Serie: Hot Spot Kaufleute: Erfolg mit drei Bu...
 
Serie: Hot Spot Kaufleute

Erfolg mit drei Buchstaben: tun!

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Sorgen in Hartkirchen für nahversorgung auf höchstem Niveau: Brigitte und Hubert Straßer
Sorgen in Hartkirchen für nahversorgung auf höchstem Niveau: Brigitte und Hubert Straßer

„Es geht immer irgendwie weiter, man muss nur was tun“, ist Spar-Kauffrau Brigitte Straßer überzeugt. Um ihre Zukunft ist ihr deshalb nicht bang, auch oder vielleicht gerade obwohl ihr Schicksal als selbstständige Unternehmerin schon einmal am sprichwörtlich seidenen Faden hing.

Mein bisher schlechtestes Jahr war 2002, erzählt Brigitte Straßer. Heute kann sie darüber schmunzeln. Damals freilich war die Situation durchaus dramatisch. Ganze 5.000 Euro sind ihr da am Jahresende übrig geblieben. „Da hat’s dann ein wenig gekriselt. Ich war’s ja nicht gewohnt, kein Plus zu schreiben“, setzt sie ihre Schilderung fort. Dabei waren die Straßers stets tüchtige Kaufleute. Die Eltern hatten das Geschäft über drei Jahrzehnte auf- und ausgebaut. Brigitte Straßer absolvierte die Lehre zur Lebensmitteleinzelhandelskauffrau bei Meinl im wenige Kilometer entfernten Eferding mit Bravour und übernahm dann 1994 den elterlichen Betrieb. Die Übergabe klappte problemlos. „Mein Vater hat mir nie Steine in den Weg gelegt und mich ungestört arbeiten lassen“, erzählt die Hartkirchner Unternehmerin. Auch Sie selbst nahm im Lauf der Zeit immer wieder die eine oder andere bauliche Veränderung am Geschäft, das damals noch unter Nah&Frisch firmierte, vor, erneuerte und modernisierte, um den Laden auf der Höhe der Zeit zu halten. Was also war geschehen?

Krise und Charakter



„Die Mitbewerber sind über die Jahre natürlich nicht weniger geworden“, schildert Brigitte Straßer. 1996 siedelte sich ein Unimarkt an, ein Billa im Ortszentrum folgte. „Ich war damals halt auch noch recht jung und wusste nicht so recht, wie ich darauf reagieren sollte“, sagt sie heute. Eines kam ihr aber nie in den Sinn, nämlich aufzugeben. Im Gegenteil, immer wieder krempelte sie die Ärmel aufs Neue hoch. So auch im Jahr 2002. Einschnitte beim Personal waren zwar unumgänglich, aber dank geschickter Eigenflugblattwerbung gelang der Turnaround. Dann zog das Jahr 2003 ins Land und mit ihm eine Zielpunktfiliale, nur rund einen halben Kilometer weit entfernt. „Alle Märkte hatten eine ähnliche Größe und durch die Nähe zu Unimarkt hat für uns auch das Nah&Frisch-Konzept nicht mehr wirklich gepasst, zu wenig aussagekräftig waren die Unterschiede im Sortiment“, schildert die Kauffrau. Verdrießen ließ sie sich ihr Geschäft aber auch dadurch nicht. Gemeinsam mit Berater Peter Wurmlinger wurde das Terrain auf neue Perspektiven hin sondiert.

Auf zu neuen Ufern



Die bot sich schließlich im Jahr 2005 in Form eines Übertritts zur Spar. „Allein der Wechsel unter das Tannenlogo hat eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent bewirkt“, berichtet Brigitte Straßer, die für halbe Sachen nicht zu haben ist. Die Neuerrichtung eines modernen Supermarktes war deshalb nur der logische nächste Schritt, der folgte. Denn das „alte“ Geschäft wandte der nach Aschach führenden Bundesstraße 131 nach wie vor nur den Rücken zu. Außerdem war die Zahl der Parkplätze vor dem Markt begrenzt. „Viele Einheimische haben deshalb bei uns nur ihren Grundbedarf gedeckt, Großeinkäufe dagegen wurden in Aschach getätigt“, schildert Straßer die Beweggründe für den Neubau. Gut eine Million Euro nahmen sie und ihr Mann Hubert dafür in die Hand. Keine geringe Summe. „Wären’s damals noch Schillinge gewesen, hätt’ ich es nicht gemacht“, gibt sie offen zu. Schließlich birgt eine Investition in dieser Größenordnung kein unerhebliches Risiko. Da aber sowohl das Grundstück als auch Eigenkapital in nennenswerter Höhe vorhanden waren, wagte sie den Schritt letztlich doch.

Erst der Vergleich macht sicher



Bei den Verhandlungen mit der Bank stand ihr einmal mehr Consulter Peter Wurmlinger hilfreich zur Seite. Eine kleine Ewigkeit kennt sie ihn schon. „Seit der Zeit, als er noch als Verkaufsberater zu meinen Eltern gekommen ist.“ Die Zusammenarbeit mit ihm möchte sie keinesfalls missen. „Es tut gut, einen neutralen Beobachter an seiner Seite zu wissen, jemanden zu haben, der einem aufgrund seiner umfassenden Branchenkenntnisse anhand der Kennzahlen des eigenen Betriebs sagen kann, wo man mit dem Unternehmen steht. Sehr leicht neigt man im Lauf der Zeit ja zur Betriebsblindheit und schließlich braucht man auch als Chefin ab und zu jemanden, bei dem man sich ausjammern kann.“ Obwohl das Lamentieren sonst so gar nicht Brigitte Straßers Sache ist. Deshalb hat sie auch die Finanzierung des neuen Marktes lieber selbst bewerkstelligt. „Da bin ich sehr stolz drauf. Natürlich hätte ich auch Miete an die Spar zahlen können. So aber hab’ ich wenigstens die Gewissheit, dass alles irgendwann mir gehört“, bekennt die Hobbysängerin, die auch sonst nicht davor zurückscheut, den Ton anzugeben.

Die Spanne stimmt



Den Wechsel hat sie nie bereut, wenngleich sie sich das seinerzeit nie hat vorstellen können. Die Spar Werbung findet sie schlicht genial. „Wenn man sieht, was Spar bietet, versteht man leicht, dass sich damit auch Spanne erzielen lässt.“ Ergo hat sie von der Krise im letzten Jahr dank S-Budget wenig gespürt und auch die neue Spar-Premium Range kommt bei den Kunden inzwischen sehr gut an. Wichtig im Umgang mit Letzteren ist Brigitte Straßer, dass man sich für sie Zeit nimmt und dass man im Hinblick auf deren Wünsche flexibel agiert. Ein Blick auf das Unternehmensleitbild zeigt, dass es ihr ernst damit ist. „Wir sind ein Haben-Fachgeschäft mit erstklassiger Warenpräsentation. Was wir nicht haben, versuchen wir zu besorgen“, heißt es dort unter anderem. Vielseitigkeit verlangt sie deshalb auch von ihren 24 Mitarbeiterinnen. Wer nicht in der Feinkost arbeiten will, wird erst gar nicht aufgenommen. Ansonsten ist sie bemüht, nach Möglichkeit auf die Wünsche und Bedürfnisse ihres Personals einzugehen, etwa in puncto Diensteinteilung. Sie ist überzeugt, dass heute nicht zuletzt deshalb so viele Leute in ihrem Markt einkaufen, weil sie merken, dass sich auch die Mitarbeiter wohlfühlen.

Mehr loben als kritisieren



So wie der wirtschaftliche Erfolg eines Nahversorgers heute nicht unerheblich vom vorhandenen Parkplatzangebot abhängig ist, so sehr hängt er auch davon ab, wie motiviert die Mitarbeiter bei der Sache sind. „Mehr loben als kritisieren“ ist deshalb bei Spar Straßer in Hartkirchen täglich gelebte Praxis, „denn die Mitarbeiter merken in der Regel ohnedies selbst, wenn was nicht passt.“ Sorgen um die Zukunft macht sich Brigitte Straßer keine. „Das Jahr ist bisher gut gelaufen. Wir halten auflaufend bei einem Plus von zehn Prozent, das sollte auch übers Jahr zu schaffen sein“, ist die dynamische Enddreißigerin optimistisch. „Und wenn’s doch einmal stehert wird, lässt sich bestimmt was dagegen unternehmen“, ist sie sicher. Entsprechende Ideen gäbe es jedenfalls genug, etwa im Hinblick auf eine Ausweitung des Sortiments im Bereich Frischfisch oder auf eine Ausweitung in Sachen Gastronomieangebot. Dass der Erfolgsweg der Straßers noch lange nicht endet, davon ist nicht zuletzt auch Berater Peter Wurmlinger überzeugt.

Lesen Sie in der nächsten Folge das Porträt von Philipp Riepl aus Weitersfelden. Ganz nach dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, ist er trotz anfänglichem Zögern heute erfolgreich als Nah&Frisch-Kaufmann tätig.

Personal-Berater: Wichtige Fragen im Umgang mit Ihren Mitarbeiter

• Bringen Ihre Mitarbeiter Ihre Ideen und Vorschläge in das Unternehmen ein? (Wie fordern bzw. fördern Sie Ihre Mitarbeiter in diesem Punkt?)

•Informieren Sie die Mitarbeiter über geplante Veränderungen bzw. Schwerpunkte im Unternehmen? Wenn ja, in welchen Abständen und in welcher Art und Weise?

• Sind Ihre Mitarbeiter in die Planrechung (Umsatz, Spannen, Kosten) für das jeweils vor Ihnen liegende Wirtschaftsjahr eingebunden? Konfrontieren Sie die Mitarbeiter mit der von Ihnen als Unternehmer erstellten Planung oder sind die Mitarbeiter aktiv an der Erarbeitung der Ziele beteiligt?

• Kennen Ihre Mitarbeiter die aktuellen Umsätze und die damit verbundenen Entwicklungen zum Vorjahr bzw. zur Planung? Tragen die Mitarbeiter diese Ziele mit oder lassen Sie sie darüber im Unklaren, wie es derzeit aktuell aussieht?

• Kennen Sie die Stärken und auch die Veränderungspotenziale Ihrer Mitarbeiter und wie teilen Sie den Mitarbeitern Ihre Erkenntnisse mit? Nehmen Sie sich für diese Rückmeldung die notwendige Zeit oder passiert das jeweils zwischen Tür und Angel?

• Haben die Mitarbeiter die Möglichkeit Ihnen Rückmeldung zu geben, wie wohl sie sich bei Ihnen fühlen, wie sie als ChefIn gesehen werden bzw. welche Veränderungsvorschläge es vonseiten der Mitarbeiter gibt?

• Haben Sie oft das Gefühl, dass alle Last bei Ihnen liegt, und dass Ihre Mitarbeiter nur dann aktiv werden, wenn Sie etwas vorgeben?

• Sehen Sie es als Belastung und verlorene Zeit, wenn Sie mit Ihren Mitarbeitern laufend Orientierungsgespräche führen müssen oder erkennen Sie darin die Chance, Ihre Mitarbeiter und damit auch Ihr Unternehmen zu stärken und für den Wettbewerb besser rüsten zu können?

Wie auch immer Sie diese Fragen beantworten, über eines sollten Sie sich im Klaren sein: Sie als UnternehmerIn sind für Ihre Mitarbeiter verantwortlich. Sie können die aktuelle  Situation fördern oder verändern! Sie können darauf hoffen, die richtigen Mitarbeiter zu finden, sie können die Entwicklung Ihrer Mitarbeiter aber auch selbst in die Hand nehmen und diese dementsprechend zum gemeinsamen Erfolg führen!

Quelle: MPW Consulting, Peter Wurmlinger



Unschwer zu erkennen die Lieblingsabteilung der Chefin. Brigitte Straßer: "Ich wundere mich immer, wie klein die Brotabteilungen in anderen Märkten sind!"
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Bei Spar Straßer in Hartkirchen kenn man sich und wird erkannt
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Als glückliche Fügung bezeichnet Brigitte Straßer die Verbindung mit Ehemann Hubert, der sie nicht nur im Geschäft, sondern auch daheim im Haushalt und bei den Kindern tatkräftig unterstützt.
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Als glückliche Fügung bezeichnet Brigitte Straßer die Verbindung mit Ehemann Hubert, der sie nicht nur im Geschäft, sondern auch daheim im Haushalt und bei den Kindern tatkräftig unterstützt.


Peter Wurmlinger, MPW Consulting: „Brigitte und Hubert Straßer verkörpern für mich den optimalen Unternehmertyp. Leute mit Visionen, die mit Leidenschaft und Einsatz im Betrieb tätig sind, ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und ihre Mitarbeiter als größtes Potenzial erkennen und dementsprechend fordern, aber auch fördern.“
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Peter Wurmlinger, MPW Consulting: „Brigitte und Hubert Straßer verkörpern für mich den optimalen Unternehmertyp. Leute mit Visionen, die mit Leidenschaft und Einsatz im Betrieb tätig sind, ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und ihre Mitarbeiter als größtes Potenzial erkennen und dementsprechend fordern, aber auch fördern.“


© Fotos: Johannes Brunnbauer, MPW Consulting
Fotos: Johannes Brunnbauer, MPW Consulting
© Fotos: Johannes Brunnbauer, MPW Consulting
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