Händler-Umfrage: Nachhaltig am POS
 
Händler-Umfrage

Nachhaltig am POS

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Der österreichische Lebensmittelhandel engagiert sich immer stärker in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit. CASH hat im Rahmen des Specials Nachhaltigkeit die heimischen Händler zur Umfrage eingeladen und wollte wissen, welches ihr aktuell wichtigstes Projekt ist und welche Maßnahmen sie sich von ihren Partnern aus der Industrie wünschen.

Nachhaltigkeit ist längst fixer Bestandteil der Unternehmenskultur vieler Handelsfirmen hierzulande. Um zu erfahren, was die Händler im Bereich Nachhaltigkeit aber aktuell am meisten beschäftigt und mit welchen Aktivitäten sie ihr Engagement vorantreiben, bat CASH um ein Statement. Wir stellten den Händler zudem die Frage, was sie sich von der Industrie in diesem Bereich erwarten. Dabei zeigte sich, dass zwar die Maßnahmen der Industriepartner positiv gesehen werden, wenngleich man sich wünscht, in Zukunft noch stärker an einem Strang zu ziehen. Denn eines ist klar: Nur mit einer konsequenten Zusammenarbeit zwischen Händlern, Industerieunternehmen, Politik und Umweltschutzorganisationen, können ökologisch vorteilhafte Lösungen und Veränderungen vorangetrieben werden.
Nachfolgenden finden Sie die teils ausführlicheren und detailierteren Statements der Händler.
Fragen an die Händler
1. Welches ist aktuell Ihr wichtigstes Nachhaltigkeitsprojekt?

2.  Welche Aktivitäten wünschen Sie sich im Bereich Nachhaltigkeit von Ihren Industriepartnern?
Tanja Dietrich Hübner, Leiterin der Stabstelle Nachhaltigkeit Rewe International
Günther Linshalm
1.&2. Mit dem ambitionierten Schwerpunkt „Raus aus Plastik“ haben wir im vergangenen Jahr unsere Initiative „100% umweltfreundlichere Verpackungen bis 2030 bei allen unseren Eigenmarken“ gestartet. Dadurch möchten wir Zug um Zug Plastikverpackungen vermeiden, verringern oder ökologisch verbessern. Ja! Natürlich ist Vorreiter bei nachhaltigen Verpackungen und kann bereits auf umfangreiche Erfahrungswerte zurückgreifen. Denn seit 2011 stellt Österreichs größte Bio-Marke Verpackungen schrittweise von Plastik auf Green Packaging um. Bis Ende 2019 wird das gesamte Bio Obst & Gemüse entweder lose oder nachhaltiger verpackt angeboten. Das schaffen wir indem wir: Verpackungen vermeiden, verringern und verbessern, Mehrwerg-Beuteln für loses Obst und Gemüse anbieten, innovative Lösungen und Verpackungsalternativen entwickeln und in der Praxis testen, sinnvolle Verpackungen Zug um Zug auf umweltfreundlichere Alternativen umstellen, darauf achten, dass diese Alternativen keine Nahrungsmittel-konkurrenz darstellen und gentechnikfrei sind, sowie darauf, dass durch Verpackungsalternativen oder das Weglassen von Verpackungen nicht der Verlust von Lebensmitteln erhöht wird.
Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit Spar
Spar
1. „Gemeinsam Plastik sparen mit Spar“ ist derzeit sicher eines unserer wichtigsten Nachhaltigkeitsprojekte. Durch Vermeidung, Reduktion und Recyclingfähigkeit von Verpackungen tragen wir bereits jetzt dazu bei, vor allem Plastik einzusparen oder im Kreislauf zu halten. Und wir sind laufend auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten zur Plastikvermeidung.
2. Die Kreislaufwirtschaft ist nur durch eine gemeinsame Anstrengung von Industrie, Handel, Konsumenten und Recyclern möglich. Wir erwarten uns daher von der Industrie Innovationen, die für Konsumenten glaubhaft zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft beitragen.
Horst Leitner, Generaldirektor Hofer
Hofer
1. Aktuell beschäftigen wir uns im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsinitiative Projekt 2020 stark mit einem Leuchtturmprojekt – der Hofer- Verpackungsmission.
2. Wir wünschen uns von unseren Partnern und Lieferanten, dass diese denselben hohen Anspruch an das Thema haben wie wir. Dies ist in unserer Zusammenarbeit auch bereits gelebte Realität. So arbeiten wir gemeinsam laufend an Lösungen, um das Angebot an unverpackten Artikeln weiter auszubauen. Ein Ergebnis daraus ist beispielsweise das Natural Branding, die natürliche Beschriftung mittels Lasergravur auf der Schale von Obst- und Gemüseartikeln.
Simon Lindenthaler, Leiter Unternehmenskommunikation Lidl Österreich
Lidl
1.&2. Das Thema Plastikreduktion ist uns wichtig. Unser Ansatz lautet: Vermeiden, reduzieren, wiederverwenden. Generell orientieren wir uns am Prinzip der Einfachheit und verwenden grundsätzlich keine „unnötigen" Plastikverpackungen. Natürlich wollen wir Verpackung so effizient wie möglich einsetzen. Fast die Hälfte unseres Obstes und Gemüses gibt es als offene Waren. Manchmal ist Verpackung aber nötig, zum Beispiel um Bio-Produkte von konventionellen für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter an den Kassen zu trennen. Diese Verpackungen sind oft aus Zellulose und nicht aus Kunststoff. Zusätzlich spielt natürlich auch das Thema Food-Waste eine wichtige Rolle. Bei einigen Gemüsesorten schützen die Verpackungen die Artikel beim Transport, halten die Produkte länger frisch und sorgen für die nötige Hygiene. Trotzdem reduzieren wir, wo es möglich ist, weiter Verpackungen. Und dazu holen wir auch unsere Lieferanten ins Boot und haben einen speziellen Verpackungs-Guide erstellt. Damit wollen wir unsere Lieferanten dabei unterstützen, ihre Verpackungen recyclingfähiger zu machen und Einsparungspotenzial aufzeigen. Mittlerweile haben wir schon viele Maßnahmen umgesetzt.
Petra Gruber, Geschäftsführerin Marketing & Einkauf dm Österreich
Marco Riebler
1. Konzernweit gesehen ist das sicherlich das von dm initiierte Rezyklatforum: Ausgehend von unseren deutschen Kollegen wurden Hersteller, Händler, Abfallwirtschaft und weitere Akteure an einen Tisch geholt, um die Kreislaufwirtschaft mit ihren Prozessen weiterzuentwickeln. Das ist eine ganz wichtige Grundlagenarbeit, um beginnend von der Materialauswahl bei der Herstellung von Produkten bis hin zur Verbraucherinformation rund um Verwertungsprozesse dafür zu sorgen, dass in einer ganz anderen Dimension als heute Materialien wiederverwertet werden können und auch tatsächlich wiederverwertet werden.
2. Die rege und aktive Teilnahme am Rezyklatforum zeigt, dass die Industrie in diesem Bereich ein sehr hohes Bewusstsein hat. Wir wünschen uns weiterhin und noch mehr als bisher kreative Ideen für ökologische Innovationen, die wir unseren Kunden anbieten können.
Xavier Plotitza, CEO Metro Österreich
Metro
1.Wir verringern den Plastik-Fußabdruck. Alle Metro-Landesgesellschaften haben sich daher mit der Metro Plastikinitiative dazu verpflichtet, unseren Kunden bis 2025 zu ermöglichen, ohne Einwegkunststoffe auszukommen. Erreichen wollen wir das u.a. dadurch, indem wir wiederverwendbare, recycelbare oder kompostierbare Alternativprodukte anbieten. Außerdem wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Auslistung bedenklicher Kunststoffe gesetzt: PVC und PVDC werden nach und nach als Verpackungsmaterialien verbannt; EPS wird nur dort eingesetzt, wo es keine tragfähigen Alternativen gibt. Zusätzlich beschäftigen wir uns intensiv mit der Verpackung unserer Eigenmarken. Das Ziel dabei: Gewicht, Materialstärke, Abmessungen und Schichten zu reduzieren, um Verpackungsmaterial einzusparen.
2. Nachhaltiges Handeln heißt für uns, nicht nur kurzfristige Lösungen zu verfolgen, sondern vor allem positive Veränderungen herbeizuführen. Und das gelingt nur im partnerschaftlichen Miteinander. Wir freuen uns über jene, die unsere Initiative schon mittragen und auf jene, die unsere Angebote im Sinne unserer Umwelt noch annehmen werden.
Andreas Haider, Geschäftsführer Unimarkt Gruppe
Unimarkt
1. Unsere Eigenmarke „natürlich für uns“ ist die erste 100 Prozent klimaneutrale Biomarke im Lebensmitteleinzelhandel. Für unsere über 600 Bioartikel der Marke „natürlich für uns“ wurden die verursachten Emissionen berechnet und durch den Erwerb von Zertifikaten kompensiert. Dabei haben wir uns für europäische Projekte – wie einen Windpark und ein Biomasseprojekt – entschieden. In weiterer Folge werden wir gemeinsam mit den Produzenten Ihre Produktion sowie Wertschöpfungskette überprüfen, um zu sehen wo man noch weitere Emissionen reduzieren kann.
2. Nachdem wir – die Unimarkt Gruppe – sowie unsere Biomarke „natürlich für uns“ klimaneutral sind, möchten wir auch unsere Industriepartner motivieren, ihre Produkte beziehungsweise die Produktion nachhaltig zu gestalten oder gegebenenfalls durch Zertifikate klimaneutral zu stellen.
Christof Kastner, Geschäftsführender Gesellschafter Kastner
Stephan Huger

1. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative „Aus gutem Grund“ beschäftigen wir uns mit der effizienten Nutzung von Ressourcen. Kastner unterstützt mit der Pflanzung von Bäumen die globale Initiative Plant-for-the-Planet und setzt einen wichtigen Schritt, um das Nachhaltigkeitsziel „CO2-Neutralität“ zu erreichen. Ergänzend setzen wir uns verstärkt für die „Vermeidung von Plastik“ ein.
2. Wir erwarten, dass die Reduktion von Plastik vorangetrieben wird. Aufgrund der massiv steigenden Mehrwegsysteme ist die Industrie gefordert und muss einen Anteil der Kosten, sogenannte Mehrwegmanipulationsgebühren, tragen.

Lorenz Wedl, Sprecher der Geschäftsführung Handelshaus Wedl
Handelshaus Wedl
1. Derzeit fokussiert sich das Handelshaus Wedl auf die Energieeffizienz seiner Standorte. Photovoltaik-Anlagen wie etwa in der Firmenzentrale decken einen Teil des Stromeigenbedarfs ab. Modernste Kühlsysteme, welche die Abwärme der Kühltruhen zur Beheizung der Märkte nutzen, wurden beispielsweise
kürzlich in den C&C Märkten Villach und Saalfelden installiert. Zudem rüsten wir die Standorte laufend mit stromsparende LED Beleuchtung – zuletzt St. Johann und Imst – um. Neben den technischen Erneuerungen bietet das Handelshaus Mitarbeiterschulungen zu wichtigen Themen rund um die Energieeffizienz.
Auch unsere LKW-Flotte wird laufend erneuert und somit der CO2-Ausstoß reduziert. Weiters optimieren wir unsere Tourenplanung, um hier eine effizientere Auslastung sicherstellen zu können und den Spritverbrauch zu senken.
2. Wir wünschen uns eine nachhaltige Einkaufspolitik entlang der gesamten Lieferkette. Diese soll nicht nur nach ökonomischen Aspekten ausgerichtet sein, sondern auch ökologische und soziale Komponenten berücksichtigen. Zudem kann eine Reduktion der Plastikverpackungen nur gemeinsam mit den Industriepartnern vorangetrieben werden. Auch das Thema Einwegbesteck aus
Plastik kann hier noch stärker in der Sortimentspolitik fokussiert werden. Gemeinsam mit den Industriepartnern sollte auch an einer klaren Deklaration der Inhaltsstoffe in allen Verkaufskanälen gearbeitet werden.
Julius Kiennast jun., Geschäftsführer Handelshaus Kiennast
Kiennast
1. Das Handelshaus Kiennast setzt viele Aktivitäten zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Durch eine langjährige Partnerschaft mit den Soma-Märkten, die uns besonders am Herzen liegt, können Lebensmittel, die vom Verderb bedroht sind, einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden. Mit dem Beitritt zur Initiative „Lebensmittel sind kostbar“ können wir die Konsumenten zum sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln anhalten. Wir freuen uns auch, diesbezüglich von der Landwirtschaftskammer eine Auszeichnung im Rahmen der Initiative „Iss von do“ bekommen zu haben, bei der der Fokus auf der Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten liegt.
Manuel Hofer, Geschäftsführer Top-Team Zentraleinkauf
Factory GmbH
1.Transgourmet Österreich hat eine sehr umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die auf drei Säulen beruht: Nachhaltiges Sortiment, Ressourcenschonung im Bereich Treibstoffe und Energie (CO2) sowie soziales Engagement in Richtung Gesellschaft und Mitarbeitende im Speziellen. Unser wichtigstes Nachhaltigkeitsprojekt ist das nachhaltige Sortiment: Hier liegt unser Fokus auf unseren Eigenmarken Transgourmet Vonatur und der Bio-Marke „natürlich für uns“, wobei wir hier die gesamte Lieferkette nachhaltig gestalten – von der Produktion/Anbau/Züchtung über CO2 Emissions-Reduktionen bzw. komplette Kompensation bis hin zur Verpackung. Besonders freut uns, dass dieses Sortiment laufend wächst! Mit unserem Fokus im Bereich der Produkte schaffen wir auch den größten Nutzen für unsere Gastronomie-Kunden und die Umwelt: Abgeschlossenen Projekte in diesem Bereich sind die CO2-Neutralität unserer Bio-Eigenmarke (PA anbei) natürlich für uns sowie die Umstellung der Obst & Gemüse-Schalen für das gesamte selbst verpackte Sortiment auf nachhaltige FSC-Kartontassen.
2. Die Zusammenarbeit mit unseren Industriepartnern – vor allem jenen, die für uns im Bereich der Eigenmarken kooperieren – ist hervorragend. Eine Herausforderung, die wir zukünftig gemeinsam mit unseren Industriepartnern lösen werden müssen, ist dem Wunsch nach noch mehr Transparenz in Bezug auf Produktionsbedingungen und Ressourcennutzung nachzukommen. Unsere Kunden und vor allem die Gäste unsere Kunden möchten – verständlicherweise – immer mehr Information über die komplette „Kette“ der Herstellung von Produkten, um genau zu wissen, was sie kaufen und anbieten. Das lösen wir schon sehr gut, aber die Ansprüche steigen hier laufend. Dabei sind wir sicher weiterhin von einer verstärkten und gut organisierten Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten abhängig.
Thomas Schrenk, Geschäftsführer Maximarkt
Michael Pils
1. Als derzeit wichtigstes Nachhaltigkeitsprojekt sehe ich das Energiemanagement – mit dem Ziel Ressourcenschonung. Bei unserem neuesten Markt Ried wird zum Beispiel das gesamte Gebäude mittels Fernwärme und Geothermie beheizt und die Wärmerückgewinnung wird aus der Abwärme der CO2-Kälteanlagen genutzt. Als Leuchtmittel werden ausschließlich energiesparende LED eingesetzt. Eine intelligente Software steuert und optimiert laufend das Energiemanagement des gesamten Gebäudes.
2. Ich wünsche mir, dass mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Enthusiasmus wie bisher – speziell an dem Thema Verpackungen – gearbeitet wird.
Jürgen Sutterlüty, Geschäftsführer Vertrieb & Finanzen Sutterlüty
Christian Kerber
1. Unser neuestes Projekt heißt 10:0 fürs Klima. Dabei können Sutterlüty-Kunden sich an einem Aufforstungsprojekt in Togo beteiligen und damit für nur 50 Euro den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von zehn Tonnen (ohne Flugreisen) eines ganzen Jahres für sich oder eine Person ihrer Wahl auf null Tonnen kompensieren. Ziel ist es jedem Kunden im Ländle zu ermöglichen, selber aktiv etwas zum Klimaschutz beizutragen.
2. Erstmal ein grundsätzliches Bekenntnis zum Thema Klimaschutz und dann würde ich mir ein konkretes und aktives Handeln wünschen, in dem sich auch die Industriepartner klimaneutral stellen, so wie wir das auch tun.



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