Handelsverband: Hohe Umsatzeinbrüche erwartet
 
Handelsverband

Hohe Umsatzeinbrüche erwartet

Stephan Doleschal
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes

Der erste Einkaufsmontag nach dem harten Lockdown sorgte für weniger Kundenandrang, als im Vorfeld befürchtet. Am verkaufsoffenen Feiertag (Maria Empfängnis) rechnet man allerdings mit deutlich mehr Besucher. 

Nach drei Wochen hartem Lockdown dürfen nun wieder alle Geschäfte in Österreich offenhalten. Die Händler befinden sich in der heißesten Phase des Jahres, dem Weihnachtsgeschäft. Allerdings ist davon laut Handelsverband bis dato nicht viel spürbar. Bis zu 2,7 Milliarden Euro gingen Lockdown-bedingt bereits verloren, schreibt der Handelsverband in einer Aussendung. Demnach kann nur rund ein Drittel davon im Dezember noch nachgeholt werden.

Erste Weihnachtsprognose: Österreicher geben heuer pro Kopf 430 Euro für Geschenke aus

"Der Handelsverband erwartet in seiner ersten Prognose heuer einen Rückgang der Weihnachtsausgaben im Dezember um 20 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro brutto. Im Vorjahr konnten wir noch das Rekordergebnis von 1,43 Milliarden Euro umsetzen", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Pro Kopf dürften die Gesamtausgaben der Österreicher für Weihnachtsgeschenke heuer bei 430 Euro liegen, so das Ergebnis einer aktuellen Blitzumfrage von Mindtake Research im Auftrag des Handelsverbandes.

Der erste Einkaufsmontag nach dem Ende des harten Lockdowns sorgt indessen für weniger Kundenandrang, als noch im Vorfeld von der Politik befürchtet worden war. "Weder Innenstadtlagen und Einkaufsstraßen noch Fachmarktzentren und Shoppingcenter meldeten am Vormittag überdurchschnittliche Frequenzen. Dies gilt sowohl für den urbanen Bereich als auf für die ländlichen Regionen. Es dürfte damit zusammenhängen, dass die Gastronomie als wichtiger Frequenzbringer des Handels noch bis mindestens 7. Jänner geschlossen bleibt. Durch den Lockdown Light entgehen dem Handel im Dezember weiterhin rund 150 Millionen Euro pro Woche", so Will.

Am morgigen verkaufsoffenen Feiertag (Maria Empfängnis) dürfte der Andrang allerdings deutlich zunehmen, auch Schlangenbildungen vor den Friseursalons, Möbel-, Textil- und Elektrogeschäften sind zu erwarten. Doch die Händler haben ihre Hausaufgaben gemacht und können dank umfassender Hygienemaßnahmen die Sicherheit ihrer Kundinnen und Kunden bestmöglich gewährleisten.

"Die Händler haben pünktlich Sicherheits- und Hygienekonzepte vorgelegt, um mit einem durchdachten Besuchermanagement die Besucherströme zu entzerren. Drinnen wie draußen braucht es das Zusammenwirken aller: der Händler, der Shoppingcenter-Betreiber, der Exekutive sowie der Konsumenten, die noch 16 Tage Zeit für den Weihnachtseinkauf haben. Gemeinsam können wir ein nachhaltiges Weihnachtsgeschäft ermöglichen und damit Arbeitsplätze absichern", sagt Will.

Win-Win durch "Österreich-Schecks" als Anreiz für freiwillige Corona-Tests

Generell geht die Planungsunsicherheit und die aktuelle Konjunkturflaute in Kombination mit hohen Arbeitslosenzahlen und Corona-Kurzarbeit auf Kosten der Konsumlaune. Umso wichtiger wären jetzt lenkungspolitische Maßnahmen, damit der Bevölkerung einerseits ein frohes Weihnachtsfest möglich ist und gleichzeitig die negativen gesundheitlichen Folgen der Pandemie bestmöglich bekämpft werden.

Hier liegt ein Anreizsystem auf der Hand, das einen Win-Win erzeugen würde. Der Handelsverband hat bereits im Frühling ein entsprechendes Konzept vorgestellt, das hier ansetzen kann.

"Schenken wir allen Menschen mit Hauptwohnsitz in Österreich, zumindest jenen, bei denen die jüngste Steuerreform keine Wirkung entfacht hat, heuer Österreich-Schecks. Also einen Gutschein in Höhe von mehreren hundert Euro, der im heimischen Handel eingelöst werden kann. Man könnte diese Initiative auch mit den freiwilligen Corona-Tests der Bundesregierung verknüpfen, um damit einerseits einen Anreiz zu schaffen sich testen zu lassen und andererseits einen Beitrag zu leisten, die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Das wäre lenkungspolitisch ideal und hätte sowohl aus epidemiologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht nur Vorteile", ist Will überzeugt.

stats