E-Special Ladenbau: Das neue "einfach"
 
E-Special Ladenbau

Das neue "einfach"

Retail Technology soll den Einkauf reibungslos machen und den Händlern viel Raum zur Individualisierung bieten.

E-Special: Retail Technology

Viele Messen mussten dieses Jahr abgesagt werden, die EuroShop 2020 zeigte im Februar allerdings noch, was rund um den Ladenbau und die dafür notwendige Technologie möglich ist. Einer der Aussteller vor Ort war VKF Renzel, dessen Geschäftsführer Josef Nirschl einen Überblick zu einem den aktuellen Trends gibt: "Bei der Euroshop wurde von VKF Renzel mit der Marke troniTAG eine neue Serie an Electronic Shelf Labels vorgestellt, die Serie Z . Basierend auf dem Standard 'Bluetooth Low Energy 5.0' setzt es damit neue Geschwindigkeitsmaßstäbe bei der Übertragung von Informationen und hebt sich von den bisherigen Systemen klar ab. Es wird auch weiter mit Hochdruck an Labels in Multi Color gearbeitet. 'Der große Wurf' ist leider derzeit in dieser Richtung noch immer nicht absehbar." Das Preisschild als kleine Werbefläche ist also nicht unrealistisch, bis zur praktischen Anwendung dauert es aber noch.

Steuerung für den Kundenstrom

Digital Signage wurde zur Bewältigung der Coronakrise auf eine neue Art genutzt: zur Beschränkung der Kundenanzahl im stationären Handel sowie zum Management des Abstandes zwischen einzelnen Personen. Der deutsche Hersteller Apostore hat etwa den "Digital Buttler" vorgestellt, mit dem Einlasskontrollen ohne Sprachbarrieren kommuniziert werden. "Aufgrund der Corona-Krise werden wir uns vorerst damit abfinden müssen, dass in Ladenlokalen nur eine begrenzte Anzahl an Personen erlaubt ist. Apotheken und andere Einzelhändler sind damit gezwungen, Eingangsbeschränkungen durchzusetzen", erklärt Christopher Thielen, Geschäftsführer der Apostore. Vom Unternehmen Netzameisen aus Berlin kommt mit der "Gastampel" ein ähnliches Prinzip: Mittels Lichtschranke wird gemessen, wie viele Personen ein Geschäft betreten oder verlassen. Via App kann eingestellt werden, wann die Ampel am Eingang von grün auf rot schaltet. Mit einem komplexeren System löst die intelligente Lösung von AVI Systems das Problem. Mittels Deep Learning erfassen zwei Kameras die Kunden, ab einer gewissen Anzahl wird ein Ampelsignal gegeben, dass zwischenzeitlich keine weiteren Personen die Filiale betreten dürfen. Da keine Daten dabei gespeichert werden, ist das System auch DSGVO-konform. Ob solche Systeme nur kurzfristige Trends oder langfristig sinnvolle Ergänzungen sind, wird sich erst zeigen.

Nachfüllen ist in

Eindeutlig im Einzelhandel etabliert haben sich bereits Dispenser - elektronisch gesteuerte Spender für das Trocken- sowie Nass-Sortiment. Umdasch the Store Makers waren mit zahlreichen Neuerungen bei der EuroShop vertreten, darunter auch der Liquid Dispenser, der auf Refill-Systeme am POS ausgelegt ist. Sprich: Kunden bringen ein zuvor gekauftes Gebinde, etwa für Waschmittel, und füllen es mit einem geeigneten Produkt nach Wahl auf. Refill statt Recycle quasi, die bereitgestellten Flaschen sind bis zu 50-fach wiederverwendbar. Im Frühjahr wurde mit einer Station beim britischen Händler Sainsbury’s das erste Gerät außerhalb der EU installiert, abgefüllt werden die Öko-Reinigungsmittel des Herstellers Ecover. Entwickelt sich die aktuelle Testphase positiv, startet der kettenweite Rollout.

Big Player beim Bezahlen

Eine große Fusion gab es im Payment-Bereich: Worldline, der Mutterkonzern vom Bezahlterminal-Hersteller Six, hat den Konkurrenten Ingernico übernommen. Unter dem Markendach "BS Payone" ist so der weltweit viertgrößte Dienstleister dieser Art entstanden - CASH hat berichtet. Der Anbieter setzt auf Flexibilität: Das Terminal Engage Mobile ist in einer Variante mit SIM-Karte verfügbar, wodurch die Verbindung zu einem stationären Empfänger hinfällig wird. Damit soll der Bezahlvorgang so schnell wie möglich und unabhängig vom Standort abgewickelt werden - ein klarer Convenience-Faktor für den Kunden.

Ebenfalls übernommen - allerdings schon 2019 - wurde First Data vom US-Zahlungsdienstleister Fiserv. Die Clover-Bezahlterminals werden daher unter dem Namen "First Data, now Fiserv" vertrieben. Die Clover-Geräte sind darauf ausgelegt, möglichst schnell nach Kundenwunsch installiert und kosteneffektiv betrieben zu werden. Oliver Lohmüller-Gillot, Managing Director, General Manager Merchant Business DACH sieht einen deutlichen Trend: "Kunden erwarten nahtlose digitale Erfahrungen, die sich auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen - auch beim Bezahlen. Mehr und mehr Leute kaufen online und zahlen mit digitalen Wallets, wodurch traditionelle Zahlungsmethoden wie Bargeld oder Karten und der Erhalt einer gedruckten Rechnung wegfallen oder nur im Hintergrund stattfinden. Der gesamte Prozess wird dadurch für alle Teilnehmer einfacher und effizienter." Die Liebe zum Bargeld in der DACH-Region verliert laut Lohmüller-Gillot an Boden: "61 Prozent der Deutschen, so haben wir bei einer repräsentativen Umfrage erfahren, erwarten sich eine höhere Akzeptanz von Kartenzahlung im Handel in den kommenden Jahren. Für 35 Prozent ist das sogar ein wichtiger Grund bei der Auswahl des Einkaufsortes. Mit zunehmender Beliebtheit von bargeldlosen Zahlungsmethoden ist es essenziell für Händler jeder Größe, entsprechende Optionen anzubieten - online sowie im stationären Handel."

Know-How aus Österreich ist seit Anfang des Jahres in Deutschland gefragt, denn in unserem Nachbarland gilt seit Anfang Jänner die Registrierkassenpflicht. Bis September gilt die Schonfrist für die dortigen Händler. Michael Butz, CEO vom Kassen-Anbieter A-Trust, der 85 Prozent Marktanteil bei den Registrierkassen in Österreich hat, fasst die Lage zusammen: "Noch sind nicht alle Lösungen auf dem Markt sind BSI-zertifiziert. Nach erfolgreicher RKSV-Umsetzung bietet A-Trust seit Ende Mai das entsprechende Know-how und ein gesetzeskonformes Full-Service-Angebot auch für die deutsche Verordnung. Bis September geht sich das alles gut aus."
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