dayli: Fristen und Fakten zum Sanierungsplan
 
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Fristen und Fakten zum Sanierungsplan

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Der KSV1870 gab nun wichtige Termine, Fristen und Zahlen rund um den dayli-Sanierungsplan bekannt.

Nach einem Ultimatum des KSV1870 wurde heute nicht einmal ein Jahr nach der Übernahme von Schlecker vom Landesgericht Linz über das Vermögen der TAP dayli Vertriebs GmbH mit Sitz in 4055 Pucking, Hobelweg 4 das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.

Zum Masseverwalter wurde der Linzer Rechtsanwalt Dr. Rudolf Mitterlehner bestellt. Als seine Stellvertreter fungieren die Anwälte Dr. Erhard Hackl, Dr. Gerhard Rothner, Dr. Thomas Zeitler und Dr. Elisabeth Achatz-Kandut. Die Anmeldefrist für Gläubigerforderungen endet am 13. 9. 2013. Die erste Gläubigerversammlung und Prüfungstagsatzung ist knapp vor der Nationalratswahl für den 27. 9. 2013 angesetzt, die Sanierungsplantagsatzung für den 5. 12. 2013. Damit fällt die endgültige Entscheidung über das Schicksal von dayli allerspätestens im Advent.

Laut Sanierungsplanvorschlag sollen die Gläubiger eine Quote von 25 % erhalten, wie folgt gestaffelt: 5 % binnen 2 Wochen, je 5 % binnen 6 und 12 Monaten und 10 % binnen 24 Monaten jeweils ab Annahme des Sanierungsplans durch die Gläubiger.

Das Konzept von Dayli sieht laut KSV1870 in Kurzfassung folgende Maßnahmen vor:

  • Schließung ertragsschwacher Filialen
  • Vorhandene Vorräte auf ertragsstarke Filialen transferieren
  • Umstellung auf ein Franchisesystem (etwas euphemistisch als Mitarbeiterbeteiligung bezeichnet, Anm. d. Red.)
  • Nutzung noch intakter Finanzierungsmöglichkeiten für neue Ware
  • Finanzierung des weiteren Betriebs aus den laufenden Umsätzen


Damit steht fest, dass sicher etliche weitere der noch verbliebenen 783 Filialen sehr bald geschlossen werden und der Personalstand wohl in jedem Fall drastisch sinken dürfte. Die Masseverwaltung werde die Tragfähigkeit dieses Konzeptes rasch prüfen, insbesondere, ob der Betrieb in den nächsten Wochen finanziert werden kann, so die Gläubigerschützer in ihrer Aussendung. Bereits vom Ergebnis der Prüfung hänge das weitere Schicksal der Drogeriekette und seiner Beschäftigten ab, sowie natürlich auch die Quote, die sich die Gläubiger erwarten können.

Insgesamt seien laut KSV aktuell 3.468 Dienstnehmer betroffen, davon ca. 630 in Oberösterreich, wo dayli seinen Unternehmenssitz hat. 414 Dienstnehmer sind bereits im Kündigungsstadium.

Die Anzahl der betroffenen Gläubiger soll sich auf ca. 1.600 belaufen. Die Höhe der Aktiva zum Zeitpunkt der Schließung wird auf rund 10 Mio. Euro geschätzt, die der Passiva auf rund 60 Mio. Euro. Damit errechnet sich eine Überschuldung in der Größenordnung von rund 50 Mio. Euro.

Dayli habe vom Start weg Probleme mit der Finanzierung gehabt, heißt es in der KSV-Stellungnahme, nachdem "die Zweifel von Lieferanten, Kreditversicherungen, Banken und Auskunfteien an einer ausreichenden Eigenkapitalausstattung für das dayli-Projekt nie zerstreut werden konnten." Auch der Einstieg des Glücksspielkonzerns Novomatic als Hälfteeigentümer im vergangenen November bei dayli sei nur von kurzer Dauer und ohne nachhaltige Verbesserung der Finanzausstattung gewesen. Nach der Eskalation der Debatte über die Sonntagsöffnung verabschiedete sich der Glücksspielkonzern im heurigen Mai wieder. Die angekündigte Expansion nach Deutschland und der flächendeckende Umbau der Schlecker Drogeriefilialen in Nahversorgergeschäfte seien an fehlenden finanziellen Mitteln gescheitert. Bis dato seien nur ein Dutzend der Filialen auf das neue Nahversorgungskonzept umgebaut worden. Die anderen hätten nur ein optisches Facelifting mit dayli-Aufklebern erhalten. Mit Schreiben vom 3. 5. 2013 habe dayli bei rund 700 Lieferanten um einen Zahlungsaufschub von 2 Monaten angesucht und mehr oder weniger die Zahlungen eingestellt, womit auch keine Lieferungen mehr erfolgten. 103 Filialen der Kette mussten bereits geschlossen werden. Der endgültige Knackpunkt seien die Ende Juni fällig werdenden Urlaubsgelder der Beschäftigten gewesen, meint man beim KSV. 

Für den heuer bereits leidgeprüften Arbeitsmarkt sei dayli eine weitere große Belastungsprobe, so der KSV. Das Unternehmen wäre zudem der größte Arbeitgeber mit Sitz in Oberösterreich, über den in der zweiten Republik je ein Insolvenzverfahren eröffnet worden ist und übertrifft in Oberösterreich auch den Konkurs des Versandhandelshauses Quelle im Jahr 2009.
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