Greenpeace: Es ist vorbei und doch noch gut
 
Greenpeace

Es ist vorbei und doch noch gut

Greenpeace / Mitja Kobal
Hanna Simons, Sprecherin von Greenpeace in Österreich, mit den getesteten Waren © Greenpeace / Mitja Kobal
Hanna Simons, Sprecherin von Greenpeace in Österreich, mit den getesteten Waren © Greenpeace / Mitja Kobal

Greenpeace hat Ende Jänner begonnen, acht verschiedene Produkte nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) zweiwöchentlich zu untersuchen. In einem Labor werden seither regelmäßig mikrobiologische und sensorische Tests vorgenommen.

Bei diesem ersten Greenpeace-Langzeittest zur Haltbarkeit von Lebensmitteln gibt es interessante Zwischenergebnisse: Auch sechs Wochen nach Ablauf des MHD sind Eier, Käse, Salami, Kuchen, Tofu, Joghurt und Soja-Joghurt noch einwandfrei. Die Umweltschutzorganisation will mit dem Test zeigen, dass das MHD von den Produzenten oft zu frühzeitig angesetzt wird – mit ein Grund, wieso enorme Mengen genießbarer Lebensmittel im Müll landen. Der Brotaufstrich übrigens war bereits 14 Tage nach Ablauf nicht mehr genießbar.

„Wer schaut, riecht, tastet und kostet, kann leicht feststellen, ob ein Produkt noch in Ordnung ist. Der Blick auf das MHD ist dann zweitrangig“, sagt Hanna Simons, Sprecherin von Greenpeace in Österreich. Das MHD ist nicht mit einem Verfallsdatum gleichzusetzen. Es handelt sich nur um eine Garantie des Herstellers, bis wann ein Produkt ungeöffnet und bei richtiger Lagerung mindestens verzehrbar bleibt. „Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und die Produkte, die bereits sechs Wochen über dem MHD waren, bei uns im Büro verkocht. Es gab Omelette, Tsatsiki, Joghurt mit Früchten – den Kollegen und Kolleginnen hat es sehr gut geschmeckt“, berichtet Simons.

Damit Lebensmittel lange genießbar bleiben, müssen sie richtig gelagert werden. „Bei so gut wie allen Produkten hilft es, sie dunkel, kühl und trocken zu lagern“, erklärt Simons. „Es lohnt sich außerdem, den richtigen Platz im Kühlschrank zu wählen. Eier gibt man am besten ins Eierfach in der Tür, Joghurt ist gut im mittleren Fach aufgehoben, der Käse mag es nicht zu kalt – ihn bewahrt man am besten ganz oben oder gleich im Gemüsefach auf.“ Von den 760.000 Tonnen Lebensmitteln, die in Österreich jährlich im Müll landen, stammen mehr als ein Drittel aus Privathaushalten. Wer sich auf seine Sinne statt auf das MHD verlässt, spart auch Geld. „Jeder Haushalt wirft pro Jahr etwa 300 Euro an Lebensmitteln weg“, sagt Simons und ergänzt: „Jetzt muss auch den politisch Verantwortlichen – Umwelt- und Landwirtschaftsminister Rupprechter sowie Gesundheitsministerin Rendi-Wagner –  langsam klar sein, dass hier Handlungsbedarf besteht. Rechtliche Vorgaben für ein realitätsnahes Mindesthaltbarkeitsdatum wären ein erster Schritt. Es braucht daher endlich einen österreichweiten Umsetzungsplan, um die Menge an Lebensmittelabfällen bis 2030 zumindest zu halbieren.“

Der Link zum Fact-Sheet des Greenpeace-MHD-Langzeittests: http://bit.ly/2mTgyd7
Die Test-Ergebnisse (Stand: Mitte März 2017) sind hier zu finden: http://bit.ly/2nAggeV
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