Flaschenpfand: Für und Wider einer Pfandlösun...
 
Flaschenpfand

Für und Wider einer Pfandlösung (Update)

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Besonders bei Plastikflaschen wird eine hohe Recycling-Rate angestrebt.
Besonders bei Plastikflaschen wird eine hohe Recycling-Rate angestrebt.

Bei der Diskussion rund um den Pfand für Einweg-Getränkeverpackungen melden sich Industrie, Handel und Naturschutz-Organisationen zu Wort.

Original-Artikel vom 31.1.2020
Im Sinne der Nachhaltigkeit könnte in Österreich der Flaschenpfand für Einweg-Gebinde eingeführt werden, erhoffte Konsequenz daraus wäre eine höhere Rückführungs-Quote von Kunststoff. Der Verband der Getränkehersteller erwartet aktuell die Ergebnisse der BMNT-Studie zum Thema, wie Verbandsmitglied und Fachmann Johann Brunner erklärt: "Dann gilt es gemeinsam auf Basis aller vorliegenden Prämissen und Fakten für Österreich die ökologisch sowie ökonomisch effizienteste Lösung zu erarbeiten. Schnellschüsse und Aktionismus sind jedenfalls abzulehnen." Lobend wird vom Verband die PET to PET Recycling Österreich GmbH erwähnt, die bereits ein Best-Practice-Beispiel zur Kreislaufwirtschaft geschaffen hat. Die heimische Getränkewirtschaft verfolgt seit 2004 eine Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen.

Auf eine wesentlich skeptischere Haltung trifft der Flaschenpfand beim Handelsverband. Geschäftsführer Rainer Will kommentiert: "Ganz Europa beneidet uns um unser Sammel- und Verwertungssystem. Gerade in einem kleinen Land wie Österreich brauchen wir kein neues paralleles System. Daher empfehlen wir, den eingeschlagenen Erfolgsweg konsequent weiterzugehen und unsere Anstrengungen bei der getrennten Sammlung zu intensivieren. Es sollte bei der Interessenabwägung berücksichtigt werden, dass die Einführung eines Einwegpfand-Systems die Nahversorgung durch selbstständige Kaufleute in den ländlichen Regionen massiv gefährdet. Wir hoffen hier auf politisches Augenmaß."
Um die bis 2029 nach EU-Zielen zu erreichende Sammelquote von 90 Prozent zu erreichen, sollen daher die bestehenden Systeme optimiert werden. Diese Lösung wird laut dem Handelsverband auch vom Entsorgungsbetrieb ARA empfohlen.

Eine andere Lösung schlägt Greenpeace vor, wie deren Konsumexpertin Lisa Panhuber sagt: "Müll sammeln ist gut, aber Müll vermeiden ist besser. Pfand auf Einwegflaschen zu erheben, fördert zwar die Rückgabe von Flaschen, allerdings ist aus Umweltsicht die Wiederverwendung von Flaschen die beste Lösung. Das schaffen wir mit einer gesetzlichen Mehrwegquote." Das, in Kombination mit der Pfandlösung, würde zu gewünschten Rückführungsquote führen.
Dem schließt sich der WWF an, deren Expertin für Plastik und Kreislaufwirtschaft, Elisa Gramlich, ausführt: "Es braucht ein effizientes Pfandsystem für wiederbefüllbare Getränkeverpackungen und ein Pfand auf Einwegprodukte, damit diese qualitativ hochwertig recycelt werden können und nicht als Müll in die Umwelt gelangen. Wichtig wären auch gesetzlich verbindliche Mehrwegquoten, zusätzliche Anreize für Mehrwegverpackungen im Handel sowie eine verpflichtende, gut sichtbare Kennzeichnung von Mehrwegflaschen. Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Konsumentinnen und Konsumenten, die Politik muss hier konsequent und rasch handeln."

Update 3.2.2020
Die Wirtschaftskammer Österreich spricht sich unterdessen für eine Alternative zum Einwegpfand aus. WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf dazu: "Wir brauchen kein weiteres bürokratisches System, das für die betroffenen Branchen wie den Handel, Kioske, Trafiken, Tankstellen und Lieferservicebetriebe und dessen Lieferanten große finanzielle und personelle Mehrbelastungen bedeuten würde, die vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu einem besonderen Wettbewerbsnachteil für unser Land werden können."
Handelsobmann Peter Buchmüller fügt hinzu: "Der Handel bekennt sich zu einer Verbesserung der ökologischen Situation, verwehrt sich aber dagegen, dass die Zielerreichung auf dem Rücken des Handels ausgetragen wird."
Als deutlicher Nachteil eines Pfandsystems wird die dadurch entstehende Reduktion der Rückgabestellen von aktuell 2 Millionen Müllcontainer auf rund 10.000 Einzelhandels-Standorte genannt.

Diplomatisch gibt sich hingegen Coca-Cola HBC Österreich, die in einer Presseaussendung zur Sachlichkeit der Debatte aufrufen und den vom Umweltministerium einberufenen runden Tisch begrüßen. Philipp Bodzenta, Unternehmenssprecher von Coca-Cola Österreich, teilt die ambitionierten Ziele des Getränkeabfüllers mit: "Coca-Cola befürwortet die Diskussion um ein Pfand auf Einwegflaschen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es sicherzustellen, dass die Industrie und alle Stakeholder voll eingebunden werden, höchste Effizienz gewährleistet ist und ein angemessenes Pfand gewählt wird, um einem Plastiktourismus – ähnlich dem Tanktourismus – vorzubeugen. Wir möchten auch all unsere Erfahrung aus mehr als 130 Jahren Firmengeschichte und unsere österreichischen und internationalen Experten mit einbringen, damit wir das hohe Ziel von 100 Prozent Sammelquote bis 2030 erreichen." Bis dahin soll auch der Recyclinganteil des gesamten Gebinde-Portfolios zur Hälfte aus Rezyklaten bestehen. Um das branchenweit zu erreichen, brauche es gemeinsame Lösungen.
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