Sicherheit am POS: Geld her!
 
Sicherheit am POS

Geld her!

-
® peter.svec@pixXL.at
® peter.svec@pixXL.at

Überfälle auf Supermärkte und andere Handelsoutlets nehmen dramatisch zu. Im Schnitt werden pro Woche drei Supermärkte ausgeraubt. Obwohl Videoüberwachung und andere Alarmanlagen Kriminelle nachweislich abschrecken, gibt man sich im LEH eher zögerlich.

Waren früher die damals noch ungesicherten Banken das Ziel von Überfalls-tätern, verlagerte sich der Tatort in den letzten Jahren – und hier vor allem in abgelaufenen Jahr – zusehends in die Supermärkte. Laut Innenministerium ist das auf zwei Hauptgründe zurückzuführen: Zum einen auf die Tatsache, dass die Banken sicherheitstechnisch massiv aufgerüstet haben und zum anderen, weil es schon lange nicht mehr um die sogenannten großen Coups geht, sondern um schnelles Geld und oftmals um verblüffend kleine Summen. Ein nicht näher genannt werden wollender Kriminalbeamter, der sich seit vielen Jahren mit derlei Überfällen befasst: „Einerseits sind es eindeutig die Ostbanden, die gezielt und flächendeckend vermehrt Handelsoutlets überfallen, andererseits machen uns aber auch jene verstärkt zu schaffen, die nur auf schnelles Geld aus sind. Da genügen bei Drogenkranken oft einige wenige Euro für den nächsten Schuss, was jedoch seit geraumer Zeit verstärkt hinzukommt, ist der permanente Geldbedarf der illegalen Einwanderer." Kleiner Nachsatz des Beamten: „Beiden Tätergruppen ist es völlig egel, ob sie jetzt eine Frau im Park, eine Trafik oder eben einen Supermarkt überfallen."

Kamera und Alarmsysteme schrecken ab

 Nichtsdestotrotz sollten in den Zentralen der Handelsketten bereits das ganze vergangene Jahr über die Alarmglocken schrillen, denn immerhin stiegen die Überfälle im Jahr 2008 im Gegensatz zu 2007 österreichweit um 36 Prozent, in der Bundeshauptstadt sogar um 50 Prozent. Allein in Wien waren es bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe über 150 ausgeraubte Supermärkte, immerhin weit mehr als das Doppelte an Banküberfällen.Jetzt einmal abgesehen vom Materiellen ist es vor allem die Gewaltbereitschaft, sei es jetzt mit Waffen aller Art oder einfach nur mit den Fäusten, die den Behörden zu schaffen macht, damit verbunden das Sicherheitsrisiko für die Supermarktangestellten und – nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht – die Folgekosten an physischer und psychischer Nachbetreuung der Betroffenen.Was mindestens genausooft vorkommt, ist neben dem schnellen Griff in die Kassa, die Beraubung vor oder nach Geschäftsschluss der Tageslosung. Wenn Geschäftsinhaber, Filialleiter oder damit beauftragte Angestellte am Weg zur Bank überfallen werden oder in jenen Raum zurückgedrängt werden, in dem sich der Tresor befindet. Beide Arten sind stets mit Waffengewalt verbunden und – aus der Sicht der Täter – mit großen Chancen, unerkannt zu entkommen. Wie überhaupt die Erfolgsquote der Polizei gerade bei Supermarktüberfällen dramatisch gegen Null tendiert, auch wenn das Innenministerium mit seiner offiziellen Kriminalstatistik anderes behauptet. Die Crux dabei: Serienüberfälle ein und derselben Täter scheinen als ein einziges Delikt auf, aufgeklärte Fälle wandern jedoch jeder für sich in die Statistik.

Exekutive schult Mitarbeiter

Interessanterweise überhaupt nicht dramatisch sieht man diesen Tatsachen in den diversen Handelszentralen ins Auge. Einmal abgesehen davon, dass man „aus Sicherheitsgründen" vermehrte Überfälle weder bestätigen noch dementieren möchte, finden „ohnehin genug Schulungen statt". Mag. Corinna Tinkler, Unternehmenssprecherin der Rewe Group Austria: „Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig auf das Thema ‚Sicherheit im Handel‘, es gibt bestimmte Leitlinien zur Prävention und zu den Verhaltensweisen im Ernstfall, wo Themen wie Raubprävention, Rechtsgrundlagen und optimales Verhalten bei Diebstählen und Überfällen diskutiert werden."
Schulung in Sachen Prävention ist auch bei der Spar ein unumgängliches Thema. Konzernsprecherin Mag. Nicole Berkmann: „Wir haben in Sachen richtiges Verhalten im Falle eines Überfalls unsere Personalentwickler von der Exekutive ausbilden lassen und die haben dann wiederum unsere Filialmitarbeiter geschult. Zusätzlich sind einige Mitarbeiter in Krisenintervention ausgebildet, die im Falle eines Überfalls den betroffenen Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen. Ist dies nicht möglich, schalten wir sofort einen entsprechenden öffentlichen psychologischen Dienst ein."
Was im Übrigen auch bei Zielpunkt so passiert. Marketing-Leiterin Mag. Jeanne Ligthart: „Mitarbeitern die aufgrund von Überfällen zu Schaden gekommen sind, stellen wir auf Wunsch psychologische Betreuung zur Verfügung. Unsere Bezirksverkaufsleiter wurden eigens für etwaige Notfälle geschult."

1 Million für Sicherheit

Was nun die technische Prävention betrifft, so sind zwar einige Filialen mit erhöhtem Rsikopotenzial im Außenbereich mit Überfall-Systemen (Videoüberwachung, optisch-akustisches Alarmsignal, direkter Draht zur nächsten Polizeidienststelle usw.) ausgestattet, doch was den Innenbereich betrifft, so scheiden sich die Geister. Einerseits ist jedem klar, dass nur eine lückenlose Überwachung zielführend ist, andererseits ist diese nur dann möglich, wenn damit auch die Angestellten überwacht werden. Aber genau da tritt in den meisten Fällen der Betriebsrat auf den Plan. Um nämlich Auswüchse der Videoüberwachung – wie im Fall Lidl in Deutschland – überhaupt gar nicht erst andiskutieren zu müssen, wird sehr oft darauf verzichtet, was jedoch leider nicht wirklich zur Diebstahls- und Überfallsprävention beiträgt.
Tatsache ist jedenfalls, dass zum Beispiel die Spar alleine in die Sicherungsanlagen rund eine Million Euro investiert hat und praktisch alle Ketten in irgendeiner Weise videoüberwacht sind. Bei Zielpunkt hat man zusätzlich auch die Anlieferzonen mit Videokameras bestückt, um so etwaigen Überfällen durch den Lieferanteneingang vorzubeugen.

LEH hinkt nach

Dennoch ist DI Thomas Ollinger, Chef von Österreichs führendem Sicherheitsunternehmen Security Land, überzeugt, dass gezieltere Investitionen weitaus mehr Effizienz im Bestreben rund um Überfalls- und Einbruchs-Prävention bringen würde: „Der erste Blick jedes Kriminellen gilt einem Sicherheitscheck, also ob ein Objekt abgesichert ist oder nicht. Sieht er weder Kamera noch Alarmanlage, steht für ihn die Ampel quasi auf Grün. Bei gut sichtbaren Sicherheitselementen zieht er mit hochprozentiger Sicherheit weiter."
Wobei es ja nicht nur Videokamera und Alarmanlage sind, die etwaige Täter abschrecken. Ollinger mit weiteren Beispielen: „Einmal abgesehen von Warensicherungssystemen, die ohnehin bereits sehr verbreitet sind, gibt es noch Spezialfolien zur Absicherung von Auslagen, Portalen und Türen, Fensterabsicherungen und spezielle Zutrittssysteme für Tresorräume."
Dass andere Branchen wie Baumärkte, Elektronikmärkte, Tierhandlungen und Textildiskonter, aber auch viele Händler mit kleinen Geschäften ihre Outlets sicherheitstechnisch stetig nachrüsten, scheint eine Konsequenz vergangener Überfalls- und Einbruchsversuche zu sein. Ollinger resümierend über deren Beweggründe: „Die Schäden waren schlichtweg nicht mehr kalkulierbar." Was mitunter auch der Grund sein dürfte, dass der LEH „da bei Weitem noch nicht alles ausschöpft". Sein Tipp an die Sicherheitsverantwortlichen: „Erwiesenermaßen besonders abschreckend wirken neben schön sichtbaren Videokameras vor allem optisch-akustische Alarmsirenen, Bewegungsmelder in Verbindung mit Scheinwerfern sowie Spezialfolien für Auslagen, Fenster und Türen. Da kann man noch so viel draufhämmern, das damit verbundene Glas geht nicht zu Bruch."
Besonders groß in seinen vier Security-Land-Stores sei derzeit das Interesse an Überwachungssystemen, bei denen die Kameras eigene IP-Adressen haben und daher über das Internet anzusteuern sind.

Bargeldabsaugung
immer wichtiger


Eine keineswegs zu vernachlässigende zusätzliche Maßnahme zur Vermeidung von Überfällen bieten sogenannte geschlossene Bargeld-Handling-Systeme. Das schwedische „CashGuard-System" von Inform zum Beispiel ist bereits rund 15.000 Mal im Einsatz in Ländern wie Schweden, Norwegen, Frankreich, Spanien und Deutschland. Große filialisierte Lebensmittelketten wie z.B. ICA, Rewe, McDonalds, Burger King sowie Tankstellen vertrauen auf dieses System, das das Bargeldhandling an der Kassa automatisiert, verifiziert und Münzen in einen Tresor lagert. In den skandinavischen Ländern ist CashGuard zudem flächendeckend bei Poststellen und öffentlichen Verkehrsmitteln vertreten.
Gunnebo Österreich bietet mit der zweiten Generation des automatischen Cash-Handlingsystems SafePay. gleichermaßen zusätzlichen Schutz vor Raub und Kassendifferenzen. Für die Kassenvorbereitung befüllt das System automatisch die Kassenschublade gemäß der Spezifikation des Mitarbeiters. Am Ende des Arbeitstages recycelt die Cash-Managementlösung die Tageseinnahmen oder bereitet Münzen und Scheine für die Entsorgung vor. Womit die freie Zugänglichkeit von Bargeld beträchtlich reduziert wird, da die Kunden ihren Einkauf über eine Münz- und eine Banknoteneinheit bezahlen, Wechselgeld wird automatisch zurückgegeben. Das Öffnen einer Kassenschublade entfällt. Und: Der Einsatz einer Bargeld-Transfereinheit schafft ein komplett geschlossenes Bargeldhandling – vom Kassentresen bis ins Backoffice. Wolfgang Amann, Leiter Geschäftsbereich Retail der Gunnebo Österreich: „Als wir 2005 die Lösung in Österreich auf den Markt brachten, waren wir Pioniere. Das System wird mittlerweile im In- und Ausland in verschiedenen Umfeldern eingesetzt: in Supermärkten von klein bis groß, in Tankstellen und auch in Self-Checkout-Lösungen." Wie zum Beispiel bei der Spar.

DI Thomas Ollinger, Security Land: „Eine der klassischen Schwachstellen bei Handelsoutlets: die Fenster.“
-
DI Thomas Ollinger, Security Land: „Eine der klassischen Schwachstellen bei Handelsoutlets: die Fenster.“


Optimaler Einbruchsschutz für Auslagen, Portale, Türen und Fenster: eine spezielle Glasfolie aus dem Hause Security Land
-
Optimaler Einbruchsschutz für Auslagen, Portale, Türen und Fenster: eine spezielle Glasfolie aus dem Hause Security Land
stats