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Coronavirus/Handel

Lockdown-Sortiment: Wer verkauft was?

Efraimstochter/pixabay.com
Die Handelsketten sind in gewohnter Manier uneins über die Warensortimente, die sie während des Lockdowns verkaufen. Die einen sprechen von Solidarität, die anderen von der Notwendigkeit keiner weiteren Beschränkungen.
Die Handelsketten sind in gewohnter Manier uneins über die Warensortimente, die sie während des Lockdowns verkaufen. Die einen sprechen von Solidarität, die anderen von der Notwendigkeit keiner weiteren Beschränkungen.

Die Meinung der Handelsketten geht weit auseinander. Während Rewe International vom Verkauf von "atypischen Warensortimenten" während des Lockdowns absieht, vertreten Hofer, Lidl und Spar den Standpunkt, in einer Zeit der Beschränkungen nicht noch weitere Einschränkungen vorzunehmen.

Die Meinungen gehen, wie so oft, weit auseinander. Rewe International beschränkt sein (von Haus aus deutlich kleineres) Non-Food-Sortiment freiwillig, "aus Solidarität und kaufmännischem Anstand", wie es in einer Aussendung heißt. "Wir haben hier einen ganz klaren Standpunkt: wir wollen nicht auf dem Rücken der Händler, die jetzt im zweiten Lockdown wieder schließen müssen, Umsätze machen", betont Marcel Haraszti, Vorsitzender Billa Merkur Österreich und Vorstand Rewe International AG, "Daher werden wir selbstverständlich nur die für den Lebensmittelhandel typischen Warengruppen anbieten. Zusammenstehen im Handel ist jetzt eine Frage kaufmännischen Anstands. Wir fordern auch unsere Kollegen im Lebensmittelhandel auf, diesen Weg mitzugehen."

Im ersten Lockdown gab es Abgrenzungsdiskussionen, welche Produkte für den Lebensmittelhandel bzw. Mischbetriebe, die vom Betretungsverbot ausgenommen sind, kein "typisches Warensortiment" darstellen. Die jetzige Verordnung und ihre Kommentierung würden klare Leitplanken vorgeben, dass im Lebensmittelhandel nur Lebensmittel, Sanitärartikel und Tierfutter angeboten werden dürfen. Andere wie zum Beispiel Blumen, Bekleidung, Elektrogeräte, Spielwaren sind nicht von der Ausnahmeregelung des Betretungsverbots erfasst, um von der Schließung betroffene Betriebe nicht zu benachteiligen.
„Wir wollen nicht auf dem Rücken der Händler, die jetzt im zweiten Lockdown wieder schließen müssen, Umsätze machen. “
Marcel Haraszti, Vorsitzender Billa Merkur Österreich und Vorstand Rewe International AG

"Gerade jetzt zur wichtigsten Zeit des Jahres für den Handel – dem Weihnachtsgeschäft – muss gewährleistet sein, dass der Handel sich nicht gegenseitig kannibalisiert. Zumal ohnehin vor allem der internationale Online-Handel bereits jetzt profitiert", ist der Rewe-Vorstand überzeugt. Aus diesem Grund werden Billa und Merkur während des Lockdowns von 17. November bis 6. Dezember keine "atypischen" Produkte zum Verkauf anbieten.

"Sortimentsbeschränkung gesetzeswidrig"

Auf Anfrage von CASH und in einer anderen Aussendung antworten die drei Handelsketten, die für ihr breites Non-Food-Sortiment bekannt sind. Hofer, Lidl und Spar bekennen sich zum "Versorgungsauftrag im Lebensmittelhandel", und dazu gehören nicht nur Lebensmittel, sondern auch Schul- und Bürobedarf und alles, was einen Haushalt am Laufen hält, von Putz- bis Küchenhilfen und dergleichen. "Eine Sortimentsbeschränkung im Lebensmittelhandel wäre gesetzeswidrig, weil der Gesundheitsminister laut Covid-19-Maßnahmengesetz zwar eine Schließung von Geschäften verordnen kann. Er hat jedoch keine Ermächtigung, bei denen, die geöffnet haben, eine Sortimentsbeschränkung vorzunehmen", heißt es weiter. Für die drei Händler wäre eine Sortimentsbeschränkung im Lebensmittelhandel verfassungswidrig, weil dies eine wettbewerbliche Maßnahme und eine Wettbewerbsbeschränkung wäre. Der Verordnungsgeber (in diesem Fall der Gesundheitsminister) hat aber keine Kompetenz für eine Wettbewerbsbeschränkung.

Umsatz im eigenen Land halten

In der aktuellen Situation sollte aus Sicht von Spar, Lidl Österreich und Hofer alles getan werden, um ein Monopol von ausländischen Internet-Giganten zu verhindern. Sie bezahlen ja, im Gegensatz zu den heimischen Lebensmittelhändlern, nur sehr geringe Steuern in Österreich.
Dürfte der Lebensmittelhandel nun auch das bei ihm übliche Non-Food-Sortiment nicht mehr verkaufen, hätte das, laut der drei Handelsvertreter, massive negative Folgen. So würden beispielsweise noch viele weitere heimische Arbeitsplätze nachhaltig verloren gehen, nicht nur bei den Händlern selbst, sondern vor allem auch bei den österreichischen Vorlieferanten.
„Eine Beschränkung der bei Interspar, Hofer und Lidl Österreich seit Jahrzehnten üblichen Sortimente, wäre gesetz- und verfassungswidrig.“
Interspar, Hofer und Lidl Österreich in einer Aussendung.

Daher halten es Hofer, Spar und Lidl für unerlässlich, die Kunden mit dem gewohnten, uneingeschränkten Angebot durch den Lockdown zu begleiten und auch sämtliche Werbemaßnahmen dazu in gewohnter Art und Weise aufrechtzuerhalten.

Merkur stellt Verkaufsfläche für andere Händler zur Verfügung

"Für uns alle im Handel ist das Weihnachtsgeschäft die mit Abstand wichtigste Zeit im Jahr. Und es kann nicht sein, dass wir als Lebensmittelhändler den Branchenkollegen jetzt Umsätze wegnehmen, die sie im Weihnachtsgeschäft dann nicht mehr nachholen können", so Haraszti.
Für Marcel Haraszti, Vorsitzender Billa Merkur Österreich und Vorstand Rewe International AG, ist es eine Frage von Solidarität und kaufmännischem Anstand, "atypische Warengruppen" während des Lockdowns nicht zu verkaufen.
CASH / Markus Wache
Für Marcel Haraszti, Vorsitzender Billa Merkur Österreich und Vorstand Rewe International AG, ist es eine Frage von Solidarität und kaufmännischem Anstand, "atypische Warengruppen" während des Lockdowns nicht zu verkaufen.

In 80 Merkur-Filialen werden derzeit 14 lokale Spielzeughändler aus 7 Bundesländern mit einer zusätzlichen Verkaufsfläche für Teile ihres Sortiments unterstützt. Von Spielzeug für Babys und Kleinkinder über klassische Gesellschaftsspiele, pädagogische Lernspiele bis hin zu Zauber- und Akrobatikartikel, Abenteuersets oder Modellbausätzen ist alles dabei, was das Kinderherz begehrt. "Diese Unterstützung für lokale Spielzeughändler wie schon beim ersten Lockdown im Frühling liegt uns sehr am Herzen. Wir müssen nun prüfen, ob diese spezielle Solidaritätsaktion für mehr lokalen Einkauf so während des Lockdowns so weiter möglich sein wird", so der Rewe International AG-Vorstand. "Die Flächen mit der hohen Kundenfrequenz bei Merkur stellen wir den Spielzeughändlern aber in jedem Fall dann ab 7.12. für das weitere Weihnachtsgeschäft zur Verfügung."

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