E-Special Tierwohl: Tierwohl-Listungen vs. Ak...
 
E-Special Tierwohl

Tierwohl-Listungen vs. Aktionitis

Spar AG
Hans Schernthaner, Spar Natur*pur Biobauer aus Berg im Attergau
Hans Schernthaner, Spar Natur*pur Biobauer aus Berg im Attergau

Der Handel ist und bleibt die Drehscheibe in Sachen Tierwohl. Egal, wie sehr sich die Fleisch- und wurstproduzenten auch bemühen, ihre Produkte nach Tierwohlkriterien herzustellen und egal, wie sehr sich diese der Konsument wünscht, wenn der Handel die Ware nicht listet, steht diese Initiative still. Der Hauptgrund dafür: Die höheren Preise sprechen gegen die Aktionspolitik der Handelsketten.

Was jedoch nicht auf die Eigenmarken der Handelsketten zutrifft. So ist zum Beispiel die Spar seit vielen Jahr Pionier und somit federführend in Sachen expliziter regionaler  Markenprogramme mit weitaus höheren Auflagen als gesetzlich gefordert, war die erste Handelskette, die auf das AMA-Gütesiegel setzte, verbannte schon sehr früh Käfigeier aus ihren Regalen und kümmerte sich auch bei Geflügel um mehr Platz bei der Aufzucht und das Weiterlebendürfen der Gockel.
Mit Ja! Natürlich hat die Rewe bereits vor 25 Jahren eine Bio-Eigenmarke geschaffen, die überaus positiv in den Konsumentenköpfe verankert ist und zudem hohes Vertrauen geniesst.

Spar

Konzern-Sprecherin Nicole Berkmann: "Tierwohl ist seit Jahrzehnten ein Kernelement der Spar-Einkaufspolitik. Dafür gibt es zahlreiche Belege, wie beispielsweise, dass Spar seit 25 Jahren nur österreichisches Qualitäts-Frischfleisch von Schwein, Kalb und Rind mit dem AMA-Gütesiegel verkauft und damit auf höhere Tierschutz-Standards setzt als gesetzlich vorgeschrieben." Gemeinsam mit der AMA entwickelt Spar diese Standards laufend weiter. Bei regionalen Qualitätsprogrammen wie dem Tiroler Almrind, dem Vorarlberger Alp-Schwein oder dem steirischen Murbodner Rind ziehen Vertragslandwirte Tiere unter besonderen Haltungsbedingungen, mehr Platz und Stroheinstreu exklusiv für Spar auf und liefern damit regionales Fleisch aus tierfreundlicher Haltung an die Tann-Fleischverarbeitungsbetriebe.
"Und mit der Marke 'Tann schaut drauf' hat Spar 2016 als erster österreichischer Händler eine eigene Marke für Fleisch mit mehr Tierwohl geschaffen", erinnert Berkmann. Übrigens: Bei Bio-Fleisch, das standardmäßig unter höchsten Tierwohl-Bedingungen produziert wird, verzeichnet Spar jährlich zweistellige Zuwachsraten.
Auch der Verzicht auf Käfigeier im österreichischen LEH, die Ablehnung von höheren Besatzdichten für Geflügel oder die Aufzucht von Bio-Gockeln war nur durch die Beteiligung von Spar möglich. Darüber hinaus hat sich Spar beispielsweise verpflichtet, keinen Echtpelz, keine Merino-Wolle oder keine Gänse und Kaninchen aus Qualzucht anzubieten. Berkmann dazu: "Spar verfolgt also seit vielen Jahren konsequent den Ausbau von Tierwohl-Haltung für alle Nutztier-Klassen und treibt Standards voran. Und auch abseits von Nutztieren leistet Spar wichtige Beiträge zu Tierwohl und Artenschutz, wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit Österreichs größter Bio-Imkerei zum Erhalt der gesunden Bienen-Population, Bienen-Blühwiesen bei Spar-Standorten und das umfangreiche Pestizid-Reduktionsprogramm zum Insektenschutz."
Was Kontrolle betrifft, so arbeitet die Spar mit akkreditierten österreichischen Kontrollstellen zusammen, die landwirtschaftliche Betriebe im Rahmen der AMA-Qualitätskontrolle sowie für Spar-eigene Audits regelmäßig besuchen. Für die Einhaltung von Tierwohl-Kriterien bei Frischeiern arbeitet man außerdem mit Vier-Pfoten zusammen.
Für Berkmann logisch ist: "Tierwohl-Maßnahmen verursachen in der landwirtschaftlichen Produktion klarerweise höhere Kosten, die sich natürlich in einer gewissen Form im Verkaufspreis wiederfinden müssen."

Rewe International

Andreas Steidl, Geschäftsführer der Eigenmarken der Rewe International AG mit Schwerpunkt Landwirtschaft und Qualitätsmanagement und langjährig in leitender Position bei AMA-Marketing tätig, über den Stellenwert von Tierwohl im Unternehmen: "Wir müssen Tierwohl genauso ernst nehmen wir Nachhaltigkeit. Beide Themen sind im Fokus,  aber nicht für alle Kunden gleich wichtig. Zahlreiche Kunden fordern hier nicht nur Verbesserungen und eine Weiterentwickelung, sondern sie treffen auch entsprechend konsequent ihre Einkaufsentscheidung. Und die Anzahl dieser Kundengruppe ist stetig wachsend. Man kann sich also vor einem entsprechenden Angebot nicht mehr drücken. Und wenn man sich schon damit intensiv beschäftigt, ist die  ständige Vorwärtsentwicklung genauso wichtig wie vorhandene Schwächen beim bestehenden Angebot auszumerzen."
Das Kundenpotential für Tierwohlprodukte liegt derzeit bei 25-30 Prozent wobei dies nicht gleich bedeutet, dass mit einem Programm automatisch alle diese Kunden abgeholt werden können. Der Erschließungsgrad dieses Kundenpotentials hängt sehr stark von der Sensibilisierung, der Emotionalisierung und der Kommunikation bei den kritischen Tierwohlthemen ab. Bei Eigenmarken generell liegt die Latte vielfach höher. Steidl: "Eigenmarken sind deshalb auch beim Thema Tierwohl Vorreiter, weil die Kunden strengere Maßstäbe anlegen. Das hat bei der Produktpositionierung in jedem Fall Berücksichtigung zu finden."
Penible Kontrolle ist dabei ganz besonders wichtig. "Nehmen wir nur das Beispiel Ei", erklärt Steidl, "Sämtliche Frischeier in unseren Regalen kommen aus österreichischer Boden- und Freilandhaltung. Wir setzen dabei auf heimische Hühnerbauern, die selbst die Ei-Kennzeichnung vornehmen. Schwieriger wird die Qualitätssicherung bei Produkten, in denen Eier verarbeitet sind. Deshalb unterliegt auch das Flüssig- und Trockenei, das z.B. für Eierteigwaren benötigt wird, konsequenter  Kontrollen. Hier gibt es die so genannte HG-Zertifizierung.
Bei allen Bio-Eiern werden in Österreich seit ca. 5 Jahren auch die männlichen Küken aufgezogen, was in Europa einzigartig ist und auf eine Initiative von Ja! Natürlich zurückzuführen ist. Diese Gockelaufzucht findet auch bei unseren Toni’s Freilandeiern statt und ist damit im konventionellen Bereich einzigartig."
Bei der Bio-Eigenmarke Ja! Natürlich liegt der Anspruch generell extrem hoch. Steidl: "Damit liegt auf der Hand, dass die einzigartigen Tierhaltungsanforderungen unserer Fleischprogramme genau so streng überprüft werden wie bei sämtlichen unserer Milchprodukte."Bei der Beurteilung des heimischen Angebotes auf Basis nationaler gesetzlichen Regelungen der Tierhaltung sieht  Steidl die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung. Während bei der Haltung von Schweinen und Rindern in Österreich kaum strengere Vorgaben als in den meisten EU-Ländern existieren, gelten hingegen bei Hühnern und Puten deutlich anspruchsvollere Haltungsvorgaben. Der Geflügelbereich verzichtet auch in einer Branchenlösung freiwillig auf gentechnisch veränderte Futtermittel. .
Ein Aspekt ist ebenfalls interessant und räumt gleichzeitig mit einigen Missverständnissen auf. Steidl: "Das wahre Problem der heimischen Landwirtschaft liegt in ihren kleinteiligen Strukturen und dass der der österreichische Lebensmitteleinzelhandel nur einen Teil der gesamthaft erzeugten Produkte abnehmen und vermarkten kann. Deshalb bedarf es zusätzlicher Absatzanstrengungen in der Gastronomie, bei Großküchen und Kantinen von Schulen und Kindergärten.“

Hofer

Auch seitens des führenden heimischen Diskonters Hofer ist das Thema Tierwohl ein wesentlicher Bestandteil des unternehmerischen Handelns. Dies verdeutlicht Hofer aktuell mit dem Entschluss, ab Mitte Juni das dauerhaft erhältliches Sortiment von Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch zu 100 Prozent aus Österreich zu beziehen. Denn österreichisches Fleisch steht für hohe Standards und Qualität, die man schmeckt.  Nachdem sich Hofer schon sehr lange mit dem Thema Tierwohl beschäftigt, wurden bereits umfangreiche und freiwillige Maßnahmen umgesetzt, um erhöhte Tierwohlstandards in Österreich, insbesondere im konventionellen aber auch im Bio-Bereich, zu fördern. Das hohe Engagement für Tierwohl begründet man durch ein Selbstverständnis von Qualität und Verantwortung: Da Hofer eine große Anzahl an Produkten tierischem Ursprungs anbieten, sieht man es als Pflicht, die Haltungsbedingungen in der Nutztierhaltung tiergerechter und nachhaltiger zu gestalten. Um dieser Verantwortung gegenüber Konsumenten, Tieren und Umwelt gerecht zu werden, besteht Hofer bei der Erzeugung von Produkten tierischem Ursprungs auf die Einhaltung und Überwachung von Vorgaben zu artgerechter Tierhaltung und Tierschutz. Diese Vorgaben sind im übrigen in der so genannten Tierwohl-Einkaufspolitik festgehalten, welche für sämtliche Lieferanten und Geschäftspartner als verpflichtende Richtlinie zur Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffung von tierischen Produkte dient. Sämtliche Tierwohl-Themen werden von der Hofer-Nachhaltigkeitsabteilung betreut, die im ständigem Austausch mit diversen österreichischen und internationalen Tierschutzorganisationen und NGOs steht.
Doch Hofer geht sogar noch einen Schritt weiter. Mit dem im Jänner 2017 ins Leben gerufenen Projekt "FairHOF" hat sich Hofer gemeinsam mit dem Fleischverarbeiter Hütthaler zum Ziel gemacht, die Produktionsbedingungen in der konventionellen Tierhaltung zu verbessern und die regionale Landwirtschaft zu fördern. So genießen die Tiere durch die FairHOF Richtlinien, welche den Standard „Tierwohl verbessert“ der Gesellschaft !Zukunft Tierwohl! – ein Konsortium der zwei Tierschutzvereine „Wiener Tierschutzverein" und „Verein gegen Tierfabriken (VgT)" - erfüllen, deutlich mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und täglichen Auslauf in den geschützten Außenbereich mit natürlichem Licht und frischer Luft. Als Futtermittel wird ausschließlich gentechnikfreies und vorrangig heimisches Naturfutter verwendet, vorwiegend aus dem eigenen Anbau. Die beteiligten Landwirte werden durch Veterinärmediziner intensiv geschult und begleitet. Zusätzlich gibt es jährlich eine externe Überprüfung der Landwirte und der Verarbeitung durch die unabhängigen, zertifizierten Kontrollstellen agroVet, KaN und SLK GmbH. Für den erhöhten Aufwand erhalten die Landwirte einen Aufschlag bei der Bezahlung sowie eine Abnahmegarantie für ihre Produkte. Daraus entsteht - im Vergleich zu herkömmlich produzierten Produkten - für FairHOF Produkte ein etwas höherer Preis, welcher den Tieren und regionalen Landwirten gleichermaßen zugute kommt. Der faire Beigeschmack der zu 100 Prozent aus Österreich stammenden Produkte kommt bei unseren Kunden sehr gut an, weshalb seit dem Start das Sortiment mehrmals erweitert wurde. Aktuell sind unter der Hofer Tierwohl-Exklusivmarke mehr als 50 verschiedene Schweinefleisch-, Rindfleisch-, Molkerei-, Hühner- und Putenartikel österreichweit erhältlich.
Und nicht zu vergessen: Bereits seit 2006 gibt es bei Hofer mit der Bio- und Nachhaltigkeitsexklusivmarke „Zurück zum Ursprung“ ein Bio-Angebot für bewusste Konsumenten, das Tierwohl fest in seinen Grundwerten verankert hat. „Zurück zum Ursprung“ wendet gemäß des Prüf Nach!-Standards, der für alle Ursprungs-Bauern verpflichtend ist und weit über die EU-Bio-Verordnung hinausgeht, höchste Tierwohl-Kriterien an: Während in der Milchwirtschaft beispielsweise 365 Tage Auslauf im Freien - davon mindestens 120 Weidetage - zu gewährleisten sind, stellen „Zurück zum Ursprung“-Hühnerbauern je Huhn mehr Auslauf zur Verfügung als im Gesetz vorgegeben. Darüber hinaus müssen die Ausläufe strukturiert sein. Das heißt, sie durch Beschattung und Schutz durch Bäume oder Sträucher so zu gestalten, dass sich die Hühner dort auch wohl fühlen. Bei „Zurück zum Ursprung“ wird Tierwohl ganzheitlich aus allen Dimensionen betrachtet und unterliegt einer permanenten nachhaltigen Weiterentwicklung. Neben der Art der Unterbringung übt natürlich auch die Fütterung einen großen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere aus. Daher definiert der Prüf Nach!-Standard eigene Anforderungen für die verwendeten Futtermittel. Dadurch kommen bei Wiederkäuer zum Beispiel ausschließlich österreichische und sojafreie Bio-Futtermittel zum Einsatz. Zur Information: Der Verzicht auf Soja wird hier deshalb groß geschrieben, weil dieser von Wiederkäuern aufgrund der hohen Eiweißmengen oft schlecht vertragen wird.
Zur Gewährleistung der Tiergesundheit nehmen alle „Zurück zum Ursprung“-Bauern am Programm des Tiergesundheitsdienstes (TGD) teil. Bei der jährlichen Bestandserhebung durch ausgebildete Tierärzte wird der Gesundheitszustand der Tiere regelmäßig beurteilt. Die artgerechte Tierhaltung wird mit dem Tiergerechtheitsindex (TGI), einer anerkannten objektiven Methode, um die Tiergerechtheit von Tierhaltungen in der landwirtschaftlichen Praxis messen zu können, beurteilt. Zusätzlich bestätigt das Prüfzeichen „Tierwohl kontrolliert", ein Zeichen der Einhaltung strengster Tierschutzrichtlinien, dass alle „Zurück zum Ursprung“-Tierhalter besonders strenge Vorgaben hinsichtlich des Wohls der Tiere erfüllen. Dieses besondere Label wird von der unabhängigen „Gesellschaft !Zukunft Tierwohl!" vergeben. Hier erfüllt „Zurück zum Ursprung“ die höchsten Vorgaben und darf seine Produkte mit Zwei- bzw. Drei-Hakerl auszeichnen.

Lidl Österreich

Für Österreichs Diskonter Nr. 2, Lidl, sind Tierhaltung und Tierschutz untrennbar miteinander verbunden. Generell vertraut Lidl Österreich beim Frischfleisch auf heimische Qualität und Herkunft: 100 Prozent des dauerhaft gelisteten Frischfleisches bei Schwein, Rind und Hendl sind aus Österreich, das meiste davon AMA-zertifiziert. Außerdem hat Lidl Österreich auch AMA-Putenfrischfleisch im dauerhaften Sortiment. Denn auch für Lidl Österreich steht das AMA-Gütesiegel für die Erfüllung höchster Qualitätsansprüche und garantiert eine kontrollierte Produktion von der Geburt über die Haltung bis hin zur Schlachtung und Zerlegung in Österreich. Lidl habe sich ganz bewusst für die Zertifizierung mit dem AMAGütesiegel entschieden, da das Qualitätssiegel unabhängige Kontrollen gewährleistet und die nachvollziehbare Herkunft der Lebensmittel sicherstellt.  
Eines hat man auch bei Lidl Österreich nicht vergessen: Artgerechte Tierhaltung wird für Kunden immer mehr zum Parameter für Qualität. Darum geht Lidl bei frischem Schweinefleisch sogar einen Schritt weiter, bietet bereits seit Mitte 2018 mehrere Schweinefleisch-Produkte auf Basis des AMA-Gütesiegel-Zusatzmoduls „Mehr Tierwohl“ an. Für die Schweine heißt das 60 Prozent mehr Platz, eine eingestreute Liegefläche
und Stroh und Heu als Beschäftigungsmaterial. Gleichzeitig tragen diese Produkte auch die AMAGütesiegel-Zusatzmodule "Besondere Fütterung" und "regionale Herkunft". Das garantiert eine gentechnikfreie Fütterung und heimische Qualität vom Voralpenschwein. Außerdem bietet Lidl unter der österreichischen Bio-Marke „Ein gutes Stück Heimat“ Bio-Frischfleisch bei Hendl und Rindfleisch an. Dafür verwendet man die AMA-Bio-Zertifizierung mit den entsprechend dahinter liegenden Bio-Standards für Tierwohl.


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