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Gastkommentar Manfred Frido Berger/Neusicht Think Tank

Gibt’s ein Update für analoge Produkte?

M. Krachler
Manfred Frido Berger © M. Krachler
Manfred Frido Berger © M. Krachler

Was die digitale Welt von der analogen lernen kann? Woche für Woche erreichen uns neue, vor allem digitale Produkte, Kommunikationsformen usw., meistens von jungen, ambitionierten Start-ups, die uns das digitale Erfolgsrezept wie folgt präsentieren: Es muss möglichst rasch ein „minimal viable product“, ein „minimal überlebensfähiges Produkt“ (Wikipedia) geben, und man sollte besser ein „halb fertiges Produkt“ in den Markt stellen, damit man mit diesem „schneller scheitern kann“, denn nur wer „rasch scheitert, kommt schneller zu einem idealen Produkt!“ – Die digitale hat sich dazu gegenüber der analogen Welt einen smarten Schachzug einfallen lassen: das Update.

Ein digitales Produkt beobachtet uns Konsumenten und kann Fehler beheben, aber natürlich auch neue Services, Funktionen etc. anbieten, die in der Ursprungsversion gefehlt haben. Meistens wird uns dann eine Mischung aus dieser „Fehlerbehebung + neuen Features“ als das „latest Update“ verkauft.

Diese Vorgangsweise hat aber primär den „schnellen Exit“, eine Orientierung am „schnellen, finanziellen Gewinn“ eines Konzepts, dieses Produkts an einen Investor im Blick und nicht uns als Konsumenten. Dieses digitale Denken prägt damit – bewusst und unbewusst – die analogen Märkte. Bei analogen Produkten müssen die Entwicklungszyklen immer kürzer werden, was aber nur bis zu einer natürlichen Grenze geht, denn beispielsweise müssen Lebensmittel entwickelt, getestet, genehmigt, gelagert, transportiert usw. werden, bevor an eine Vermarktung zu denken ist. Für analoge Produkte gibt es nur den „einen, den goldenen Schuss!“ in Richtung Markt, Konsumenten. Sollte dieser danebengehen, weil der Geschmack, die Konsistenz, die Verpackung, das Design, der Preis etc. nicht passt, dann ist man aus den Regalen des Handels und aus den Köpfen der Konsumenten ebenso schnell draußen, wie man hineingekommen ist.

Das führt aber im Umkehrschluss zu einem Produkt, das wirklich fertig ist & nicht mit einer Vielzahl von Mängeln auf uns zukommt. Genau das würde ich mir von einer Vielzahl von Apps., Homepages etc. wünschen, wo wir teilweise nach dem zehnten Klick noch immer nicht dort gelandet sind, wo wir sein wollten. Beispiele kennt jeder aus seinen persönlichen Erfahrungen zur Genüge. Es muss ja nicht gleich ein „maximal viable product“ werden, aber es sollte aus dem Moment heraus perfekt sein. Wie das Gros der analogen Produkte, die wir tagein tagaus kaufen, denn „Speed ist nicht alles“. Das hat schon Helmut Qualtinger seinen „Wüden auf der Maschin“ mit dem legendären Satz feststellen lassen: „I waaß net, wo i hinfoa, aber dafür bin i schnölla duat.“ – „Speed can kill“, vor allem unser Vertrauen. Das sollten auch digitale Produkte verstärkt berücksichtigen – das können sie von der analogen Welt lernen.

Dr. Manfred Frido Berger ist Gründer des Instituts Neusicht für strategische Unternehmenspositionierung und Vertrauensforschung sowie Buchautor (aktuelles Buch: „Wunderwaffe Hygiene? Kann Hygiene unser Leben sicherer und gesünder machen?, Juni 2018). Er führt mit Roswitha Hasslinger seit 2013 laufend die „Best2Trust-Vertrauensstudien“ durch und ist seit 2012 Partner des Bio-Fairtrade-Premium-Schokolade-Konzepts „Wilder Kaiser“.
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