Editorial: Diskutiert es!
 
CASH/Sabine Klimpt
CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik: „Wir sollten die Mehrwertsteuer auf heimische Lebensmittel zur Diskussion stellen.“
CASH-Chefredakteurin Margaretha Jurik: „Wir sollten die Mehrwertsteuer auf heimische Lebensmittel zur Diskussion stellen.“

Das aktuelle CASH-Magazin von März ist das Ergebnis zahlreicher intensiver Diskussionen. Dass die Ukraine und die mannigfaltigen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Weltengefüge nicht die verdiente Coverstory wurde, fiel unserem Bekenntnis zur Aktualität zum Opfer.

Tagesaktuelle Entwicklungen zu den Folgen des Ukraine-Kriegs berichten wir wie gewohnt auf cash.at, und noch ganz ungewohnt im neuen News-Podcast jeden Freitag.

Karl Stiefel hat die stärksten Auswirkungen des Kriegs, die bereits sichtbar sind, ab der Seite 8 zusammengefasst. Die Folgen für Verfügbarkeit und Preisentwicklung bei Speiseölen bringt Alexandra O’Neill in ihrem Marktreport ab S. 100 auf den Punkt. Nun hat es der Vorschlag zum Lieferkettengesetz zur Coverstory geschafft, auch ein Resultat intensiver Diskussionen, nicht nur das Thema an sich. Bergen doch die Details des Gesetzesentwurfes zahlreiche Unklarheiten und Ungereimtheiten, wie Sie ab Seite 44 lesen können.
Ob der junge Mann, der bildhaft am Tau zieht, auch wirklich das passende Motiv ist, haben wir teamintern ausführlich besprochen. So viel gäbe es von der anderen Seite der Lieferkette zu bebildern. Doch wissen Sie was? Es passt sogar hervorragend. Die Vertreter von Industrie, Handel und Zivilgesellschaft schmeißen sich in den Ring der Diskussion, um eine für alle akzeptable und praktikable Lösung zu finden. Die Notwendigkeit immerhin steht außer Streit. Doch ist es spürbar, dass die Lust am Diskutieren und Debattieren in den letzten Monaten im Abnehmen begriffen ist. Zu viel hat man für und gegen die Impfung argumentiert, zu oft hat man in hanebüchenen Emotionalgesprächen resignierend die weiße Flagge gehisst. Doch geben Sie nicht auf! Geben Sie der Lust eines anständig diskutierten Ergebnisses eine Chance! Hatten wir doch ernsthaft das Aussetzen der Mineralölsteuer ins Treffen geführt, um genau diese Handlungen zu fördern, die wir dem Klimaschutz und dem Fortbestehen einer gesunden Lebens­athmosphäre opfern sollten. Der Anteil der SUV an den Neuwagen hat sich in Österreich seit dem Jahr 2010 auf 38 Prozent im Vorjahr mehr als verdreifacht, das zweitwertvollste Unternehmen nach Apple ist neuerdings der Mineralölkonzern Saudi Aramco, da dieser seine Gewinne auf 110 Miliarden Dollar mehr als verdoppelt hat. Ist das der Weg? Sollten wir nicht lieber darüber nachdenken, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, die im eigenen Land produziert werden, auszusetzen? Ich bin keine Steuerkoryphäe, doch diskutiere ich sehr gerne, ob das nicht ein wertvolleres und nachhaltigeres Signal wäre.

Man könnte auch Tierwohl-Kriterien daran knüpfen. Nennen Sie es nicht wettbewerbsverzerrend, denn die heimische kleinteilige und familiendominierte Landwirtschaft ins internationale Preisroulette des Weltmarktes zu schicken, finde ich ebenfalls schwer wettbewerbsverzerrend.
Apropos, was die heimische Milchwirtschaft aktuell bewegt, hat Nataša Nikolic gekonnt zusammengetragen (S. 80ff.), wie sich die selbständigen Kaufleute aufstellen, untersuchte Christina Grießer (S.36ff.), was Entsorgungs-Legende Franz Sauseng rückblickend berichtet, hat Willy Zwerger eingefangen (S. 68ff.) und Stefan Pirker ist sprichwörtlich die Wände hochgegangen (S. 108ff.).

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