Gastkommentar Uwe Knop: Neue EU-Studie: Schla...
 
Gastkommentar Uwe Knop

Neue EU-Studie: Schlankmacher Würstchenwasser?!

Anette Kiefer/WDR

Eine aktuelle EU-Studie überrascht derzeit Ernährungswissenschaftler weltweit: In handelsüblichem Würstchenwasser wurde eine bis dato unbekannte Substanz entdeckt, die mittels „aktiver Lipolyse“ für erhöhte Fettverbrennung sorgt: „Wir konnten zeigen, dass Alpha-Detoxy-Ribonukleinsäure die braunen Fettzellen (Lipocyten) aktiviert und so dafür sorgt, dass signifikant mehr Speicherfett in Wärme umgewandelt wird, was einem deutlichen Anstieg der natürlichen Thermogenese entspricht“, erklärt Studienleiter Professor Dr. med. Brad Sossicz, Ernährungsmediziner an der Universität Pragan.


Die Forscher untersuchten in einer Goldstandard-Studie, konzipiert nach höchsten wissenschaftliche Kriterien (randomisierten, plazebo-kontrolliert, doppelblind), den Effekt von Würstchenwasser auf die Fettverbrennung gesunder, übergewichtiger Probanden (Frauen und Männer im Alter von 25-45 Jahren) – mit eindeutigem Ergebnis: In der Verum-Gruppe (Würstchenwasser) war die Verbrennung des weißen Speicherfetts um den Faktor 4,1 gesteigert, was „einem enormem Unterschied von klinischer Relevanz entspricht“, so Sossicz. Zuvor gaben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) anlässlich ihrer neuen Studie bekannt: „Es ist denkbar, die hohe Energieverbrennung durch das braune Fett zu nutzen, um bei Patienten mit Adipositas überschüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen.“ Auch wenn der „flüssige Forschungsgegenstand“ vereinzelt Stirnrunzeln hervorrufen mag – genau diese exotischen Nahrungsmittelbestandteile stehen im Fokus des mit 14 Millionen Euro geförderten internationalen EU-Programms „Neo-Nutri-Science“: Hier werden alltägliche Lebensmittel in toto erforscht, die bislang außerhalb des „wissenschaftlichen Radars“ lagen – und das frei von „conflict of interest“ (beispielsweise Industriesponsoring).

Schlankbooster Würstchenwasser
So wollen die unabhängigen Forscher komplett neue Therapieansätze „abseits des konservativen Mainstreams“ entdecken, um der drohenden Adipositasepidemie effektiv und progressiv entgegen zu wirken. Laut Professor Sossicz könnte Alpha-Detoxy insbesondere Menschen mit Abnehmwunsch helfen, schneller Fett abzubauen. „Noch ist es sicherlich zu früh, den Konsum von Würstchenwasser offiziell und evidenzbasiert als wirksamen ‚Diät-Booster‘ zu empfehlen – aber unsere ersten Ergebnisse waren dermaßen überzeugend, dass ich, wenn ich persönlich gefragt würde, diesen Tipp auf jeden Fall schon jetzt geben kann.“ Die Relevanz des „Braunen Fett-Fettburners“ unterstreicht die aktuelle TUM-Studie: „Die Masse braunen Fettes im Menschen ist dreimal grösser als bisher bekannt war. Von neuen Adipositas- und Diabetes-Medikamenten, die das braune Fettgewebe aktivieren, ist deshalb eine stärkere Wirkung zu erwarten.“ Für den Praganer Universitätswissenschaftler sind nun weitere EU-geförderte Folgestudien zwingend erforderlich, um sowohl die neu entdeckten „aktiv-lipolytischen“ (fettverbrennenden) Eigenschaften als auch die Herkunft sowie potenzielle weitere Wirkmechanismen von Alpha-Detoxy intensiver zu erforschen. „Denn neben AlphaDetoxy haben wir aus handelsüblichem Würstchenwasser noch andere, hoch potente stoffwechsel-aktive Metaboliten extrahiert, die vielsprechende, gesundheitsfördernde Eigenschaften zu haben scheinen“, erklärt Sossicz. Auch „TUM-Braunfettforscher“ Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München stellt klar: „Es sind weitere Grundlagenstudien notwendig.“ Wir können also gespannt sein, denn: Es geht nicht nur um die Wurst, sondern um‘s Würstchenwasser!
Ad personam
Uwe Knop ist Diplom-Ökotrophologe und Buchautor (u. a. „Dein Körpernavigator“). 0Seit mehr als zehn Jahren bildet die objektive, ideologiefreie und kritische Analyse Tausender aktueller Ernährungsstudien den Kern seiner Arbeit. Sein essenzielles Anliegen ist ihm dabei sowohl die Vermittlung der massiven Aussageschwäche und systemimmanenten Limitierungen der Ernährungsforschung, die nur Korrelationen, aber keine Kausalitäten liefert, als auch die Offenlegung der Mechanismen ernährungslobbyistischer Verbrauchermanipulation.

stats