Kaufhaus Steinecker/Randegg: Ein Kaufmann, de...
 
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Geschäftsführer Gottfried Steinecker jun.
Geschäftsführer Gottfried Steinecker jun.

Wer den Namen Steinecker hört, denkt wohl zuerst an Braut- und Anlassmode. Das Lebensmittelgeschäft im Stammhaus in Randegg ist trotzdem nicht zum Hobby verkommen. Der Nähe zu großen Ballungsräumen wie z.B. Amstetten zum Trotz hat das Familienunternehmen in den letzten Jahren ständige Umsatzzuwächse erzielt.

Stünde der Meinl nicht am Graben in Wien, sondern in der kleinen Marktgemeinde Randegg im westlichen Niederösterreich, würden möglicherweise viel mehr Wiener und Wienerinnen ihre wöchentliche Einkaufsfahrt zu einer kleinen Landpartie in die Erholungsregion Ötscherland nützen. Weil dem nicht so ist, sind es in erster Linie diejenigen, die ihren Lebenspartner bereits gefunden haben und die demnächst den Bund für’s Leben schließen wollen. Das Objekt der Begierde, das die in Bälde Vermählten und deren Anhang dabei im wahrsten Sinn des Wortes anzieht, liegt unmittelbar im Zentrum von Randegg. Es ist das Kaufhaus der Familie Steinecker. „Rund 200 heiratswillige Wienerinnen finden jährlich den Weg in unser Stammhaus“, weiß Gottfried Steinecker zu berichten. 27 Lenze jung war er, als ihm Vater Gottfried Steinecker sen. im Dezember 2000 die Leitung der Geschäfte des Familienunternehmens, das im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, übertragen hat.

Hofübergabe ohne Zores



Die Hofübergabe klappte ohne Reibungsverluste. Dass das nicht immer der Fall ist, weiß Gottfried Steinecker jun. nur zu gut. „In einem Industriebetrieb im Bezirk ist erst kürzlich die 85-jährige Mutter vom Aufsichtsrat wieder in den Vorstand gewechselt, weil sie mit der Führung der Geschäfte durch die beiden Söhne – die zwei sind immerhin 58 und 62 Jahre alt – nicht einverstanden war“, schildert der Kaufmann. Warum es im Haus Steinecker besser lief? „Das gegenseitige Verständnis war eigentlich immer da. Wenn wir mal zwei Tage aufeinander bös’ waren, war’s schon lang. Insbesondere aber in der Phase des Übergangs braucht es guten Willen und Toleranz von beiden Seiten“, sinniert der Unternehmer. Zudem stand den Steineckers in dieser schwierigen Zeit ein befreundeter Steuerberater als Mentor und Mediator hilfreich zur Seite.

Vom Wirt zum Krämer



Den Grundstein für das florierende Familienunternehmen legte dereinst Friedrich Steinecker. Im Jahr 1910 eröffnete er am heutigen Standort ein Gasthaus mit angeschlossener Gemischtwarenhandlung. „Der damals übliche Be-
triebstyp“, erklärt Steinecker. Urgroßmutter Margarethe sperrte das Gasthaus dann in den 50er Jahren kurzerhand zu und erweiterte den Laden zu einem Textilgeschäft. „Ihr hat das Herumstehen bis spät in die Nacht und das Warten, bis auch die letzten Unentwegten den Heimweg antraten, einfach nicht behagt“, erzählt Gottfried Steinecker weiter. In der Folge verlegten sich die Steineckers mehr und mehr aufs Textilgeschäft. Heute umfasst das Filialnetz 25 Verkaufs-stellen. 2007 schließlich baute Gottfried Steinecker das Stamm-haus Randegg um und errichtete in luftiger Höhe einen neuen Brautsalon im Penthouse-Stil. Seit-her bietet das Kaufhaus in Randegg auf über 2.000 m2 Verkaufsfläche Hochzeits- und Anlassmode für die ganze Hochzeitsgesellschaft.

Lebensmittelhandel ist kein Hobby



Die Aufgabe des Lebensmittelgeschäftes im Erdgeschoss war trotz alldem nie ein Thema. „Und obwohl in den umliegenden Hauptorten wie z.B. Gresten, Purgstall und Wieselburg über die Jahre zahlreiche große Verbrauchermärkte eröffnet wurden, konnten wir in den letzten Jahren ständig Umsatzzuwächse erzielen“, freut sich Kaufmann Steinecker. Sein Erfolgs-rezept? „Wir versuchen, die Nischen, in denen wir uns bewegen, so gut wie möglich zu bespielen“, verrät er. Dazu gehört auch, mit der Zeit zu gehen. „Standorte überholen sich, Konzepte überholen sich, da muss man ständig nachjustieren“ erklärt der Mittdreißiger. Was für den Textilbereich gilt, gilt auch für das Geschäft mit Lebensmitteln. In den letzten zwei Jahren wurde der Le-bensmittelmarkt deshalb sukzessive neu gestaltet. Da sich im selben Gebäudekomplex auch eine Schlecker-Filiale befindet, hat Gott-fried Steinecker das Non-Food-Sortiment in seinem Laden auf das Allernotwendigste reduziert und das Hauptaugenmerk noch stärker auf Frische gelegt. Dadurch gleicht der Markt heute mehr einer Feinkost-Boutique denn einem Supermarkt. Gut angenommen wird auch das 2008 eingerichtete Indoor-Garten-Cafe, das direkt in den Geschäftsbereich integriert ist.

Einmal Spar, immer Spar



Über seinen Großhändler im Bereich Lebensmittel lässt der Kaufmann nichts kommen. Familie Steinecker ist seit der Gründung Mitglied der Spar-Organisation. „Dank des Spar-Verbundes stimmen die Preise“, lobt der Kaufmann, der von Bierkistenaktionen und dergleichen mehr nicht viel hält. „Aktionen sind für uns nicht so wichtig“, ist Steinecker überzeugt. Das Thema Preisaktionen ist deshalb auch das einzige, das ihn gelegentlich ärgert. Wenn drei bis vier Sorten Prosecco gleichzei-tig in Aktion sind, ist der Lagerbestand am Ende der Saison mitunter höher als gewünscht. „Das drückt dann schon mal den Deckungs-beitrag“, hält Gottfried Steinecker mit seinem Unmut nicht hinterm Berg. In Summe ist er mit seiner Tätigkeit als selbstständiger Kaufmann jedoch mehr als zufrieden und um die Zukunft ist ihm – Wirtschaftskrise hin oder her – nicht bang. „Ich freu  mich von Monat zu Monat, dass es nicht schlechter wird“, zeigt sich Stein-ecker optimistisch. Natürlich will er gerade in der momentanen Phase nicht auf Teufel komm raus expandieren, sondern auf gesunder, solider Basis weiterwirtschaften. Ob Sohn Paul, der im Sommer seinen dritten Geburtstag feierte, einmal seine Nachfolge antreten wird, steht zumindest derzeit noch in den Sternen. „Schließlich bin auch ich selbst auf eher spielerische Art und Weise zu meinem Beruf gekommen“, zeigt Vater Gottfried Verständnis.

Das Familien-Unternehmen feiert im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
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Das Kernstück des Frischemarktes: Die Wurst-, Fleisch- und Feinosttheke
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Produkte aus der Region runden das Sortiment ab.
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Hochzeits- und Anlassmode finden Braut & Bräutigam in den oberen Etagen.© Fotos: CP/CASH
Fotos: CP/CASH
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