenke

Dezember

Seit 7. Dezember darf der gesamte österreichische Handel unter Einhaltung von Auflagen (beschränkte Kundenanzahl je nach Geschäftsgröße, verkürzte Öffnungszeiten unter der Woche, MNS-Pflicht etc.) wieder geöffnet sein. Doch die erzielten Umsätze bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vor allem der verkaufsoffene Feiertag am 8. Dezember fiel besonders enttäuschend aus. Generell zeigte sich, dass in den ersten sechs Verkaufstagen seit Aufhebung des harten Lockdowns die erhofften Nachholeffekte ausgeblieben sind. Laut einer Aussendung des Handelsverbands wird lediglich ein Drittel der Käufe im stationären Handel nachgeholt. Zwei Drittel der Verluste durch den zweiten Lockdown sind demnach nicht mehr aufholbar.

Trotz weihnachtlicher Dekoration klagt auch der Europark in Salzburg über Umsatzverluste.
Wildbild
Trotz weihnachtlicher Dekoration klagt auch der Europark in Salzburg über Umsatzverluste.
Auf der anderen Seite boomte der Onlinehandel aufgrund von Corona: Die erste Bilanz der vier Onlinetage zwischen Black Friday und Cyber Monday übertraf alle noch so optimistischen Erwartungen bei Weitem. Wobei nicht nur Onlineriese Amazon gewaltig zulegen konnte, sondern auch alle anderen. Amazon zum Beispiel verzeichnete ein sattes Plus von 60 Prozent und schraubte damit die Umsätze weltweit auf 4,8 Milliarden Dollar, wobei das nur die Umsätze der Plattform sind, jene die Amazon mit eigenen Produkten erzielt hat, sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Laut Klarna konnte an diesen vier Tagen der heimische Onlinehandel sogar um 123 Prozent zulegen, direkt am Black Friday im Vergleich mit 2019 sogar um 134 Prozent.

Immerhin gibt es Licht am Ende des Tunnels in Sachen Corona: Bereits ab Jänner steht ein Impfstoff zur Verfügung.
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