WKO: Einzelhandel: Ruhe vor dem Sturm?
 
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Einzelhandel: Ruhe vor dem Sturm?

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Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel, sieht den Strukturwandel im Einzelhandel noch nicht abgeschlossen. © Wilke
Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel, sieht den Strukturwandel im Einzelhandel noch nicht abgeschlossen. © Wilke

Den vorerst gestoppten Strukturwandel bezeichnet Handelsobmann Peter Buchmüller als "kleines Zwischenhoch".

Dass der Strukturwandel vorerst gestoppt ist, wie die jüngste „Strukturanalyse im stationären Einzelhandel“ zeigt, bedeute allenfalls ein „kleines Zwischenhoch“, wie es Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel, formulierte. In Österreich sind sowohl die Zahl der Geschäfte als auch die Verkaufsflächen 2018 – erstmals seit 2012 – wieder gestiegen. Der Strukturwandel hat sich bereits in den Jahren 2016 und 2017 abgeschwächt. Dieser Trend hat sich 2018 weiter fortgesetzt und resultiert in einem geringfügigen Anstieg der Einzelhandelsgeschäfte um rund 200 bzw. 0,5% auf 37.600. Die Einzelhandelsverkaufsfläche hat 2018 um knapp 100.000 Quadratmeter bzw. ebenfalls um 0,5% auf 13,8 Mio. qm zugenommen.

Betrachtet man die Veränderungen über einen Zeitraum von 15 Jahren, so ist die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte im Vergleich der Jahre 2003 und 2018 um etwa 10.900 bzw. 22 Prozent gesunken. Damit hat die heimische Einzelhandelslandschaft jedes fünfte Ladengeschäft per Saldo (neueröffnete abzüglich geschlossener Geschäfte) verloren. Die Verkaufsflächen sind im Vergleich 2003 versus 2018 um 2% bzw. um rund 230.000 qm gestiegen, da die Geschäfte heute im Durchschnitt deutlich größer sind.

"Mit 1,18 Quadratmeter pro Einwohner verfügt Österreich nach Belgien und den Niederlanden über die dritthöchste Einzelhandelsverkaufsfläche pro Einwohner aller EU-28-Länder“, führte Handelsforscher Ernst Gittenberger aus.  Roman Seeliger, Vize-Geschäftsführer der Bundessparte Handel, widmete sich einem weiteren relevanten Aspekt, der Konzentration im stationären Einzelhandel in Österreich: „Diese hat sich bereits 2017 eingebremst und bleibt 2018 konstant hoch. Der Filialisierungsgrad liegt weiterhin bei 40 Prozent, der Filialflächenanteil stabilisiert sich bei 67 Prozent. Das bedeutet, dass 40 Prozent aller Ladengeschäfte in Österreich von filialisierten Einzelhandelsunternehmen betrieben werden, auf die in Summe 67 Prozent der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche entfällt.“

„Der Strukturwandel hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich abgeschwächt, ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Dafür sprechen die Entwicklungen der letzten eineinhalb Dekaden, der fortschreitende Online-Handel sowie die – im EU-28-Vergleich – hohe Verkaufsfläche in Österreich“, so Peter Buchmüller. Daraus resultieren für die Interessenvertretung des österreichischen Handels folgende Notwendigkeiten: Attraktivierung der Innenstädte für den Einzelhandel (Tourismuszonen), Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen auf internationaler Ebene, beispielsweise durch die Einführung einer digitalen Betriebsstätte (und damit Ertragssteuerpflicht für Online-Giganten), die Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze für Kleinsendungen aus Drittstaaten sowie den Wegfall der 150 Euro-Zollgrenze.
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