Anton Kovsca/Adeg: Eine Zukunft gibt es immer
 
Foto: ÖGV
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Die Integration der Adeg in den Rewe-Konzern hat zwar einiges an Abstimmungsarbeit mit sich gebracht, dafür verfügen die Kleeblättler jetzt endlich über den kompetenten Großhandelspartner, den sie sich immer gewünscht haben, versichert Obmann Mag. Anton Kovsca im Interview mit CASH.

CASH: Herr Kovsca, Sie sind ja nicht nur Vorstandsobmann der Adeg Österreich Genossenschaft, sondern auch Ausschussmitglied des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Kärnten. Wie ist denn aktuell die Stimmung unter den Kärntner Lebensmittelkaufleuten?



Anton Kovsca: Die Situation ist derzeit generell sehr angespannt. Alle Marktteilnehmer sind aufgrund der in der Branche vorherrschenden Preisaggressivität in erster Linie damit beschäftigt, ihre Marktanteile zu halten bzw. keine Marktanteile zu verlieren.

Inwieweit macht sich bei den Adeg-Kaufleuten in dem Zusammenhang der Mitbewerb aus dem eigenen Haus bemerkbar?



Die Kaufleute spüren das sehr! Alle Rewe-Vertriebsmarken sind ja eigenständige Marken. Billa, Penny und Merkur waren früher Mitbewerber und sind es nach wie vor. Da schenkt man sich gegenseitig nichts, und es liegt mehr denn je in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, sich am Markt zu behaupten.

Dann ist die Rewe also doch nicht so ganz der ideale Partner?



Im Gegenteil, die Rewe ist das Beste, das uns passieren konnte. Schließlich ist auch die Rewe-Mutter selbst genossenschaftlich organisiert. Schon aus diesem Grund passen wir als Gruppe sehr gut zusammen. Darüber hinaus hat sich die Adeg mit der Rewe durchwegs tolle Marken eingehandelt – siehe Clever und Ja! Natürlich.

Dass die Rewe Eigenmarken Frequenzbringer sind, wird von Seiten der Kaufleute in Gesprächen immer wieder bestätigt. Weniger groß scheint dagegen allenthalben die Zufriedenheit mit der Spannensituation.



Die Spanne wird wohl kaum einem Kaufmann jemals hoch genug sein. Durch den Partner Rewe ist jedoch gewährleistet, dass dem Kaufmann so viel Spanne wie möglich eingeräumt wird. Klar ist aber auch, dass man bei Preiseinstiegsprodukten nicht dieselbe Spanne erwarten kann wie bei Premiumprodukten. Je höher der Anteil des Preiseinstiegsortiments gemessen am Gesamtsortiment des Kaufmanns ist, desto ungünstiger ist im Allgemeinen die Spannensituation. Der wirtschaftliche Erfolg hängt also nicht zuletzt von der richtigen Sortimentsstrategie ab.

Ein weiteres Thema, das unter den Adeg-Kaufleuten derzeit heftig diskutiert wird, ist das neue Ladenbaukonzept. Welche Standorte kommen dafür in Betracht, wie hoch in etwa sind die Kosten für die Umstellung und wie sieht es in dem Zusammenhang mit Förderungen für die Kaufleute aus?



Zu 100 Prozent umsetzbar ist das neue Konzept in Märkten mit einer Größe von 400 m2 oder mehr. Somit böte sich eine Komplettadaptierung bei rund einem Drittel der österreichweit derzeit rund 500 Adeg-Standorte an. Auf kleineren Flächen wird man im Einzelfall prüfen, welche Module – Marktplatz, Feinkost- und Backwarenbereich mit angeschlossenen Sitzgelegenheiten, Kassenzone in Verbindung mit einem Info-Center – sich sinnvollerweise umsetzen lassen. Derzeit sind wir gerade dabei, ein Preiskorsett zu finden, das das Konzept für die Kaufleute erschwinglich macht. In etwa werden die Umstellungskosten je nach Fläche 300.000 bis 400.000 Euro betragen. Ein neuer Förderkatalog existiert im Moment allerdings noch nicht. Fest steht aber, dass es eine Förderung der Kaufleute weiterhin geben soll und wird.

Wie gut funktioniert aus Ihrer Sicht die Kommunikation mit der Rewe-Spitze generell?



Sehr gut! Wir werden innerhalb des Rewe-Konzerns in jeder Hinsicht gut betreut, auch wenn nicht alle unsere Wünsche erfüllt werden können.

Wie zum Beispiel der Wunsch der Kaufleute nach stärkerer medialer Präsenz?



Natürlich würde das Gros der Kaufleute eine stärkere TV-Präsenz begrüßen. Andererseits steht jedem Unternehmen nur ein gewisser Prozentsatz vom Umsatz für Werbung zur Verfügung. Und da der Umsatz von Billa nun mal größer als der der Adeg ist, ist auch das Marketingbudget von Billa ungleich größer als unseres. Insofern sind wir etwas eingeschränkt. Es stellt sich daher die Frage, ob nicht mittels Werbung über Regionalradio bei erheblich geringerem Mitteleinsatz ähnlich gute Reichweiten zu erzielen sind, zumal die Adeg in Verbindung mit der Werbung für die Rewe-Eigenmarken ohnedies im TV präsent ist. Jedenfalls bin ich sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, die Werbung künftig noch besser nach den Wünschen der Kaufleute auszurichten.

Und wie zuversichtlich sind Sie, was die Zukunft der Adeg im Allgemeinen betrifft?



Ich bin überzeugt davon, dass sich der Pioniergeist der Adeg-Kaufleute auch weiterhin durchsetzen wird, und dass wir in der Rewe gut aufgehoben sind, steht außer Zweifel. Die Rewe ist ein kompetenter Großhandelspartner, der uns für die Zukunft alle Möglichkeiten offen lässt.
Wenn man aber selber nichts tut, geht auch nichts weiter. Gerade von der Politik wird das Prinzip „Wir machen das schon für dich!“ gerne vorgelebt. In dieses Fahrwasser sollte ein selbstständiger Kaufmann nicht unbedingt geraten.

Herr Kovsca, vielen Dank für das Interview!



Wort-Splitter
Adeg-Obmann Anton Kovsca über ...

... Meinungsvielfalt unter Adeg-Kaufleuten: Wenn 400 Kaufleute sagen was sie wollen, dann gibt es 500 Meinungen.

... das Adeg-Konzept: das einzige, das auf die Bedürfnisse selbstständiger Kaufleute eingeht. Wir sind jedenfalls offen für Neuzugänge.

... Mitarbeiter: der Faktor, über den der Kaufmann sein Leben und Überleben sichert; wo der Kunde einkauft, hängt bei Preisgleichheit letztlich von den Mitarbeitern ab; qualifizierte, gut ausgebildete Mitarbeiter sind deshalb das Um und Auf.



Das neue Adeg Ladenbaukonzept basiert auf den Kernwerten der Marke Adeg: Frische, Genuss und Lebensqualität.© Fotos: Adeg
Fotos: Adeg
Das neue Adeg Ladenbaukonzept basiert auf den Kernwerten der Marke Adeg: Frische, Genuss und Lebensqualität.© Fotos: Adeg


Raum für zwischenmenschliche Kommunikation, warme Materialien, frische Farben sowie eine klare Führung sind die Säulen des neuen Shopkonzepts: Ein Info-Point im Eingangsbereich dient als Büro des Kaufmanns und als Anlaufstelle für KundInnen. Gleich daneben lädt ein moderner Adeg-Stammtisch zum Plaudern, Verweilen oder zum Verzehr von Snacks ein.
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Raum für zwischenmenschliche Kommunikation, warme Materialien, frische Farben sowie eine klare Führung sind die Säulen des neuen Shopkonzepts: Ein Info-Point im Eingangsbereich dient als Büro des Kaufmanns und als Anlaufstelle für KundInnen. Gleich daneben lädt ein moderner Adeg-Stammtisch zum Plaudern, Verweilen oder zum Verzehr von Snacks ein.
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