Fairtrade/Costa Rica: Fair wachsen
 
Fairtrade Österreich
 © Fairtrade Österreich
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Der Umsatz von Produkten mit dem Fairtrade Gütesiegel im österreichischen Lebensmittelhandel wuchs 2008 um 25 Prozent auf rund 65 Millionen Euro. Positiver Nebeneffekt: Mit ihrer Nachfrage leisten die Verbraucher wirkungsvolle Entwicklungshilfe in den Erzeugerländern.

Zielpunkt hat sein Fairtrade-Sortiment jüngst um Rosen und Schokolade erweitert. Spar Österreich hat seinem Fair-trade-Sortiment im Februar dieses Jahres drei Sorten fair gehandelte Bio-Schoko-Knabbereien hinzugefügt. Hofer führt neben Fairtrade-Fruchtsäften, -Biobananen, -Biokaffee und -Biorohrzucker seit Anfang April auch Fairtrade-Bio-Fruchtsaft-Gummibärchen. Beim Tiroler Familienunternehmen MPreis folgten vor etwa einem Jahr Fairtrade-Bioavocados, -Biomangos und -Biotrauben, nachdem man bereits im Herbst 2007 Fairtrade-Bioananas aus Costa Rica eingelistet hatte. Auch die Bio-Ananas unter dem Dach der Rewe Eigenmarke Ja! Natürlich stammen aus Costa Rica. Das kleine mittelamerikanische Land, das im Norden an Nicaragua und im Süden an Panama grenzt, ist mittlerweile Hauptlieferant für Ananas nach Europa.

Schlimme Folgen ...

Die Anbauflächen für Ananas in Costa Rica haben sich binnen weniger Jahre von 12.500 ha auf 38.500 ha verdreifacht. Der Export der stacheligen Früchte hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verfünffacht. Dabei zeitigt insbesondere die enorme Zunahme der Anbaufläche für konventionelle Ananas mitunter dramatische Auswirkungen auf Umwelt und Menschen wie das Beispiel des Produzenten Tico Verde in dem kleinen Dorf Villa Franca nahe der Karibikküste verdeutlicht. Dessen Ananas-Plantagen, für deren Anlage knapp 200 ha Primärwald abgeholzt wurden, befinden sich auf dem Hang eines Berges. Die starke Erosion spült den Hang ins Tal und mit ihm Pflanzenschutzmittelrückstände, die so ins Grundwasser gelangen, was die Trinkwasserversorgung Hunderter Familien gefährdet.

... für Menschen

Zu den Leidtragenden gehören aber auch die Arbeiter auf den Plantagen selbst, da arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen häufig umgangen oder schlichtweg nicht eingehalten werden. Victor Hugo Perez ist ein solcherart Betroffener. Der 40-Jährige erlitt beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln ohne entsprechende Schutzbekleidung Entzündungen und Verbrennungen. Als er sich beschwerte, wurde er entlassen. Zur Behandlung seiner Schmerzen sollte er eigentlich regelmäßig Medikamente einnehmen. Die kann er sich aber nicht leisten. Das bisschen Krankengeld, das er bekommt, reicht gerade einmal aus, die Familie notdürftig zu ernähren.

... und Tiere

Ein weiteres Problem in Folge des großflächigen Ananasanbaus ist das massive Auftreten von Stomoxys calcitrans, einer Stechfliegenart, die unserer Stubenfliege ähnlich sieht. Stomoxys calcitrans brütet in den faulenden Resten auf den Ananas-Plantagen, die nach der Ernte aus Kostengründen oft nicht fachgerecht bearbeitet werden. Die Fliege befällt das auf den Weiden grasende Vieh und ernährt sich von deren Blut. Der massive Fliegenbefall stresst die Tiere. Sie verlieren stark an Gewicht. Die Folge sind erhebliche Einbußen beim Milch- und Fleischertrag. Viele Viehzüchter wurden dadurch in den letzten Jahren an den Rand ihrer Existenz gebracht.

Faire Zukunft

Dass es anders geht, zeigt das Beispiel der kleinen Gemeinde Los Angeles de Moreno Canas im Bezirk Upala. Die Bauern im Ort sind allesamt Mitglieder der Assoziation Asoproagroin. Der Erfolg der Vereinigung ist zwei Faktoren zu danken: Zum einen hatten die Gründer von Asoproagroin rechtzeitig die Bekanntschaft von Kaffeebauern aus dem Hochland gemacht und auf diesem Weg in Erfahrung gebracht, wie das Fairtrade-System funktioniert (siehe Infobox). Die zweite Chance, die genutzt wurde, war das niederländische Entschuldungsprogramm für Costa Rica Ende der 1990er Jahre. Darin war festgelegt worden, dass die erlassenen Rückzahlungsraten in Stiftungen eingebracht und den armen Regionen in Costa Ricas sogenannter Zona Norte zugute kommen sollen. Mit diesen Mitteln konnte u.a. Asoproagroin aufgebaut und von Beginn an als Fairtrade-Projekt geführt werden.

Die Fairtrade-Preisgarantie sorgt nicht nur dafür, dass die kleinbäuerlichen Strukturen in der Region erhalten bleiben. Mit Hilfe der Fairtrade-Prämien konnte in Los Angeles de Moreno Canas jüngst auch eine neue Trinkwasserversorgung für sechs Dörfer mit rund 480 Haushalten errichtet werden. „Weitere Projekte wie z.B. ein gemeindeeigenes Veranstaltungszentrum, eine Schule und eine Kirche sind bereits in Planung bzw. Bau", berichtet Basilio Rodriguez Vargas, Präsident der Assoziation Asoproagroin stolz. Inzwischen haben sich Asoproagroin mehr als 500 Ananasproduzenten angeschlossen. Rund 40 Prozent der Früchte werden unter dem Fairtrade-Gütesiegel vermarktet. Wie weit sich dieser Anteil in Zukunft noch ausbauen lässt, hängt allerdings nicht unwesentlich von der Einstellung der Händler und noch mehr von jener der Konsumenten in Europa ab.

Zum Interview mit Fairtrade-Österreich Geschäftsführer Hartweg Kirner geht es hier.

FairTrade-Produkte: Österreich schätzt fairen Handel



Immerhin 85 Prozent der ÖsterreicherInnen kennen Fairtrade-Produkte. Damit liegt die Alpenrepublik laut Nielsen weltweit unter den Top Ten, gleichauf mit der Schweiz. In Deutschland sind solche Waren weniger bekannt (63 %). Fairtrade-Weltweister ist Finnland, wo 98 % Bescheid wissen. Aber obwohl die österreichischen Konsumenten Fairtrade-Produkte kennen, finden sie diese im Regal nicht immer: 82 Prozent haben Schwierigkeiten, Fairtrade-Erzeugnisse aufgrund besonderer Kennzeichnung und Logos immer als solche zu erkennen. Lediglich sieben Prozent meinen, sie würden Fairtrade-Produkte immer erkennen. Und obwohl Fairtrade-Produkte in Österreich bereits sehr stark im Lebensmittelhandel vertreten sind, glauben noch immer 35 Prozent, Fairtrade-Artikel könne man nur in speziellen Geschäften erwerben. In puncto Preis wiederum halten die Österreicher fair gehandelte Artikel für nicht unbedingt teurer als andere. Nur drei Prozent denken, Fairtrade-Produkte würden mehr kosten, 81 Prozent tun das nicht. Quelle: Nielsen





Basilio Rodriguez Vargas, Präsident der Assoziation Asoproagroin schwört auf das Fairtrade-System. © Fairtrade Österreich
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Basilio Rodriguez Vargas, Präsident der Assoziation Asoproagroin schwört auf das Fairtrade-System. © Fairtrade Österreich
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