Editorial: Zweifel aufkochen.
 
Manstein Verlag / Sabine Klimpt

Es ist ja nicht so, dass man alles glauben muss. Es ist sogar sinnvoll und anständig, Tatsachen und Aussagen anzuzweifeln, wenn es im Auftrag der Klärung passiert.

Ich für meinen Teil bezweifle zum Beispiel bis heute, dass die diensthabenden Landesfürsten und Staatslenker die Fähigkeit oder zumindest die ernsthafte Absicht hegen, die Pandemie endlich und nachhaltig in den Griff zu kriegen. Zu verlockend sind die Chancen, die eigenen Interessen im Krisenmodus schneller oder besser zu erfüllen. Außerdem zweifle ich manchmal an der Überlebensfähigkeit der Menschheit. Noch nie waren wir so hoch ausgebildet, noch nie so sinnhaft vernetzt, noch nie so weit in Bezug auf den Stand von Wissenschaft, Technik und Digitalisierung. Noch nie zuvor haben wir so viele Instrumente und Werkzeuge in der Hand gehabt, um mit biologischen oder anderen Bedrohungen umzugehen. Doch sind wir blind gegenüber menschlicher und gesellschaftlicher Bedrohungen? Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt?
„Daher glaube ich, dass die Zeit der Zweifel vorbei ist.“

Als vor einigen Jahren das renommierte deutsche Zeit Magazin seine Rubrik von Religion auf „Glauben und Zweifeln“ umbenannte, war mir die Intention klar. Es geht nicht um das „Entweder oder“, es geht nicht um „Friss oder stirb“, es geht um die Reihenfolge. Zuerst der Zweifel, nach Abwägen und Prüfen dann der Glaube an oder der Glaube gegen die Sache. Können wir die Pandemie und ihre Bezwingung nicht genau nach diesem Muster angehen? Dafür haben wir die Wissenschaft. Sie anzuzweifeln gehört zwar auch zu unserer Menschheitsgeschichte, besonders bei unangenehmen Erkenntnissen, die unser Weltbild, unsere Richtung, unsere Überzeugung ins Wanken bringen. Doch genau dafür haben wir diese Disziplin, die „Wissen schafft“. Daher: ich glaube, dass die Zeit der Zweifel vorbei ist. Gegen Corona haben wir einen wirksamen Impfstoff, der das Teufelsvirus von dem Mutations-Tango abhalten kann. Gegen den Klimawandel helfen Zweifel auch nicht, die Natur zweifelt nicht.
Ich nehme es hier mit STS, die es folgendermaßen auf den Punkt gebracht haben: „Lass meine Zweifel richtig kochen, irgendwann sind s’ nur mehr Dampf“. Und darum geht es, Volldampf voraus, gemeinsam gegen die Bedrohung, mit allem was wir zur Verfügung haben. Im Liedtext geht es weiter: „Da darf nichts Halbes mehr sein, wenn wir beide g’winnen woll’n den Kampf.“ Gegen Corona, für eine lebbares Klima.
Zum Thema haben wir ein starkes Nachhaltigkeits-Extra unter der redaktionellen Leitung von Karl Stiefel gemacht, es ist diesem Magazin beigelegt. Für Inspiration und Information für Ihren nachhaltigen Wissensvorsprung sorgen wir wieder mit zahlreichen Artikeln und Interviews im Hauptheft. Stefan Pirker, mein frischgebackener Stellvertreter, sprach mit Johannes Holzleitner (S.22ff.), Nataša Nikolic mit Andreas Obermayr (S.86ff.), Christina Grießer mit der ersten UDO-Gewinnerin Ulrike Pesta (S.70ff.), Willy Zwerger kommentiert das Jahr 2021 (S.36) und Karl Stiefel tauchte mit CC Retail in die Welt der Logistik ein (S.50f.) Das und vieles mehr darf Ihnen eine Lektüre sein, bis wir uns im neuen Jahr wiederlesen. Bis dahin halten wir Sie auf dem Laufenden auf cash.at.
Ich wünsche Ihnen zweifelsfrei gesunde Feiertage und einen guten Jahreswechsel.

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