Gastkommentar Uwe Knop: Neue Kampagne: 5-am-T...
 
Gastkommentar Uwe Knop

Neue Kampagne: 5-am-Tag Kaffee & Schokolade

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Ende 2017 hat die EU beschlossen, die „5-am-Tag Obst und Gemüse“-Absatzförderkampagne nicht weiter zu fördern. Gut so, denn: Es existiert keinerlei Kausalevidenz, dass viel Obst und Gemüse die Gesundheit fördern oder gar Krankheiten verhindern. Wie wäre es mit einer neuen Kampagne, fokussiert auf des Bürgers Lieblinge: Kaffee und Schokolade?

Auch wenn es hier genauso an harter Evidenz mangelt, so liegen doch wesentlich mehr gesunde Korrelationen vor, oft gar mit Dosis-Wirkung-Beziehung – und hinzukommt: Im Gegensatz zu Brokkoli und Sellerie mögen die meisten Menschen Kaffee und Schokolade! Ein Blick in die Glaskugel der Ökotrophologie verschafft Weis- und Wahrheit zur avisierten Kampagne „Neo-5-am-Tag“: Viel Schokolade, langes Leben

Gemäß aktueller Eurostat-Daten haben die Schweizer mit 83,7 Jahren die höchste Lebenswertung in Europa. Jetzt raten Sie mal, in welchem europäischen Land die meisten Schokoladenprodukte pro Kopf konsumiert werden? Richtig, in der Schweiz! Hinzu kommen folgende Ergebnisse einer der bis dato umfangreichsten weltweiten Studie zum Body-Mass-Index von Erwachsenen (Lancet): „Schweizerinnen haben den tiefsten Body-Mass-Index in Europa“, teilte die Universität Zürich im April 2016 mit. Und das ist noch nicht alles: So haben Wissenschaftler der Columbia Universität in New York errechnet: Je höher der Schokoladenkonsum, desto mehr Nobelpreise erhält das Land (pro zehn Millionen Einwohner). Welches Land auch hier auf Platz eins steht, dürften clevere Leser bereits antizipiert haben: die Schweiz.

Immer positiv sehen: Schokorrelationen
Last, but not least: Schokoladenkonsum erhöht nicht das Risiko der wichtigsten Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes, Darmkrebs und Bluthochdruck – und zeigt auch keinen Einfluss auf den härtesten aller klinischen Endpunkte, die Gesamtsterblichkeit (und das alles sogar beobachtet mit „Dosis-Wirkungs-Beziehung“). Bei Schlaganfall und Herzkrankheiten errechneten die Studienautoren aus Deutschland, Polen und Österreich im European Journal of Nutrition 2018 gar eine, wenn auch schwache, „inverse Korrelation“ – also je mehr Schokokonsum, desto niedriger das Erkrankungsrisiko. Doch nicht nur in Sachen Gesundheit liefern Schokoladenstudien überraschende Beobachtungen, auch im Hinblick auf das Körpergewicht: So offenbaren Meta-Analysen immer wieder: je mehr Schokolade, desto niedriger der BMI. Soviel ad hoc zur Choc. Widmen wir uns noch kurz dem Kampagnenpartner der Schokolade, der ...

... Panazee Kaffee
Der Deutschen und Österreicher liebstes Getränk ist gemäß Erkenntnissen zahlreicher Beobachtungsstudien ein wahres Allheilmittel, denn Kaffee „schützt“ (rein korrelativ) vor Diabetes, Depressionen, Krebs, Alzheimer, Gicht, Schlaganfall und Herzerkrankungen. Und das ist noch nicht alles: Gleich drei aktuellen paneuropäische Großstudien aus 2017/18 zufolge leben Kaffeetrinker auch länger. Die Panazee-Kaffee-Studienlage war 2018 bereits dermaßen beeindruckend, dass die dpa gar einen großen Artikel mit der Überschrift versah „Gibt es Kaffee bald auf Rezept?“ Ergo: Hoch die Tassen! Damit sollten alle Kritiker der avisierten „5-am-Tag Kaffee & Schokoladen“-Kampagne verstummen. In diesem Sinne: Auf geht’s. Zum Wohle der Volksgesundheit – vielleicht, möglicherweise, denn: Nichts Genaues weiß man nicht. Das ökotrophologische Universalcredo macht leider auch für diese lukullisch-volksnahe Kampagne keine Ausnahme.

Ad personam
Uwe Knop ist Diplom-Ökotrophologe und Buchautor (u. a. „intuitiv essen“). Seit mehr als zehn Jahren bildet die objektive, ideologiefreie und kritische Analyse Tausender aktueller Ernährungsstudien den Kern seiner Arbeit. Sein essenzielles Anliegen ist ihm dabei sowohl die Vermittlung der massiven Aussageschwäche und systemimmanenten Limitierungen der Ernährungsforschung, die nur Korrelationen, aber keine Kausalitäten liefert, als auch die Offenlegung der Mechanismen ernährungslobbyistischer Verbrauchermanipulation.

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