Handelsverband: Bis zur Erholung dauert es no...
 
Handelsverband

Bis zur Erholung dauert es noch

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Der Handelsverband hat zusammen mit EY Österreich untersucht, welche Wirkungen 15 Monate Corona auf den heimischen Handel haben.

Es sind ernüchternde Zahlen, die bei der Befragung von 136 Handelsverband-Mitgliedsfirmen an den Tag gekommen sind: Mehr als ein Viertel hat im vergangenen Jahr Umsatzrückgänge zwischen 26 und 50 Prozent hinnehmen müssen, ein weiteres Viertel sogar mehr. Dieses Jahr sieht es etwas besser aus, denn obwohl durchschnittlich mit minus vier Prozent an Umsätzen gerechnet wird, erwartet mehr als die Hälfte der Händler wieder ein Plus. Dabei hat es der stationäre Handel aber schwer, denn die Kundenfrequenz ist im Schnitt um 31 Prozent gesunken, eine Erholung wird kaum erwartet. Die Folge davon: 81 Prozent der befragten Händler haben ihren Onlinehandel auf- oder ausgebaut. Auch die Kostenoptimierung ist nun ein relevanteres Thema als bisher. Auswirkung auf die Aktionspolitik vieler Händler hat das jedoch nicht, 59 Prozent bleiben hierbei auf ihrem bisherigen Kurs. Änderungen gibt es hingegen bei den Investitionen - knapp die Hälfte wird 2021 wie geplant investieren, im Schnitt werden aber 27 Prozent aller Gelder gestrichen. Über die Hälfte beklagt zudem, dass die Kreditvergabe restriktiver geworden ist.

Im Zuge der Pandemie treffen zwei Probleme beim Lagerbestand aufeinander, denn 62 Prozent aller Händler berichten von erhöhten Beständen aufgrund der niedrigeren Kundenfrequenz, doch beklagen 78 Prozent gleichzeitig Lieferverzögerungen. Während der LEH hiervon nicht betroffen ist, sieht es beim Elektrofachhandel und dem Modehandel entsprechend schlechter aus. Größtenteils gleich geblieben ist hingegen der Personalstand, nur ein Viertel aller Händler musste Entlassungen vornehmen oder konnte einstellen. Das wird auch vorerst so bleiben, denn 59 Prozent planen keine Änderungen hierbei. Ein ähnliches Bild gibt es bei den Standorten: 83 Prozent planen weder Expansionen noch Reduktionen. Fast die Hälfte der Unternehmen hat den Lockdown-Umsatzersatz beantragt, die Zufriedenheit mit den Maßnahmen der Regierung ist seit dem Vorjahr leicht gestiegen, jene bei der Abwicklung der Hilfspakete zeigt jedoch Verbesserungspotenzial. 

Empfohlene Maßnahmen
Der Handelsverband empfiehlt:
  1. Einführung des Lehrberufes "E-Commerce Fachwirt/in"
  2. Abschaffung der Mietvertragsgebühr
  3. Lohnnebenkosten senken
  4. Vorziehen der Steuerreform
  5. Plattformhaftung für Verpackungsentpflichtung
  6. Schutz vor Fake-Produkten
  7. Globale Mindeststeuer ohne Schlupflöcher

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, fordert schnelle und unbürokratische Hilfe für die 5.000 existenzbedrohten Unternehmen: "Wenn man ein Feuer mit dem Schlauch löscht, sollte man nicht erst einen Antrag stellen müssen, um das Wasser aufdrehen zu dürfen." Er empfiehlt ein Maßnahmenpaket und hebt dabei besonders die Senkung der Lohnnebenkosten und das Vorziehen der Steuerreform hervor.

Karin Saey, Vizepräsidentin des Handelsverbands und Leiterin des Bereichs Handel im Dorotheum, fügt der Umfrage hinzu: "Der Handel wird vor der Situation stehen, dass wir qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Deshalb muss das Ansehen einer Handelskarriere erhöht werden. Die Senkung der Lohnnebenkosten in Kombination mit steuerlichen Anreizen wie einer Reduktion der Einkommenssteuer oder steuerbegünstigen Prämien würde zusätzliche Anreize für die Mitarbeiter schaffen."

Harald Gutschi, ebenfalls Vizepräsident des Handelsverbandes und Sprecher der Geschäftsführung Unito/Otto: "Jetzt ist die Zeit, um KMUs die dringend benötigte Zeit zu erkaufen. Dafür braucht es gezielte Subventionen und eine vorgezogene Steuerreform."

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