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Europäische Kommission (Update 2.4.)

Brüssel setzt weiteren Schritt bei Kennzeichnungspflicht

dbreen - Pixabay
Mit 1. April tritt eine EU-Verordnung in Kraft, welche die Auslobung der Herkunft von Primärzutaten neu regelt.
Mit 1. April tritt eine EU-Verordnung in Kraft, welche die Auslobung der Herkunft von Primärzutaten neu regelt.

Eine neue EU-Verordnung bezüglich der Kennzeichnung von Lebensmitteln spezifiziert die Herkunft der primären Zutat.

Artikel 26 Absatz 3 der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sieht vor, dass bei freiwilliger Angabe des Ursprunglandes oder des Herkunftsortes eines Lebensmittels auch das Ursprungsland oder der Herkunftsort der primären Zutat anzugeben ist, sofern dieser nicht mit dem des Lebensmittels identisch ist. 

Ein Beispiel: Bei einem Erdbeerjoghurt mit Auslobung „aus Österreich“, das aus Milch aus Südtirol erzeugt wurde, ist die Herkunft der Milch zusätzlich anzugeben. 
Die Herkunft der primären Zutat kann angegeben werden als

  • „EU“ oder „Nicht-EU“ oder „EU und Nicht-EU“, oder
  • Mitgliedstaat oder Drittstaat, oder
  • Region oder jedes andere geographische Gebiet in einem Mitgliedstaat oder Drittstaat


Die verpflichtende Angabe zur Herkunft der primären Zutat kann auch durch bildliche Darstellungen (zum Beispiel die Abbildung der rot-weiß-roten Fahne) ausgelöst werden. Alternativ kann angegeben werden, dass die primäre Zutat nicht aus dem Ursprungsland oder Herkunftsort des Lebensmittels kommt (das heißt ohne die Angabe der tatsächlichen Herkunft). Bisher galt jenes Land als Ursprungsland, in dem der letzte wesentliche Verarbeitungsschritt erfolgte.

Update: 2.4.: Reaktionen von Landwirtschaftskammer und Fachverband der Lebensmittelindustrie

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin Fachverband der Lebensmittelindustrie
„Für die österreichische Lebensmittelindustrie ist es zentral, dass für die Kennzeichnung von Lebensmitteln einheitliche Spielregeln in Österreich und der gesamten EU gelten. Denn nur so bleiben wir im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig und können den Konsumentinnen und Konsumenten Lebensmittel anbieten, die gemeinsamen Standards im Binnenmarkt entsprechen. Neue Pflichtangaben für Lebensmittel dürfen daher aus Sicht der Lebensmittelindustrie nur auf EU-Ebene entschieden werden und keinesfalls national. Gerade die Corona-Krise zeigt klar: Nur eine starke österreichische Lebensmittelproduktion gewährleistet die verlässliche Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Lebensmitteln.“ 
Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich
„Wir begrüßen diese Verbesserung der täuschungsfreien Aufmachung. Wenn man sich jedoch die Spielregeln der Verordnung im Detail ansieht, dann ergeben sich viele offene Fragen. Speziell bei pflanzlichen Lebensmitteln, wie Brot, Bier oder Säften, gibt es keinen Konsens, was die primäre Zutat ist beziehungsweise wie man Herkunft definiert. Damit könnte aber die Verordnung nicht sinngemäß umgesetzt werden.Wir brauchen zusätzlich eine einfache Regelung für wenig verarbeitete Lebensmittel auf Basis von Milch, Fleisch oder Ei mit einer eindeutigen Herkunftsdefinition und ohne Hintertüren, ähnlich der pragmatischen Regelung in Frankreich."

Etappensieg für Bauernbund

"Die Umsetzung in den Supermärkten werden wir uns sehr genau anschauen. Ein Weiter wie bisher darf es nicht geben", will sich der Bauernbund-Präsident NR DI Georg Strasser auch künftig um dieses Thema kümmern. "Konsumenten haben sich mehr Ehrlichkeit verdient. Das unsägliche Spiel mit den Fähnchen auf Lebensmitteln ist jetzt zu Ende. Bis zuletzt gab es rot-weiß-rote Fähnchen und Herzen auf Lebensmitteln aus dem Ausland."

Nicht alle sind allerdings zufrieden mit der neuen Herkunftskennzeichnung. So meldet vor allem der Verein Vier Pfoten große Bedenken. 

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