Einwegpfand: Kritik am Plastik-Plan
 
Einwegpfand

Kritik am Plastik-Plan

Jonathan Chng - unsplash.com

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, sieht in dem Vorgehen vom Umweltministerium einen schwerwiegenden Markteingriff.

Verwundert zeigt sich der Fachverband der Lebensmittelindustrie zum Vorgehen des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Der von Umweltministerin Leonore Gewessler präsentierte 3-Punkte-Plan sorgt bei der Verbands-Geschäftsführerin Katharina Koßdorff für Unmut: "Bisher verlief der Austausch unter Einbindung aller Stakeholder sehr wertschätzend und konstruktiv auf Augenhöhe. Resultate liegen noch nicht vor. Dass man nun aber vorprescht und mitten in den Gesprächen – dem Anschein nach – beschlossene Ergebnisse präsentiert, hat uns doch einigermaßen überrascht. Ein solches Vorgehen ist wenig konstruktiv. Allein zu genannter Mehrweg-Forderung, einem rigiden Markteingriff, fanden bisher keinerlei Konsultationen statt."

Damit ist sie nicht allein - WKO-Handelsobmann Rainer Trefelik sieht in den Maßnahmen eine enorme Belastung für den heimischen Handel und hinterfragt, ob der entstehende Aufwand auch die gewünschten Effekte bringt. Dabei hält er jedoch fest: "Auch dem österreichischen Handel ist es ein Anliegen, Plastikmüll zu reduzieren."

Mit den Vorschlägen der Umweltministerin kann sich auch der Handelsverband nicht anfreunden. Geschäftsführer Rainer Will: "Der österreichische Lebensmittelhandel ist gerne bereit, seine Anstrengungen zur Steigerung der Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen zu intensivieren. Wir halten jedoch nichts von einer gesetzlich verpflichtenden Mehrwegquote. Diese würde vor allem in Kombination mit einem Einwegpfandsystem viele kleine Lebensmittelhändler stark belasten und damit die Nahversorgung gefährden."


Koßdorff richtet sich an die Politik: "Wir müssen weiter danach trachten, wertvolle Ressourcen zu schonen und Stoffkreisläufe bestmöglich zu schließen. Gerade die österreichische Getränkewirtschaft agiert hierbei mit ihrem großen Engagement seit vielen Jahren als ökologischer Innovationstreiber. Gebraucht wird jedenfalls ein System, das umfassend die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt und sowohl ökologisch wirksam wie auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Denn gerade in Zeiten schwieriger konjunktureller Entwicklung nach der Corona-Krise darf es nicht zu weiteren Belastungen für unsere Betriebe kommen. Darüber hinaus muss eine Lösung ebenso für Konsumentinnen und Konsumenten attraktiv sein, da ohne die Mitwirkung der Bevölkerung kein System Erfolg haben wird. Es braucht ein Maximum an Convenience."

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