EU-Verordnung: Kommt der Mindestwerbepreis?
 
EU-Verordnung

Kommt der Mindestwerbepreis?

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Bremse für die Aktionspolitik: Sollte ein Mindestpreis kommen, werden die Jahresgespräche zwischen Markenherstellern und Händlern um eine Facette reicher - und schwieriger.
Bremse für die Aktionspolitik: Sollte ein Mindestpreis kommen, werden die Jahresgespräche zwischen Markenherstellern und Händlern um eine Facette reicher - und schwieriger.

Die EU möchte Herstellern ermöglichen, mit dem Handel einen Mindestpreis für beworbene Produkte zu vereinbaren.

Wie die LZ berichtet, gibt es eine brisante Formulierung im Entwurf der EU-Kommission zu den Vertikal-Leitlinien: "... können auch Mindestpreisrichtlinien, die es Einzelhändlern verbieten, Preise unterhalb eines bestimmten, vom Anbieter festgelegten Betrags zu bewerben, auf eine Preisbindung der zweiten Hand hinauslaufen", heißt es in der Randziffer 174. Damit können die Hersteller nicht nur eine unverbindliche Preisempfehlung aussprechen, sondern auch einen verbindlichen Mindestbetrag festlegen, für den die Ware bei Aktionen über den Ladentisch gehen soll. Inkrafttreten würde diese Leitlinie zusammen mit der Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung kommendes Jahr. Zusammen werden Vereinbarungen zwischen Herstellern und Handel im Rahmen des europäischen Kartellrechts reguliert.

Ein Mindestpreis würde der Aktionspolitik vieler Händler einen Riegel vorschieben und die Preisschlacht entschleunigen. Das heißt, falls der Mindestpreis es in die Endfassung der Vertikal-Leitlinien schafft. Zu der Idee sagt Günter Thumser, Geschäftsführer des österreichischen Markenartikelverbands auf CASH-Anfrage: "Es wäre eine Situation, wie es vor etwa 25 Jahren war. Nachdem wir in einem freien Wettbewerb sind, finde ich das durchaus ok. Es ist ein spannendes Rückbesinnen auf ein Wertethema, wo in den vergangenen Jahren nur der nochmal niedrigere Preis gegolten hat. Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen spüren wir jetzt, besonders in der Landwirtschaft. Unsere Initiative zum fairen Preis hat appelliert, die Hersteller mit den nachvollziehbaren Kostensteigerungen in den Verhandlungen Gehör finden. Leider sind die Hersteller nicht in der Lage, keine Kostensteigerungen zu akzeptieren. Dieses strikte 'nein' der Handelseinkäufer was Preisanpassungen angeht, ist ohnehin vollkommen überzogen. Der Mindestpreis ist eine gewisse Antithese, in der Mitte findet sich die Vernunft. Dass dieses Thema wieder diskutiert werden, finde ich gut." Die Diskussion, ob die Produkte den Preis auch wert sind, obliege dem Konsumenten.

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