Gastkommentar Harald Dutzler: Der LEH nach Co...
 
Gastkommentar Harald Dutzler

Der LEH nach Corona

Strategy& Österreich

Die Coronakrise hat das Konsumentenverhalten verändert und Trends im Lebensmitteleinzelhandel beschleunigt. Harald Dutzler, Partner und Retail-Experte bei Strategy& Österreich, der Strategieberatung von PwC, stellt die aktuellen Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit in den Kontext der Pandemie.

Die Corona-Krise führt in vielen Branchen zu einem signifikanten wirtschaftlichen Abschwung. Der Lebensmitteleinzelhandel ist jedoch eines der wenigen Segmente, in denen der Umsatz trotz – oder gerade wegen – der Krise auf einem Rekordhoch liegt: In einigen Fällen erhöhten sich die Einnahmen um mehr als 20 % gemessen am Vorjahreszeitraum. Dennoch steht die Branche – angetrieben von zwei Megatrends und beschleunigt durch Covid-19 – vor großen Veränderungen und Herausforderungen.

Online-Lieferungen und kontaktlose Bezahlung
Der Lockdown ließ Digitalumsätze steigen und hat die Dringlichkeit der Digitalisierung wiederum in den Vordergrund gerückt. Derzeit beobachtbare Trends in der Branche werden zu dauerhaften Veränderungen. Die Verbraucher gewöhnen sich an das aktuelle Nutzungsverhalten während der Krise. Durch die Vermeidung von menschlichen Interaktionen etablieren sich Online-Lieferungen von Lebensmitteln auch im deutschsprachigen Raum schrittweise. Laut PwC werden Lieferservices bis 2023 von ihrem derzeitigen Marktanteil von etwa 1 % auf 3 bis 4 % wachsen. Des Weiteren zeichnet sich ein Verzicht auf Bargeld ab: In den vergangenen Wochen wurde in Österreich um 30 bis 40 % mehr mit Karte oder kontaktlos gezahlt als sonst. Ein Anstieg, der normalerweise zwei bis drei Jahre gedauert hätte.


Nachhaltigkeit 2.0: Sicherheit und faires, soziales Handeln
Der zweite Treiber für Veränderung heißt Sustainability. Obwohl Verpackungen aus Sicherheits- und Hygienegründen derzeit wieder vermehrt gefragt sind, erfährt Nachhaltigkeit einen neuen Aufschwung. Dieser geht weit über den bisherigen Ansatz, Plastik zu vermeiden und CO2-Emissionen zu reduzieren, hinaus. Impulsgeber für diese langfristige Tendenz ist das Verlangen der Kunden nach Sicherheit und fairem, sozialen Handeln. Der Wunsch nach Sicherheit bezieht sich dabei auf die gesamte Lieferkette. Ein Aspekt, der angesichts aktueller Lebensmittelskandale weiter verstärkt wird. Um Kaufentscheidungen zu treffen, wollen Konsumenten wissen: Wo kommt ein Produkt her? Welche Wege ist es gegangen?

„Eine reine Erfüllung gesetzlicher Vorgaben reicht nicht mehr aus, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.“
Harald Dutzler

Um die erforderliche Nachvollziehbarkeit – sowie Nachhaltigkeit im Allgemeinen – glaubhaft umzusetzen, spielt Transparenz eine große Rolle. Sie ist notwendig, um hochkomplexe Liefer- und Vertriebsketten zu verfolgen und die Auswirkungen auf die Umwelt überhaupt erst sicht- und messbar zu machen. Händler müssen die Nachvollziehbarkeit proaktiv angehen und den Verbraucher durch Kennzeichnung informieren. Denn: Eine reine Erfüllung gesetzlicher Vorgaben reicht nicht mehr aus, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

Zwei Herausforderungen für die Branche
Im internationalen Vergleich ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in Österreich bereits gut verankert. Nun gilt es jedoch, Sustainability in der Breite konkret umzusetzen. Das langfristige Ziel muss eine Kreislaufwirtschaft sein, die auf Transparenz basiert und nachhaltige Lieferketten sicherstellt. Darüber hinaus sollten Retailer gezielt in digitale Technologien investieren, um die von Kunden gewünschten Omni-Channel-Lösungen anbieten zu können.

AD PERSONAM

Harald Dutzler ist Partner und Retail-Experte bei Strategy& Österreich, der Strategieberatung von PwC. Seit über 16 Jahren ist er im Consulting tätig und berät dabei führende europäische Einzelhandelsketten in Sachen Strategie, Supply Chain Management, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

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