Gastkommentar/ Christopher Möhle: Digital Com...
 
Gastkommentar/ Christopher Möhle

Digital Commerce – what's next?

Turbine Kreuzberg
Christopher Möhle, COO bei Turbine Kreuzberg
Christopher Möhle, COO bei Turbine Kreuzberg

Christopher Möhle ist COO bei der Technologieagentur Turbine Kreuzberg und weiß, wie sich Unternehmen vom Wettbewerb im E-Commerce abheben und vor den Kunden profilieren können. In seinem Gastkommentar "Digital Commerce - what's next? Individuelles Betriebssystem statt Online-Shop-Lösung" gibt er dafür hilfreiche Tipps.

Die aktuell hohe Relevanz des E-Commerce im B2B-Bereich zeigt sich bereits in den investierten Summen: So gaben 52 Prozent der B2B-Unternehmen mehr als 10 Prozent ihres Gesamtumsatzes für den E-Commerce aus, wie das ECC Köln und IntelliShop in einer im Mai 2021 veröffentlichten Studie feststellten. Diese Investments lohnen sich, denn der Online-Handel boomt bereits seit Jahren. Gleichzeitig ändert sich derzeit die Art und Weise, wie E-Commerce gedacht wird, massiv – und Unternehmen müssen sich entsprechend anpassen, wenn sie dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Online-Handel ist weit mehr als nur ein Vertriebskanal. Unternehmen müssen deshalb ihr Business zunehmend umstellen und dabei vor allem ganzheitlich denken. Statt nur eine reibungslose Anbindung eines Shop-Systems an bestehende Software zu schaffen, setzen auch B2B-Kundinnen und Kunden heute voraus, nahtlos zwischen den Vertriebskanälen springen zu können – Stichwort: Unified Commerce oder Interconnected Retail. Dafür werden zunehmend individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Betriebssysteme gebraucht.

Betriebssysteme für Geschäftsprozesse

Auf die veränderten Bedürfnisse der Firmen haben sich die Lösungsanbieter inzwischen eingestellt: So entwickelt der Marketplace-Anbieter Spryker seine E-Commerce-Technologie kontinuierlich weiter, hin zu einem ganzheitlichen Betriebssystem für Geschäftsprozesse. Zu recht klingt das zwar zunächst nach einer höheren Komplexität bei E-Commerce-Projekten, doch die zahlt sich durch höhere Flexibilität, schnellere und effizientere Prozesse sowie eine oftmals eine robustere IT-Infrastruktur und größere Kundenzufriedenheit aus.

Auch nach Abschluss des initialen Projekts können die neu geschaffenen Prozesse ständig angepasst werden, um beispielsweise auf sich veränderndes Kundenverhalten oder Bedürfnisse reagieren zu können. Diese Technologien sind damit auf eine Zukunft ausgelegt, die noch unbekannt ist; sie sind für den Wandel gemacht.

Unternehmen, die ein solches IT-Projekt umsetzen wollen, stellen sich Fragen wie: Welche Implikationen gehen mit diesen Entwicklungen einher? Wie sieht ein "Denken in Prozessen statt in Insellösungen" konkret aus? Oder auch: Durch welche konkreten Schritte können B2B-Unternehmen Digital Commerce stärker ins Zentrum der Systemarchitektur rücken? 

Produkte verkaufen allein reicht nicht mehr

Um sich online vom Wettbewerb abzugrenzen, werden individuelle Angebote immer wichtiger. Gerade im B2B-Bereich, in dem die Anforderungen an Produkte und Services oftmals durch Dokumentations- und Zertifizierungspflichten hoch sind.

Doch warum hat sich ausgerechnet das Marktumfeld in diesem Bereich so stark verändert? Ein Hauptgrund dafür ist, dass der Added Value einzelner Wertschöpfungsschritte immer weiter abnimmt. Dadurch geraten insbesondere auf lineare Prozesse fokussierte Retailer schnell unter Druck. Denn Hersteller und Produzenten können durch digitale Lösungen immer mehr Aufgaben selbst übernehmen, wie das Konsolidieren von Ware, deren Versand oder Verteilung. Damit treten sie selbst in Konkurrenz zum Handel bzw. machen diesen oftmals überflüssig. Um weiterhin am Markt bestehen zu können, müssen Retailer, wie beispielsweise Getränkezulieferer, daher ihr Angebot strategisch durchdenken und erweitern, um langfristig Mehrwerte zu schaffen.

Dafür braucht es ein Umdenken und Umstellen der firmeneigenen IT-Infrastruktur: Insellösungen gehören zunehmend der Vergangenheit an. Ersetzt werden sie durch ganzheitliche, komplett digitale Prozesse und einer Vielzahl von dadurch möglichen, kollaborativen Services.

Step by Step zu neuen Prozessen

Statt linearer Prozesse führen heute netzwerkartige Modelle zum Erfolg, garantieren einen umfangreichen Added Value und sichern Marktanteile. Daher sollten sich Unternehmen gerade im B2B-Bereich folgende Fragen stellen, um ihren Erfolg langfristig zu sichern:

  • Wie ermögliche ich meinen Kunden und Produzenten größtmögliche Effizienz?
  • Welche Services kann ich dafür anbieten?
  • Welche digitalen Tools brauche ich dafür?

Komplexe IT-Systeme sind kein Problem mehr

Um die sich so ergebenden Services anbieten zu können, sind neue IT-Lösungen notwendig, die hohe Anforderungen an die Konnektivität mit anderen Systemen, an die Verarbeitung von großen Datenmengen und dessen Monitoring erfüllen sollten. Zentrale Fragestellungen sind dabei: Wie können die Tools für die Prozesse vollkommen etatisiert werden – und wie baue ich robuste, effektive Systeme, um diese Prozesse digital abzubilden?

Fazit: Die Zukunft des Commerce ist ein Wertschöpfungsnetzwerk

Abo-, Sharing oder Pay-per-use-Modelle sind nur einige Beispiele für die verstärkte Service-Orientierung im heutigen Commerce – die auch für die Business-Modelle von B2B-Retailern große Bedeutung haben. Der Erfolg liegt somit nicht mehr im Verkauf von Produkten, sondern entsteht vielmehr langfristig, beispielsweise durch eine permanente Beteiligung an der Nutzung des Produktes und durch das Bereitstellen von Serviceangeboten. Dies birgt nicht nur die große Chance, dauerhafte statt einmalige Gewinne zu generieren, sondern auch zusätzliche Einkommensquellen neben Kernprodukten zu erschließen. Gerade diese Win-win-Situationen für B2B-Retailer und deren Kunden sind es, die solche, service- und netzwerkartige Geschäftsmodelle so erfolgversprechend machen.
Ad personam
Christopher Möhle ist COO bei Turbine Kreuzberg und begleitet Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen Produkt- und Serviceplattformen sowie individuellen Applikationen auf IoT- und Blockchain-Basis. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technologie und Umsetzungsstrategie. Turbine Kreuzberg ist eine Technologieagentur aus Berlin. Mit ihrer breiten technologischen Expertise deckt die Agentur den gesamten Lebenszyklus von Applikationen ab. Digitalprojekte setzt sie in den drei Feldern Platform Technology, Application Management und Tech Innovation um.

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