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E-Special: Mobilfunk im Handel

Handel mit Wert und Pflicht

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Oder wie der Handel das Registrierungsmuss bei Prepaid-SIM-Karten überstanden hat.

Es ist nicht gerade auf viel Begeisterung gestoßen, als das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres (BMI) im Rahmen eines Sicherheitspakets die Registrierungspflicht für Wertkarten beschlossen hat – nicht bei den Kunden und auch nicht bei den Händlern und Mobilfunkbetreibern. Fast vier Millionen Prepaid-SIM-Karten waren davon betroffen. Man schimpfte, diskutierte und "drohte". Aber es half nichts. Mit 1. Jänner 2019 trat die Verordnung in Kraft, seit 1. September 2019 kann man ohne SIM-Registrierung kein Guthaben mehr aufladen. Und nun, am 30. Jänner 2020, über ein Jahr nach der Einführung, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, nach einer Klage aus Deutschland, entschieden, dass die Registrierungspflicht, wie sie in Deutschland und eben auch in Österreich existiert, zulässig ist. Hierzulande muss der Mobilfunker zwar Namen oder Geburtstag erfassen, was einen begrenzten Eingriff in die Rechte von Käufern darstellt, aber es handle sich dabei um keinen Rechtsbruch, so das Urteil. Also blieb und bleibt der Mobilfunkbranche nichts anderes übrig, als das Beste daraus zu machen.

Der Handel versuchte vor allem mit gezielten Informationsoffensiven und einer einfachen unkomplizierten Registrierungshandhabung online als auch offline einem vermeintlich bevorstehenden Kundenschwund entgegenzuwirken. Qualität, Preis, Leistung und andere Top-Angebote sollten ihr Übriges zu tun. Dazu, ob es dennoch zu einer Reduktion von Kundenzahlen gekommen ist, wollte sich aber kaum jemand konkret äußern. Nur Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann räumte ein: "Bei S-Budget Mobile ist es erwartungsgemäß zu einer gewissen Reduktion der Kundenzahlen gekommen. Diese liegt bei uns jedoch unter dem Branchendurchschnitt". Von Seiten Tchibo mobil hieß es, dass es keine Auswirkungen auf die Verkaufszahlen gegeben habe. HoT gab dazu zwar keine klare Stellungnahme ab, allerdings hat der von der Ventocom betriebene Provider erst kürzlich verkündet, nun bei über einer Million Kunden (davon 930.000 in Österreich und 84.000 in Slowenien) zu liegen. Das ergibt einen Marktanteil von 25 Prozent im österreichischen Prepaid-Segment. Auf einen großen Nutzerschwund lässt das wohl kaum schließen. Und auch Lidl-Connect blickt positiv auf das vergangene Jahr zurück. Das jüngste Mobilfunkangebot des Handels ließ sich von der Registrierungspflicht nicht einschüchtern und ist im Juli 2019 mitten im Umstellungsprozess auf dem Markt erschienen. "Der Start von Lidl-Connect ist super gelaufen und das Format entwickelt sich nach wie vor sehr gut", freut sich Hansjörg Peterleitner, Unternehmenskommunikation Lidl Österreich.  Seit der Einführung gab Lidl über 60.000 SIM-Karten aus.

Die Registrierungspflicht machte das hart umkämpfte Mobilfunkgeschäft mit Sicherheit nicht leichter, aber sie scheint es, zumindest im Handel, auch nicht drastisch zu verschlechtern. Der Markt ist und bleibt also bunt, spannend und ständig in Bewegung – auch mit Registrierung.
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