Gastkommentar/Christian Prauchner: Containers...
 
Gastkommentar/Christian Prauchner

Containershops: Gleiche Spielregeln für alle

CASH/Johannes Brunnbauer
Als Branchenobmann sieht sich Christian Prauchner immer offen für Diskurs über den Rechtsrahmen für unser Gewerbe. "Wir sollten die Dinge dabei stets vom Ende her denken", meint er.
Als Branchenobmann sieht sich Christian Prauchner immer offen für Diskurs über den Rechtsrahmen für unser Gewerbe. "Wir sollten die Dinge dabei stets vom Ende her denken", meint er.

Christian Prauchner ist Obmann des WKÖ-Bundesgremiums Lebensmittelhandel und erfolgreicher selbstständiger Spar-Kaufmann in Niederösterreich. In seinem Gastkommentar bekräftigt er das Einhalten fairer Spielregeln für alle Teilnehmer im Lebensmittelhandel. Sogenannte Containershops könnten helfen, Gesetze zu überarbeiten, aber nicht, sie zu umgehen.

In den letzten Jahren kommt es besonders in strukturschwachen Regionen Österreichs zu einem Rückgang an klassischen Lebensmittelhändlern. Während die Sicherstellung der Nahversorgung in diesen Gebieten ein zentrales Anliegen für Bevölkerung und Politik ist, stehen die Betreiber regelmäßig vor dem Problem der mangelnden Wirtschaftlichkeit, insbesondere in kleinen Ortschaften.

Innovation ist Teil der DNA des Lebensmittelhandels

Vor diesem Hintergrund sind in den vergangenen Jahren neue Geschäftskonzepte, wie die sogenannten "Containershops", entstanden, die schrittweise begonnen haben, in diese Nische einzudringen. In diesen Selbstbedienungsläden erhalten die Kunden (z.B. durch eine Mitgliedskarte, oft aber auch ohne Beschränkung) Zutritt zu einem unbetreuten Containerbereich, in dem Lebensmittel aller Art angeboten und vom Kunden vor Ort selbstständig bezahlt werden. Der Verzicht auf Verkaufspersonal bietet die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und die Läden auch an Niedrigfrequenz-Standorten zu betreiben.  
„Als LEH waren wir immer so anpassungsfähig, dass wir nichts und niemanden zu scheuen brauchen.“


Als selbstständiger Spar-Kaufmann ist für mich Innovation seit jeher Teil der Erfolgs-DNA unserer Branche. Als LEH waren wir immer so anpassungsfähig, dass wir nichts und niemanden zu scheuen brauchen. Dies gilt auch für neue Geschäftsmodelle, die dazu beitragen können, die Nahversorgung in strukturschwachen Regionen zu gewährleisten.

Faire Spielregeln für alle

Gleichzeitig ist es mir als Vertreter des gesamten Lebensmittelhandels ein Anliegen, auf die Branche insgesamt zu schauen. Klar ist für mich daher, dass sich neue Geschäftskonzepte ebenso innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens zu bewegen haben wie der klassische LEH. Die Spielregeln müssen für alle gleichermaßen gelten. Dies reicht vom Öffnungszeitengesetz über die Hygienebestimmungen bis hin zum Jugendschutz. Diese Gesetze werden im klassischen LEH genau kontrolliert. Bei manchen unbemannten Shopkonzepten hat man mitunter den Eindruck, ihre Betreiber betrachten die gesetzlichen Vorschriften eher als freiwillige Empfehlung. Diese schleichende Missachtung geltender Gesetze halte ich für die gesamte Branche nicht für positiv. Natürlich kann man den bestehenden Rechtsrahmen auch ändern, doch hat dies in einem demokratisch legitimierten Prozess zu erfolgen.

Dinge vom Ende her denken

Wenn wir uns dieser Diskussion stellen, sollten wir immer mit im Blick haben, welche Auswirkungen mögliche Gesetzesänderungen auf unsere Handelslandschaft insgesamt und auf den LEH im Speziellen hätten. So wird mitunter eine Ausnahme unbemannter Containershops vom Öffnungszeitengesetz gefordert. Klar ist, dass dies einen gravierenden Wettbewerbsnachteil des traditionellen LEH gegenüber unbemannten Konzepten bedeuten würde. Doch gerade in strukturschwachen Regionen kommt dem klassischen LEH als Arbeitgeber, Lehrlingsausbildner und sozialem Zentrum auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle zu. Diese wäre durch eine gesetzliche Schlechterstellung massiv infrage gestellt. Wir sollten uns genau überlegen, ob wir das für den LEH und den Handel in Österreich insgesamt wirklich wollen. Denn klar ist auch: Die Öffnungszeiten gelten nicht nur für den LEH, sondern für den Handel insgesamt.
„Bei manchen unbemannten Shopkonzepten hat man mitunter den Eindruck, ihre Betreiber betrachten die gesetzlichen Vorschriften eher als freiwillige Empfehlung.“


Ein weiteres wichtiges Anliegen ist mir der wirksame Jugendschutz beim Alkoholverkauf. Hier darf es keine Kompromisse geben, dies hat zuletzt auch das Wirtschaftsministerium in einer offiziellen Stellungnahme bestätigt. Darin hält es fest, dass für den Alkoholverkauf eine wirksame Alterskontrolle durch (Lichtbild-)Ausweise erfolgen muss, und dass technische Vorkehrungen, die lediglich das Geburtsdatum auf einer Karte abfragen (z.B. Bankomatkarte) nicht ausreichen. Da die Jugendschutzgesetze der Länder gleichermaßen für alle Wirtschaftstreibenden gelten, betrifft dieses De-Facto-Verbot des unüberwachten Alkoholverkaufs nicht nur die gewerbliche Wirtschaft, sondern auch die landwirtschaftliche Direktvermarktung.

Als Branchenobmann stehe ich für einen offenen Diskurs über den Rechtsrahmen für unser Gewerbe jederzeit bereit. Wir sollten die Dinge dabei stets vom Ende her denken. Und wir brauchen Innovation ebenso wie faire Spielregeln für alle.
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