Kaufhaus Höller: Einfach ist es nie
 
Fotos: C. Pleschberger/CASH
© Fotos: C. Pleschberger/CASH
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Im Jahr 2003 machte sich Franz Höller daran, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Anfangs von der Bevölkerung mit sehr viel Skepsis betrachtet, ist nicht nur sein Kaufhaus, sondern auch der Name Höller aus der Altstadt von Ybbs (NÖ) heute nicht mehr wegzudenken.

Franz Höller hat den Blick fürs Realistische. Er ist Kaufmann, eigentlich schon immer gewesen. Der Umgang mit Kunden liegt ihm im Blut. „Zu Hause hatten wir eine Trafik. Das Hinterzimmer war unser Wohnzimmer“, erzählt der geborene Ybbser. Da blieb es nicht aus, dass er von Klein an aushalf und bediente. Wohl auch nicht ganz zufällig entschied er sich später für eine Kaufmannslehre. Gelernt hat er noch bei Löwa. Dann lockte die große weite Welt und ein Engagement in der Elektroabteilung bei Carrefour in der SCS in Wien-Vösendorf. Als der Standort später an die Spar ging, zog es ihn zurück in die Heimatstadt. Dort bereitete die Konsum-Pleite seiner Karriere bei Familia jedoch ein unplanmäßiges Ende und so fuhr Franz Höller – gar nicht faul – schließlich für einen lokalen Bäcker ins Gai, verdiente sich seine Brötchen im wahrsten Sinn des Wortes also mit der Hauszustellung von Brot und Gebäck.

Dirigieren oder dirigiert werden



In all der Zeit war der Drang sich selbstständig zu machen, den Franz Höller seit jeher verspürte, nie kleiner geworden, im Gegenteil. Als sich daher im Jahr 2003 schließlich die Gelegenheit bot, einen kleinen Laden in der Altstadt von Ybbs zu übernehmen, packte er die Gelegenheit kurzerhand beim Schopf: Mit ein wenig Unterstützung der Bank und ein wenig mehr Unterstützung durch den Garser Großhändler Kiennast erwarb er gemeinsam mit Gattin Karin das Geschäft. Natürlich hätte die Option bestanden, unter das Dach von Nah&Frisch zu wechseln, indes Franz Höller blieb hartnäckig im Selbstständigsein und zog es vor, reiner „Ablader“ zu bleiben. „Wir wollen nicht dirigiert werden“, macht der Hobbytenor aus seiner Liebe zur einmal gewonnenen Freiheit kein Hehl.

Was man zum Leben braucht



Apropos bleiben. Im Kern geblieben ist der von Franz Höller erworbene Gemischtwarenladen eigentlich das, was er immer schon war: eine kleine Greißlerei in der Stadt – was heutzutage eigentlich nur noch selten zu finden ist, da das Format inzwischen so gut wie ausgestorben ist. Glücklicherweise kennt so gut wie jede Regel ihre Ausnahmen. „Die Großeinkäufe machen die Leute ohnedies in den Märkten in der Umgebung“, gibt sich Kaufmann Höller allerdings keinerlei Illusionen hin. Das Sortiment beschränkt sich deshalb im Wesentlichen auf Produkte des täglichen Bedarfs, also auf „alles, was man so g’schwind zwischendurch eben mal braucht.“ Daneben findet man im Kaufhaus Höller aber auch immer wieder Spezialitäten wie z.B. Schokolade von Zotter oder Pichler oder Rheintaler Bauernsenf. „Wenn man im Gespräch bleiben will, muss man das Sortiment attraktiv halten und den Kunden immer mal wieder was Neues bieten“, weiß Höller aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Handel nur zur gut.

Wir sperren nichts mehr zu



Einfach war es dennoch nicht, Fuß zu fassen. „Gerade am Anfang wurden wir von der Bevölkerung mit sehr viel Skepsis bedacht“, blickt der Unternehmer auf die ers-te Zeit seiner Selbstständigkeit zurück. Das, was ihm so mancher prophezeit hatte, trat tatsächlich ein. Erst nach gut einem Jahr war das Schlimmste überstanden, und der Standort von den Kunden akzeptiert. Doch seither geht es langsam, aber stetig bergauf. „Wir sperren nichts mehr zu“, übt sich Franz Höller in Zuversicht. Und der Erfolg gibt ihm recht, wie es scheint. Zu dem im Juni 2003 eröffneten Gemischtwarenladen gesellte sich nämlich im Jahr 2004 das Höller Platz’l, ein kleines Imbisslokal mit Mittagsmenüs im Angebot und 2007 eröffneten Höllers neben dem bestehenden Lebensmittelgeschäft einen Geschenkartikel-Laden – Höller Lebens-Art. Wer jetzt glaubt, der Höller’sche Expansionsdrang wäre damit inzwischen gestillt, der irrt. Seit Anfang Jänner ist Familie Höller zudem auch Pächter des alteingesessenen Gasthofs Mang in Ybbs. Läuft alles nach Plan, soll das Haus bald wieder die Funktion übernehmen, die es ehedem hatte: ein Ort, an dem sich Jung und Alt trifft und miteinander diskutiert – aber das ist eine andere Geschichte.

Kaufhaus Höller
Burgplatz 4, 3370 Ybbs

Gründungsjahr: 2003
Branche: Lebensmittelhandel
Geschäftsleitung: Franz Höller
Mitarbeiter: 4
Verkaufsfläche: 100 m2
Jahresumsatz 2008: ca. 500.000 Euro
Mitgliedschaft bei Handelskette: nein
Besondere Services & Dienstleistungen: Bestellmöglichkeit per Telefon, Fax oder E-Mail, kostenlose Hauszustellung, Reformprodukte direkt aus bäuerlichen Betrieben, Feinkost- bzw. Käseplatten, Partyservice (gekühlte Getränke für diverse Feiern auf Lieferschein, falls gewünscht inkl. Zustellung), Tabakwaren und Tageszeitungen u.v.a.m.
Internet: www.hoellerybbs.at

Quelle: Unternehmensangaben



Franz und Karin Höller vor dem Eingang zu ihrem Lebensmittelgeschäft am Burgplatz in Ybbs.
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Franz und Karin Höller vor dem Eingang zu ihrem Lebensmittelgeschäft am Burgplatz in Ybbs.


Täglich frisches Brot und Gebäck sind wie Feinkost bzw. Haushalts- und Hygieneartikel fester Bestandteil des Sortiments.
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Täglich frisches Brot und Gebäck sind wie Feinkost bzw. Haushalts- und Hygieneartikel fester Bestandteil des Sortiments.


Das Höller Platz’l bietet u.a. täglich frische Mittagsmenüs.
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Das Höller Platz’l bietet u.a. täglich frische Mittagsmenüs.


Besondere Geschenkartikel und Bio-Produkte von Sonnentor finden die Ybbser im Lebens-Art Shop von Karin Höller.
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Besondere Geschenkartikel und Bio-Produkte von Sonnentor finden die Ybbser im Lebens-Art Shop von Karin Höller.


Das jüngste Projekt von Familie Höller: die Reaktivierung des Gasthofs Mang
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Das jüngste Projekt von Familie Höller: die Reaktivierung des Gasthofs Mang
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